Hornstiel-Schwindling

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Hornstiel-Schwindling
Marasmius cohaerens 20070812wa.JPG

Hornstiel-Schwindling (Marasmius cohaerens)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Schwindlingsverwandte (Marasmiaceae)
Gattung: Schwindlinge (Marasmius)
Art: Hornstiel-Schwindling
Wissenschaftlicher Name
Marasmius cohaerens
(Pers. Fr.) Cooke & Quél.

Der ungenießbare Hornstiel-Schwindling (Marasmius cohaerens) ist eine Pilzart aus der Familie der Schwindlingsverwandten (Marasmiaceae). Die Fruchtkörper erscheinen von Sommer bis Herbst im Laubwald. Er wird auch Hornstieliger Schwindling oder Beschuhter Schwindling genannt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hut ist 2–5 cm breit, jung kegelig bis glockig und dann gewölbt. Schließlich ist er flach ausgebreitet und trägt häufig einen breiten, stumpfen Buckel. Die matt-feinsamtige Oberfläche ist höchstens schwach hygrophan. Sie kann glatt oder runzelig sein und ist blass braun bis lederbraun gefärbt. Bisweilen kann sie auch einen rötlichbraunen Ton haben. Die Mitte ist oft dunkler gefärbt. Nur jung und feucht ist der Hutrand etwas gerieft.

Die bauchigen Lamellen sind ausgebuchtet am Stiel angewachsen und stehen mehr oder weniger entfernt. Sie sind gelblich weiß bis blass graubräunlich gefärbt, ihre Schneiden sind oft etwas dunkler. Das Sporenpulver ist weiß.

Der zylindrische, glänzende Stiel ist 4–8 cm lang und 2–4 mm breit. Er ist kahl, sehr steif und hornartig hart, das Innere ist hohl. Außen ist der Stiel schwarzbraun gefärbt, nach oben hin rotbraun, dann orangeockerlich, während die Stielspitze mehr oder weniger weißlich ist. Die Stielbasis ist filzig bis striegelig. Das Fleisch ist weißlich bis blass gelblich und geruchlos. Der Geschmack ist mild aber unangenehm.[1][2][3]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elliptischen bis mandelförmigen Sporen sind 6,5–10 µm lang und 4–5 µm breit. Sie sind glatt und durchscheinend (hyalin). Die Zystiden sind dickwandig, braun gefärbt und oben zugespitzt. Die Huthaut enthält Zystiden und bürstenartige Zellen.[1][2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fruchtkörper erscheinen von September bis November einzeln oder gesellig auf herabgefallenem Laub oder anderen Pflanzenresten. Der Schwindling wächst meist in der Laubstreu basischer Buchen- und Buchenmischwälder, gelegentlich findet man ihn auch bei Nadelbäumen.[2][3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Länder mit Fundnachweisen des Hornstiel-Schwindlings.[4][5][6][7][8][9][10][11][12]
Legende:
grün = Länder mit Fundmeldungen
cremeweiß = Länder ohne Nachweise
hellgrau = keine Daten
dunkelgrau = außereuropäische Länder.

Der Pilz kommt in Nordamerika (Kanada, Mexiko, USA), Zentralamerika (Costa Rica), Asien (Japan, Nordkorea, Südkorea, Mongolei) und Europa vor. Auch in Australien wurde er nachgewiesen. Er ist in ganz West- und Mitteleuropa verbreitet, aber nicht sehr häufig. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Griechenland und Bulgarien im Südosten bis nach Fennoskandinavien im Norden. In Norwegen findet man ihn selten jenseits des 65. Breitengrads, in Schweden bis zum 62. Breitengrad. In Finnland ist er sehr selten, noch am häufigsten im Südwesten.[6] Auch in Deutschland findet man ihn nur zerstreut.[13]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hornstiel-Schwindling ist kein Speisepilz.[2]

Verwechslungsarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwechseln kann man die Art am ehesten mit dem Ledergelben Schwindling (Marasmius torquescens), welcher einen matten, bereiften Stiel aufweist und sich mikroskopisch durch glatte Zellen in der Hutdeckschicht unterscheidet. Andere ähnliche Arten sind durch ihren auffälligen Geruch abgrenzbar, wie beispielsweise der Echte Knoblauchschwindling (Marasmius scorodonius), der Kohlstinkschwindling (Micromphale brassicolens) oder der Striegelige Rübling (Gymnopus hariolorum) durch seinen Geruch nach faulendem Kohl.[14]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Kirk: Marasmius cohaerens. In: Species Fungorum. Abgerufen am 7. Dezember 2013.
  • Marasmius cohaerens. In: MycoBank.org. International Mycological Association, abgerufen am 7. Dezember 2013 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marcel Bon: Pareys Buch der Pilze. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-09970-9, S. 174 (englisch: The mushrooms and toadstools of Britain and Northwestern Europe. Übersetzt von Till R. Lohmeyer).
  2. a b c d Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-08457-4, S. 86.
  3. a b Karin Montag: Hornstiel-Schwindling Marasmius cohaerens Im virtuellen Pilzbuch. In: Tintling.com. Abgerufen am 7. Dezember 2013.
  4. Cvetomir M. Denchev & Boris Assyov: Checklist of the larger basidiomycetes in Bulgaria. In: Mycotaxon. Band 111, 2010, ISSN 0093-4666, S. 279–282 (online [PDF]).
  5. Zdenko Tkalcec & Mesic Armin: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia. I. Families Pleurotaceae and Tricholomataceae. In: Mycotaxon. Vol: 81, 2002, S. 113–176 (englisch, cybertruffle.org.uk). cybertruffle.org.uk (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cybertruffle.org.uk
  6. a b Worldwide distribution of Marasmius cohaerens. (Nicht mehr online verfügbar.) In: GBIF Portal / data.gbif.org. Archiviert vom Original am 12. Dezember 2013; abgerufen am 7. Dezember 2013.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/data.gbif.org
  7. Z. Athanassiou & I. Theochari: Compléments à l'inventaire des Basidiomycètes de Grèce. In: Mycotaxon. Vol: 79, 2001, S. 401–415 (online).
  8. Ilkka Kytövuori et al.: Kapitel 5.2, Distribution table of agarics and boletes in Finland. ISBN 952-11-1997-7, S. 105–225 (online [PDF] Originaltitel: Helttasienten ja tattien levinneisyystaulukko.).
  9. German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3: Ständerpilze. Blätterpilze I. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1, S. 358.
  10. Jean-Pierre Prongué, Rudolf Wiederin, Brigitte Wolf: Die Pilze des Fürstentums Liechtenstein. In: Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein. Vol. 21. Vaduz 2004 (online [PDF]).
  11. Grid map of Marasmius cohaerens. In: NBN Gateway / data.nbn.org.uk. Abgerufen am 7. Dezember 2013 (englisch).
  12. Marasmius cohaerens. Pilzoek-Datenbank, abgerufen am 7. Dezember 2013.
  13. Gerhardt, Ewald: Der große BLV- Pilzführer für unterwegs. BLV Buchverlag, 2017. ISBN 978-3835416635.
  14. Breitenbach J, Kränzlin F: Pilze der Schweiz. Band 3: Röhrlinge und Blätterpilze 1. Teil 1. Auflage. Verlag Mykologia Luzern, Luzern 1991, ISBN 3-85604-030-7, S. 236.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marasmius cohaerens – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Marasmius cohaerens. In: Funghi in Italia / funghiitaliani.it. Abgerufen am 7. Dezember 2013 (italienisch, Fotos vom Hornstiel-Schwindling).