Broadway (Theater)

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Werbung für Broadway-Produktionen am Times Square

Unter dem Broadway [ˈbɹɑːdweɪ] in New York City versteht man das Theaterviertel in Midtown Manhattan am Times Square zwischen der 41. und 53. Straße und der Sixth und Ninth Avenue. In diesem Viertel gibt es etwa 40 große Theater. Jedes Theater zeigt ein Musical oder ein Theaterstück; die Spieldauer wird in der Regel nicht vorher festgelegt, sondern richtet sich nach der Beurteilung durch Kritiker und Publikum.[1] Aufgrund der großzügigen Beleuchtung der Straße und des Platzes wird der Broadway auch The Great White Way genannt.

Neben den Broadway-Theatern gibt es pro Jahr noch etwa 1500 Off-Broadway- und Off-Off-Broadway-Aufführungen. Ursprünglich war die Einteilung von Broadway zu Off- und Off-Off-Broadway wörtlich zu nehmen: Broadway-Theater lagen direkt am „Great White Way“, Off-Broadway-Bühnen befanden sich etwas abseits und ganz außerhalb des theater district gab es Off-Off-Broadway-Theater. Je größer die Entfernung zum Broadway, desto billiger waren die Theater zu mieten. So waren Off-Broadway-Produktionen häufig Testlauf für neue Stücke, die bei entsprechendem Erfolg an den Broadway transferierten (Bsp. Hair, A Chorus Line). Diese Einteilung der Spielstätten hat sich seither verändert: Ein New Yorker Theater gilt heute – selbst wenn es etwas abseits vom Broadway liegt – als Broadway-Theater, wenn es über 500 Sitzplätze hat, bei einem Fassungsvermögen zwischen 100 und 500 Zuschauern spricht man von einem Off-Broadway-Theater, darunter von einem Off-Off-Broadway-Theater.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empire Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Theater, das vom vorherigen Theaterviertel am Herald Square zum Times Square umzog, war das Empire Theater. Der Impresario Charles Frohman, der 1915 bei der Versenkung der Lusitania ums Leben kam, ließ das Gebäude 1893 mit etwa 1000 Sitzplätzen erbauen. Es lag direkt gegenüber dem 1883 eröffneten Opernhaus der Metropolitan Opera, an dessen alten Standort zwischen der 39ten und 40ten Straße.

Theatrical Syndicate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Frohman begann in vielerlei Hinsicht eine neue Zeit. Nicht nur, dass er im Jahr 1915 in New York sechs, in London fünf und über 200 Theater in den gesamten Vereinigten Staaten besaß, er veränderte auch die Art des Theater-Geschäfts. Zusammen mit weiteren Geschäftsmännern gründete er 1896 das Theatrical Syndicate. Während zuvor Schauspieler ihre Touren durch die USA nach eigenen Vorstellungen gestalteten, können seitdem Theatermanager, Produzenten und Schauspieler ihre Pläne und Termine im Voraus sicher organisieren. Damit konnten Frohman und die anderen Theaterbesitzer ein Stück nach eigenen Vorstellungen mit Schauspielern besetzen, und so entstand das System, welches später beim Film als Starsystem bezeichnet wurde.

Theatergründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyceum, das älteste im Betrieb befindliche Theater am Broadway.

Der Broadway erlebte zwischen den Jahren 1910 und 1930 eine Vielzahl von Theater-Neugründungen. Das älteste, ununterbrochen bespielte Theater aus dieser Zeit ist das am 2. November 1903 eröffnete Lyceum. Es hieß ursprünglich: New Lyceum Theatre,[2] da das vorherige Lyceum Theater aus dem Jahre 1885 an der 45ten Straße, Ecke Broadway, wegen des Neubaus abgerissen wurde. Es war auch das erste Theater, das elektrisches Licht im gesamten Gebäude hatte, eingebaut von Thomas Alva Edison.

Krise und New Deal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Great Depression in den 1930er-Jahren und der aufkommende Tonfilm führten zu einer schweren Krise des Broadways und verlangten eine Neuorientierung des Theaters.

Im Rahmen des New Deal gab es in der Zeit von 1935 bis 1939 eine finanzielle Hilfe über 46 Millionen Dollar zur Finanzierung von mehr als 1000 Produktionen.

Nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schaffung der Tony Awards 1947 verdeutlichte den Wunsch der Theater am Broadway, die Qualität ihrer Stücke zu verbessern. In den 1940er-Jahren gab es mit neuen Off-Broadway-Theatern in Greenwich Village erste Ansätze, ein neues Publikum anzusprechen.

Off-Broadway, Off-Off-Broadway[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1950er-Jahren bildeten sich Off-Broadway-Theater auch am Broadway als Reaktion auf die Kommerzialisierung des Theaters. Viele Stücke, die es nicht auf die großen Bühnen schafften, wurden an den günstigeren Off-Broadway-Theatern aufgeführt. Meist haben diese zwischen 100 und 500 Sitzplätze.

Ab 1985 entwickelte sich eine weitere Art von Theatern, die Off-Off-Broadway-Theater, die über die ganze Stadt verstreut ein modernes experimentelles Theater machen. Die Off-Off-Broadway-Theater haben meist unter 100 Sitzplätze.

Theatersterben, Aufbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er-Jahren gab es ein Theatersterben am Broadway, aber durch städtebauliche Maßnahmen, Sparmaßnahmen und die Verpflichtung großer Namen ist die Krise heute überwunden.

Im Jahr 1988 entschied die New York Landmarks Preservation Commission, den meisten historischen Theatergebäuden den Status historic sites zu verleihen.

Sprungbrett zum Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bühnenindustrie des Broadway, die traditionell die bedeutendste und umsatzstärkste des Landes ist, war für die Filmindustrie Hollywoods seit jeher eine Hauptressource und Teststrecke für Filmstoffe. Zahllose Hollywood-Drehbücher sind Adaptionen erfolgreicher Broadway-Bühnenstücke.

Auch die personellen Verflechtungen zwischen Broadway und Hollywood sind beträchtlich. Trotz großer Unterschiede im Profil dieser beiden Berufe haben viele Filmschauspieler ihre Laufbahn als Bühnendarsteller am Broadway begonnen, wie zum Beispiel Groucho Marx, Charlton Heston, Robert Redford, Orson Welles, Katharine Hepburn, Burt Lancaster, James Dean, Marlon Brando, Gene Hackman und Grace Kelly. Andere sind erst in Hollywood bekannt geworden und haben sich dann gelegentlich am Broadway erprobt, wie beispielsweise Elizabeth Taylor und Angela Lansbury.

Erfolgreiche Musicals am Broadway[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Broadwayerfolge sind unter anderem:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. playbill.com: Long Runs on Broadway, abgerufen am 21. Dezember 2012
  2. Lyceum Theatre bei IBDB (Internet Broadway Database) archive

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 40° 45′ 21″ N, 73° 59′ 11″ W