Schloss Biedenkopf

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Schloss Biedenkopf
Ansicht aus Süd-Ost

Ansicht aus Süd-Ost

Entstehungszeit: 1296
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Wiederaufgebaut
Ständische Stellung: Landgrafen
Ort: Biedenkopf
Geographische Lage 50° 54′ 54,4″ N, 8° 31′ 36,4″ OKoordinaten: 50° 54′ 54,4″ N, 8° 31′ 36,4″ O
Höhe: 386 m ü. NHN
Schloss Biedenkopf (Hessen)
Schloss Biedenkopf
Burg und Stadt Biedenkopf nach einem Stich von Matthäus Merian 1655
Sanierter Innenhof (2011)
Palas (2006)
Ansicht von Westen
Ansicht von Süden

Das Schloss Biedenkopf ist eine Burg in der mittelhessischen Stadt Biedenkopf und das Wahrzeichen der Stadt. Es steht auf dem 386 Meter hohen Schlossberg, einem Bergkegel oberhalb des alten Ortskerns.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dendrochronologischen Untersuchungen wurde der nördliche Turm der Burg wahrscheinlich nach 1175 erbaut. Erstmals wurde eine Familie von Biedencap(h) im späten 12. Jahrhundert erwähnt. Der erste Vertreter der Familie, Harmouthdus von Biedencaph, war Ministeriale der Kölner Erzbischöfe. Die Familie stammte von der Familie von Hohenfels ab.

Um 1231 gelangte die Burg in den Besitz des Landgrafen Konrad von Thüringen, der die hessischen Besitzungen der Ludowinger verwaltete und die Stadt Biedenkopf unterhalb der Burg anlegen ließ. Die Burg diente zur Zeit des thüringischen Landgrafen Heinrich Raspe zusammen mit den Burgen in Frankenberg und Gladenbach als westliche Grenzsicherung.

Nach 1296 „verlegte“ Landgraf Otto I. von Hessen die Burg nach „forne uff den Berg“; wahrscheinlich erbaute er eine Burg an der heutigen Stelle an der Südseite des Bergs. Das heute noch zugängliche Schloss wurde 1360 bis 1365 unter Landgraf Heinrich II. von Hessen deutlich ausgebaut. Nach Bauuntersuchungen wurde der Palas in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (1455–1460 und 1480–1483) umgebaut.

Im 15./16. Jahrhundert verlor die Burg zunehmend ihre Bedeutung und wurde baulich vernachlässigt. Seit 1579 diente der Palas als Kornspeicher. Im Jahr 1604 war die Burg ruinös. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie mehrfach besetzt und schwer beschädigt.

In den Jahren 1843–1847 wurde das Schloss unter Großherzog Ludwig II. von Hessen-Darmstadt und dem Kreisbaumeister Sonnemann wieder instand gesetzt und im Geist des Historismus umgebaut. Diese Baumaßnahme wird oft fälschlich dem Baumeister Georg Moller zugeschrieben.[1] 1886–1891 wurde der Palas renoviert. Im Jahr 1908 wurde durch den Geschichtsverein des Kreises Biedenkopf ein Heimatmuseum im Schloss eingerichtet.

Von 1988 bis 1993 war das Schloss wegen Baufälligkeit für die Öffentlichkeit gesperrt. Für die darauf folgende aufwändige Sanierung wurde der Landkreis Marburg-Biedenkopf 1993 mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. In den Folgejahren wurden weitere Teile der Burganlage repariert und saniert, 2007/2008 die Schlossmauer[2] und 2010 der Innenhof mit Wiederherstellung des ursprünglichen Pflasters.[3]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Schloss liegt auf der Südseite des Schlossbergs. Der Bergfried ist auf der Stadtseite in die Ringmauer integriert. Dem Bergfried ist ein Zwinger vorgelagert. An die Ringmauer bzw. den Zwinger schließen sich Reste der Stadtbefestigung an. An der Ostseite der Burg befinden sich der Palas und ein quadratischer Wohnturm.

Nördlich der Burg wurden Ruinen einer etwa rechteckigen Burg gefunden, welche ein Vorgängerbau des heutigen Schlosses gewesen sein könnte.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinterlandmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Das Landgrafenschloss beherbergt das Hinterlandmuseum, in dem neben Dauerausstellungen auch wechselnde Ausstellungen mit Bezug zur Region stattfinden. Um die Erhaltung und Förderung der Anlage kümmert sich der Schlossverein Biedenkopf e. V. Im ehemaligen Palas, dem Hauptwohngebäude der Burganlage, befindet sich auf vier Stockwerken das Hinterlandmuseum. Hier werden die Themen Geschichte, Lebensverhältnisse, Handwerk und Trachten im Hessischen Hinterland, der Grenzgang (historisches Volksfest), geologischer Aufbau der Region und die heimische Tierwelt dargestellt. Das Museum verfügt über eine Ausstellungsfläche von ca. 700 m². Träger des Museums ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Rittersaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rittersaal im Palas wird für kulturelle Veranstaltungen; insbesondere für die Veranstaltungsreihe „Herbstabende“ mit Theateraufführungen, Konzerten und Vorträgen zur Lokal- und Regionalgeschichte genutzt. Jährlich findet dort die Preisverleihung des Otto-Ubbelohde-Preises statt. Das Standesamt Biedenkopf bietet an, den Saal für Trauungen zu nutzen.

Außengelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenhof der Schlossanlage wird gelegentlich für Konzerte und Theateraufführungen genutzt. Auf dem vorgelagerten Parkplatzgelände finden Mittelaltermärkte statt.

Schlossfestspiele Biedenkopf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 finden im Innenhof jeweils im Sommer die Schlossfestspiele Biedenkopf statt; veranstaltet vom Eigenbetrieb Freizeit, Erholung und Kultur der Stadt Biedenkopf. Deren Konzept sieht vor, deutschsprachige Musicals zu lokalen historischen Themen neu zu entwickeln und aufzuführen. Das über 100 Mitglieder zählende Ensemble (inkl. Liveband) besteht zum Teil aus national und international tätigen Musicalprofis, überwiegend aber aus mehreren Dutzend lokaler Laiendarsteller. Bislang wurden zwei Produktionen präsentiert: in den Jahren 2013 und 2014 Eingefädelt, eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert über die Befreiung Philipp des Großmütigen durch Biedenkopfer Tuchhändler sowie 2015 und 2016 Der Postraub, angelehnt an den historisch belegten Postraub in der Subach von Anfang des 19. Jahrhunderts (bereits bekannt geworden durch eine Verfilmung).[4] Im Abstand von zwei Jahren werden auch zukünftig Neuproduktionen mit historischen Themen und regionalem Bezug aufgeführt werden. Am 11. August 2017 wird das Stück Die Hatzfeldt Premiere haben; es handelt von Gräfin Sophie von Hatzfeldt, die mit Hilfe ihres Rechtsanwalts Ferdinand Lassalle einer innerfamiliären Zwangsehe entkommen will.[5]

Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1950 erfolgte der Einbau einer Gaststätte, die 1960 erweitert wurde.[6] Die Erweiterung bestand aus dem Neubau eines großflächigen Obergeschosses über der bisherigen Gaststätte und der Schlossmauer. Aufgrund des terrassenförmigen Charakters wurde sie „Schlossterrasse“ benannt und wird seither als Restaurant und Café genutzt.

Die vorherige Gaststätte (mit Erker in der Schlossmauer) wurde geschlossen und erst in den 1980er Jahren renoviert und unter dem Namen „Eiserner Heinrich“ wieder für eine gastronomische Nutzung erschlossen. Sie wird nach Bedarf als Erweiterung der „Schlossterrasse“ von geschlossenen Gesellschaften genutzt.

Das gastronomische Ensemble wird saisonal ergänzt durch einen Biergarten vor der Schlossmauer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Thon, Stefan Ulrich, Jens Friedhoff: „Mit starken eisernen Ketten und Riegeln beschlossen“. Burgen an der Lahn. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2000-0, S. 28–33.
  • Michael Losse: Die Lahn – Burgen und Schlösser. Imhof Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-070-9.
  • Max Langenbrinck: Historische Daten, Chronologie Schloss Biedenkopf. In: Kreisausschuß des Landkreises Marburg-Biedenkopf (Hrsg.): „… es wäre beinahe eingestürzt …“ – Baugeschichte und Sanierung des Palasgebäudes des Schlosses Biedenkopf. Marburg 1994, S. 43 ff.
  • Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer. Band 3. Verlag von J. J. Bohné, Kassel 1836.
  • Rainer Nickel: Der obere Schlosshof von Schloss Biedenkopf: Burgengrabung im Landkreis Marburg-Biedenkopf. In: Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Hessen-Archäologie: Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen. Band 2010, 2011, ISSN 1610-0190, S. 160–164 (Ill., graph. Darst.).
  • Norbert Gebauer: Bemerkungen zur Burg Biedenkopf. Überarbeitete Fassung eines Vortrages gehalten vor dem Hinterländer Geschichtsverein am 23. März 2007 in Biedenkopf. In: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834 e. V. (Hrsg.): Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG). Band 112, 2007, ISSN 0342-3107, S. 253–272 (vhghessen.de (PDF) [abgerufen am 7. April 2013]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Biedenkopf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Losse: Die Lahn – Burgen und Schlösser, S. 67
  2. Landeskonservator Professor Dr. Weiß übergibt einen Bescheid des Landesamtes für Denkmalpflege an Landrat Robert Fischbach für die Sanierung der Schlossmauer in Biedenkopf; auf denkmalpflege-hessen.de
  3. Asphalt weicht Pflaster - Nach fünf Monaten Bauzeit weiht Landkreis neuen Schlosshof ein (Memento vom 30. August 2010 im Internet Archive) Hinterländer Anzeiger online, 25. August 2010
  4. Website der Schlossfestspiele Biedenkopf
  5. Leistung des Ensembles ist enorm - Am 11. August 2017 gibt es die nächste Weltpremiere in Biedenkopf; Hinterländer Anzeiger vom 20. August 2016
  6. Dehio, Georg [Begr.]; Gall, Ernst [Hrsg.]: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. Regierungsbezirke Gießen und Kassel; Deutscher Kunstverlag, München 2008, S. 108