Hochstapler-Syndrom

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Das Hochstapler-Syndrom, teilweise auch Impostor-Phänomen, Impostor-Syndrom, Mogelpackungs-Syndrom oder Betrüger-Phänomen genannt, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind Betroffene davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient haben. Von anderen als Erfolge angesehene Leistungen werden von den Betroffenen mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch andere erklärt. Die Existenz dieses Syndroms ist umstritten, es wird weder im ICD-10 noch im DSM-5 aufgeführt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Hochstapler-Syndrom“ (original: „Impostor phenomenon“) wurde erstmals 1978 in einem Artikel von Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes eingeführt. Sie beobachteten, dass viele sehr erfolgreiche Frauen glauben, dass sie nicht besonders intelligent wären und ihre Leistungen von anderen überschätzt würden.[1] Ursprünglich wurde das Hochstapler-Phänomen als ein Persönlichkeitsmerkmal angesehen, das unveränderlich gegeben ist; in jüngerer Zeit wird es jedoch auch als Reaktion auf bestimmte Stimuli und Ereignisse angesehen. Als solches wird es aber nicht als eine psychische Störung eingeordnet. Bestimmte Personengruppen haben sich als anfälliger für das Syndrom erwiesen, jedoch wird es nicht als ein eigentlicher Persönlichkeitszug angesehen.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychologische Studien aus den 1980ern schätzen, dass zwei von fünf erfolgreichen Menschen sich selbst als Hochstapler einstufen. Andere Studien gehen davon aus, dass 70 Prozent aller Menschen sich unter bestimmten Umständen oder Zeiten als Hochstapler fühlen.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hochstapler-Syndrom wurde ursprünglich als ein Phänomen unter erfolgreichen Frauen angesehen.[1] Eine Reihe von Studien belegen jedoch, dass Männer und Frauen in etwa gleicher Zahl betroffen sind.[3][4] Eine andere betroffene Gruppe (in den USA) ist die der Afro-Amerikaner. Affirmative Action kann dazu beitragen, dass die bevorzugte Minderheit den Eindruck gewinnt, dass nicht ihre Fähigkeiten der Grund für ihre Einstellung waren.[5] Außerdem wurde das Hochstapler-Syndrom bei Absolventen und angehenden Wissenschaftlern identifiziert.[6]

Mögliche Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Attributionsstil von Betroffenen des Hochstapler-Syndroms ist geschlechtsunabhängig und ist spezifisch für Leistungssituationen: Erfolge werden externen Ursachen (Glück, Zufall) und Misserfolge internen (mangelnde Fähigkeit) zugeschrieben.[7][8] Es konnte empirisch gezeigt werden, dass soziale Situationen nicht von diesem Erklärungsmuster betroffen sind, sondern ausschließlich jene die mit Leistungsinhalt verbunden sind. Diese Befunde liefern Hinweise auf die Eigenständigkeit des Syndroms, indem theoretische Annahmen nach Clance[9] empirisch bestätigt werden. Frauen glauben außerdem, dass sie unter stärkerer Beobachtung stehen als ihre männlichen Kollegen. Der Mechanismus beginnt in der frühen Kindheit: Jungen machen Gründe außerhalb ihrer Verantwortung verantwortlich, wenn Dinge schief laufen (z. B. Es wurde einem nicht genügend Zeit gegeben, um eine Frage in einem Test zu beantworten, oder das gegnerische Team hatte einen unfairen Vorteil), während Mädchen sich selbst verantwortlich machen (z. B. „Das kann ich einfach nicht“).

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die effektivste Therapie zur Überwindung des Hochstapler-Syndroms ist zu erkennen, dass es existiert.

Kognitive Verhaltenstherapie: Dieser Ansatz betrachtet den gedanklichen Prozess, der dazu führt, dass der oder die Betroffene eigene Erfolge nicht anerkennt. Bestimmte Annahmen müssen überwunden werden, zum Beispiel der Glaube, dass ein einziger Fehler die eigenen Fähigkeiten ganz in Frage stellt. Der Ansatz versucht dem Patienten die negativen und zerstörerischen Gedanken bewusst zu machen und diese zu vermeiden. Sobald die Person dies erkannt hat, ist sie grundsätzlich in der Lage, diese Gedanken mit objektiven Gegebenheiten abzugleichen und die Verzerrungen in ihrem Denken zu erkennen.

Andere Methoden: Schreibtherapie erlaubt der Person, ihre Gedanken besser zu organisieren. Sobald die Person ihre Erfolge sehen kann, anstatt sie nur intern im Kopf zu bewerten, ist sie nach dieser Methode besser in der Lage, die Erfolge realistisch zu bewerten. Der Text kann auch als Erinnerung an vergangene Leistungen dienen.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pauline R. Clance, Suzanne A. Imes: The impostor phenomenon in high achieving women. Dynamics and therapeutic intervention. In: Psychotherapy. Theory, Research, and Practice. 1978.
  2. Rory O’Brien McElwee, Tricia J. Yurak:: The Phenomenology Of The Impostor Phenomenon. In: H. W. Wilson (Hrsg.): Individual Differences Research. Band 8, Nr. 3, 5. Oktober 2012, S. 184–197.
  3. Joe Langford, Pauline R. Clance: The imposter phenomenon. Recent research findings regarding dynamics, personality and family patterns and their implications for treatment. In: Psychotherapy. Theory, Research, Practice, Training. Band 30, Nr. 3, S. 495–501, doi:10.1037/0033-3204.30.3.495 (paulineroseclance.com [PDF]).
  4. http://www.slate.com/articles/business/the_ladder/2016/04/is_impostor_syndrome_real_and_does_it_affect_women_more_than_men.html
  5. Elizabeth M. Vera, Veronica Vasquez, Rebecca Corona: „Women of Color“ in „Encyclopaedia of Multicultural Psychology“ (2006); Seiten 475–80
  6. Lucas Laursen: No, You’re Not an Impostor. In: Science Careers. 15. Februar 2008 (sciencemag.org).
  7. Ted Thompson, Helen Davis, John Davidson: Attributional and affective responses of impostors to academic success and failure outcomes. In: Personality and Individual Differences. Band 25, Nr. 2, 1. August 1998, S. 381–396, doi:10.1016/S0191-8869(98)00065-8.
  8. Kay Brauer, Annegret Wolf: Validation of the German-language Clance Impostor Phenomenon Scale (GCIPS). In: Personality and Individual Differences. Band 102, 8. Juli 2016, S. 153–158, doi:10.1016/j.paid.2016.06.071 (Druckversion November 2016).
  9. P. R. Clance: Erfolgreiche Versager. Das Hochstapler-Phänomen. (= Heyne-Bücher/17. Nr. 10). 1. Auflage. Heyne, 1988, ISBN 3-453-00630-5.
  10. Lynda L. Moore: Not As Far As You Think: The Realities of Working Women. Lexington Books, Lexington, Mass 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englische Links:

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