Hilde Marchwitza

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hilde Marchwitza, geborene Stern, geschiedene Schottlaender, (* 7. April 1900 in Breslau; † 8. September 1961 in Berlin) war eine deutsche Übersetzerin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hilde Marchwitza war die Tochter des Erfinders des ersten Intelligenzquotienten, William Stern, und dessen Gattin Clara Stern. Sie hatte zwei jüngere Geschwister namens Günther und Eva (1904–1992). 1916 zog die Familie nach Hamburg, wo William Stern eine Professorenstelle erhielt. Hilde Stern absolvierte in der Hansestadt das Abitur. Anschließend ging sie an eine Soziale Frauenschule unter Leitung von Gertrud Bäumer. 1921 erhielt sie eine Stelle beim Hamburger Arbeitsamt, für das sie zunächst als Praktikantin, später als Berufsberaterin tätig war.

Nach der Heirat mit Rudolf Schottlaender im September 1922 zog Hilde Schottlaender gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Berlin. Hier arbeitete sie einige Zeit als Sekretärin für Gertrud Bäumer und bekam zwei Kinder: Michael (* 1924 – † 1989) und Hanna, * 1925, verheiratete Obermann.[1] Die Ehe mit Rudolf Schottlaender hielt bis zum Dezember 1926, die Scheidung erfolgte 1927. Hilde Schottlaender ging gemeinsam mit den Kindern nach Hamburg und arbeitete dort wieder für das Arbeitsamt. Im Juli 1933 erhielt sie die Kündigung aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Anschließend arbeitete sie für die Jüdische Berufsberatungsstelle in Hamburg.

Schottlaender, die sich politisch und sozial engagierte, trat einer Widerstandsgruppe um Hans Westermann bei. Sie stellte der Gruppe ihre Wohnung als Treffpunkt für Diskussionen und das Studium ausländischer Presse zur Verfügung. Die Arbeit im Widerstand endete mit der Festnahme führender Personen im März 1935, darunter Hilde Schottlaender. Das Hanseatische Oberlandesgericht verhängte gegen sie im Oktober 1935 eine zweijährige Haftstrafe aufgrund angeblicher „Vorbereitung zu einem hochverräterischen Unternehmen“. Schottlaender verbrachte die Haftzeit in der Frauenhaftanstalt Lübeck-Lauerhof.

Grab von Hilde und Hans Marchwitza auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

Nachdem sie die Haftstrafe verbüßt hatte, konnte Schottlaender aus dem Deutschen Reich fliehen. Sie reiste im August 1937 über Holland, wo sich ihre Kinder aufhielten (Sohn Michael besuchte da die Quäkerschule Eerde), weiter in die USA. In New York arbeitete sie von 1937 bis 1939 als Redaktionssekretärin und Mitarbeiterin für die deutschsprachige Wochenzeitung Deutsches Volksecho. Von 1939 bis 1942 übernahm sie Bürotätigkeiten und engagierte sich als Sozialarbeiterin für mehrere Hilfsorganisationen jüdischer Auswanderer. Begleitend hierzu verfasste sie von 1939 bis 1941 mehrere Beiträge zu sozialpolitischen Fragestellungen, die in der Rubrik „Probleme des Alltags“ der Zeitung Aufbau erschienen. Von 1939 bis 1946 schrieb sie für die Frauenseite des German-American und beteiligte sich an der Redaktionsarbeit der antifaschistischen Zeitung.

Seit 1942 war Hilde Schottlaender mit Hans Marchwitza bekannt. Der kommunistische Schriftsteller lebte wie sie als Emigrant aus dem Deutschen Reich in den USA. Sie heirateten 1945 und kehrten nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1946 zurück. Das Ehepaar lebte zunächst in Stuttgart, zog 1947 nach Potsdam und 1950 weiter nach Prag, wo Hans Marchwitza eine Stelle als Kulturattaché der DDR in Prag übernahm. Hilde Marchwitza leitete hier die Pressestelle der Diplomatischen Mission und unterstützte ihren Mann bei dessen Arbeit als Schriftsteller. In der DDR übersetzte sie, insbesondere für den Dietz Verlag, mehrere Werke. Dazu gehörten Kultur in einer sich ändernden Welt : Eine marxistische Studie (1949) von V. J. Jerome und Indien heute (1951) von Rajani Palme Dutt.

Hilde Marchwitzas Urne wurde in der Grabanlage „Pergolenweg“ der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raimund Bahr: Günther Anders. Leben und Denken im Wort., Edition Art Science, Wien und St. Wolfgang, 2010, ISBN 978-3-902157-71-3, einsehbar als Google-Book: Michael Schottlaender