Honiganzeiger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Honiganzeiger
Schmalschnabel-Honiganzeiger (Prodotiscus regulus)

Schmalschnabel-Honiganzeiger (Prodotiscus regulus)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Unterordnung: Spechtartige (Picoidea)
Familie: Honiganzeiger
Wissenschaftlicher Name
Indicatoridae
Swainson, 1837
Kleiner Honiganzeiger
Großer Honiganzeiger

Die Honiganzeiger (Indicatoridae) sind eine Familie in der Ordnung der Spechtvögel (Piciformes).

Zu ihnen rechnet man 17 Vogelarten in vier Gattungen, von denen 15 in Afrika südlich der Sahara beheimatet sind. Zwei Arten bewohnen den Norden Indiens und Südostasien. Ihr Lebensraum sind Wald- und Buschlandschaften. Honiganzeiger ernähren sich hauptsächlich von Insekten, zu den charakteristischen Merkmalen der Familie gehört jedoch, dass alle auch Bienenwachs fressen.[1]

Erscheinungsbild und Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Honiganzeiger erreichen ausgewachsen eine Körperlänge zwischen 10 und 20 Zentimeter und wiegen zwischen 10 und 55 Gramm. Der Schnabel ist bei den meisten Arten kurz und kräftig. Lediglich bei den drei Prodotiscus-Arten ist er ähnlich wie bei einem Fliegenschnäpper dünn und spitz zulaufend.[1] Das Gefieder ist unauffällig und von bräunlicher, gräulicher oder olivfarbenem Ton.

Alle Arten fressen zusätzlich zu Insekten auch Bienenwachs. Dieses stammt entweder von noch bewohnten oder aufgegebenen Bienennestern oder von den Körpersekreten anderer Insekten. Honiganzeiger sind in der Lage, Bienenwachs zu verdauen, weil in ihrem Darm darauf spezialisierte Bakterien leben. Honig fressen sie dagegen nicht.[1]

Anzeigen von Honig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren Namen haben diese Vögel aufgrund einer außergewöhnlichen Verhaltensweise, die sowohl beim Kleinen als auch beim Großen Honiganzeiger zu beobachten ist:[2] Vertreter dieser zwei Arten ziehen allein oder in kleinen Gruppen umher und lenken die Aufmerksamkeit eines Menschen oder eines Honigdachses durch lautes Rufen auf sich. Dann fliegen sie kurze Strecken und warten darauf, dass man ihnen folgt. Findet der Honiganzeiger Anzeichen auf ein in der Nähe befindliches Bienennest, wartet er nun, bis sein ‚Partner‘ es gefunden und aufgebrochen hat, wozu er selbst nicht in der Lage ist. Dann frisst der Honiganzeiger die verbleibenden Insekten und Wabenreste, wobei spezielle Enzyme das Wachs in Fettsäuren aufspalten können. Dieses Lockverhalten ist auch für den Honigdachs beschrieben worden. Ob der Honiganzeiger tatsächlich mit anderen Tierarten außer dem Menschen dergestalt kooperiert, ist ebenso noch Gegenstand der Forschung wie die Frage, ob alle Arten der Gattung dieses Verhalten zeigen. Der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf argumentiert aber für den Dachs als Vorläufer, da er evolutionär älter als der Mensch ist.[3] Sicher nachgewiesen ist es bis dato nur für den Großen oder Schwarzkehl-Honiganzeiger. Über viele Arten der Honiganzeiger weiß man noch sehr wenig.

Die Kooperation zwischen Mensch und Großem Honiganzeiger ist besonders gut für Kenia dokumentiert, wo Angehörige der Borana Honig finden, indem sie dem Großen Honiganzeiger folgen. Die Borana haben einen besonderen Pfiff entwickelt, um Große Honiganzeiger heranzulocken. Vernimmt ein Großer Honiganzeiger diesen und kennt den Standort eines solchen Nestes, nähert er sich dem Menschen und zeigt ein auffällig unruhiges Flugverhalten, bei dem er ein durchdringendes tirr-tirr von sich gibt.[1] Sowohl Mensch als auch der Große Honiganzeiger profitieren von der Zusammenarbeit. Honigsammelnde Borana benötigen ohne Unterstützung durch den Großen Honiganzeiger durchschnittlich neun Stunden um ein Bienennest zu finden. Mit der Unterstützung des Vogels sinkt die Zeit auf durchschnittlich drei Stunden. In 96 % der untersuchten Fälle war das Bienennest für den Großen Honiganzeiger ohne Unterstützung des Menschens nicht zugänglich - beispielsweise, weil es sich in einem Astloch befand, dass erst mit Werkzeugen aufgebrochen werden musste. [1]

Brutparasitismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei elf Arten des Honiganzeigers ist das Brutverhalten genauer untersucht und alle diese elf Arten betreiben Brutparasitismus, ähnlich dem in Europa beheimateten Kuckuck. Ein Weibchen legt jährlich etwa 20 Eier jeweils einzeln in die Nester von Höhlenbrütern. Parasitiert werden unter anderem höhlenbrütende Spechte, Bienenfresser, Baumhopfe, Glanzstare und Eisvögel. Lediglich die Prodotiscus-Arten nutzen auch Wirtsvögel wie Fliegenschnäpper, Schwirle und Brillenvögel, die offene Nester bauen.[4]

Die Weibchen der brutschmarotzenden Honiganzeiger legen ein Ei pro Wirtsnest. Häufig pickt das Weibchen zuvor die Eier an oder entfernt ein oder mehrere Eier aus dem Gelege des Wirtsvogels. Die Eier sind weiß, ähnlich wie die der höhlenbrütenden Wirtsvögel. N. B. Davies vermutet, dass dies weniger eine Anpassung an die Wirtsvögel sondern vielmehr für ein Indiz dafür, dass die Honiganzeiger ursprünglich ebenfalls Höhlenbrüter waren.[4]

Nach dem Schlüpfen tötet der junge Honiganzeiger – zu diesem Zeitpunkt noch nackt und blind – die anderen Nestbewohner mit seinem hakenförmigen Eizahn und verlässt nach etwa vier Wochen das Nest.[5]

Gattungen und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N. B. Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. T & AD Poyser, London 2000, ISBN 0-85661-135-2.
  • Short, Lester & Jennifer Horne (2002): Family Indicatoridae (Honeyguides). In: Josep Del Hoyo, Andrew Elliott, Jordi Sargatal (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World: Jacamars to Woodpeckers. Vol. 7. Lynx Edicions.
  • Isack, H.A. & Reyer, H.U. (1989): Honeyguides and honey gatherers: interspecific communication in a symbiotic relationship. In: Science. 243: 1343–1346.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Honiganzeiger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. S.20.
  2. Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. S. 20
  3. Das Rätsel der Menschwerdung. Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel der Natur. dtv, München 1993, ISBN 3-423-30341-7, S. 228
  4. a b Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. S.21.
  5. R. Dawkins: The Selfish Gen. 1976, S. 133 (2006-Edition, ISBN 978-0-19-929114-4).