Hotel Lux

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Film von 2011 siehe Hotel Lux (Film).

Koordinaten: 55° 45′ 47″ N, 37° 36′ 31″ O

Das ehemalige Hotel Lux(e) in Moskau (2013).

Hotel Lux war ein Hotel in Moskau, in dem in den frühen Jahren der Sowjetunion führende kommunistische Emigranten einquartiert wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbaut wurde das Hotel 1911 als Hotel Franzija (Hotel Frankreich) vom Sohn des Bäckers Iwan Filippow in der Twerskaja 36 als vierstöckiger Bau. Das Hotel beherbergte auch das Filippowsche Café.

Nach dem Sieg der Oktoberrevolution wurde das Hotel in „Люкс(ъ)“ umbenannt, was dem gängigen französischen Hotelnamen „(de) luxe“, nicht aber dem lateinischen Wort „lux“ entspricht, übersetzt müsste der Hotelname im Deutschen also Luxe oder Luxus lauten (nicht Licht). Ab 1921 war dort das Gästehaus der Kommunistischen Internationale untergebracht. 1933 erweiterte man das Haus um zwei Etagen. Zu dieser Zeit hatte das Hotel 300 Zimmer und konnte an die 600 Personen beherbergen. Die Adresse lautete zwischenzeitlich uliza Gorkowo (Gorkistraße) 10.

Die dort in den 1930er-Jahren lebenden, überwiegend deutschen Exilanten waren für Moskauer Verhältnisse sehr gut versorgt, obwohl Bewohner von Rattenplagen berichteten. Viele Bewohner des Hotel Lux wurden zur Zeit des Großen Terrors zwischen 1936 und 1938 durch das NKWD festgenommen, verhört und gefoltert. Nach der Verurteilung auf der Basis i.d.R. willkürlicher Anklagen wurden die Personen in Straflager (vgl. Gulag) deportiert oder hingerichtet. Im Oktober 1941 wurden die Bewohner des Lux, als deutsche Truppen nur noch wenige Kilometer vor Moskau standen, nach Ufa evakuiert. Im Februar 1942 kehrten die Bewohner jedoch bereits zurück.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges beherbergte das Hotel für kurze Zeit die Gruppe Ulbricht, die am 30. April 1945 von hier startend nach Deutschland ausgeflogen wurde.

Die letzten „Politischen“ verließen 1954 das Hotel. Anschließend wurde es als „Hotel Zentralnaja“ wieder ein normaler Hotelbetrieb.

Seit Jahren wird das Gebäude saniert. Nach Rückbenennung der Twerskaja lautet die Adresse heute Twerskaja-Straße (russ. Тверская улица) 10.

Bekannte Persönlichkeiten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den im Hotel Untergebrachten mit zum Teil langer Aufenthaltsdauer gehörten u. a. folgende bekannte Persönlichkeiten:

Weitere Bewohner waren u. a.: Johannes R. Becher, Bolesław Bierut, Willi Bredel, Georgi Dimitrow, Fritz Erpenbeck, Klement Gottwald, Antonio Gramsci, Aino und Otto Kuusinen, Elisabeth Markstein, Imre Nagy, Wilhelm Pieck, Theodor Plivier, Ernst Reuter, Rudolf Slánský, Richard Sorge, Ernst Thälmann, Josip Broz Tito, Palmiro Togliatti, Erich Weinert, Markus Wolf, Clara Zetkin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doris Danzer (2012): Zwischen Vertrauen und Verrat: Deutschsprachige kommunistische Intellektuelle und ihre sozialen Beziehungen (1918-1960). V&R Unipress, ISBN 978-3899719390.
  • Bert Hoppe: Zimmerservice für die Revolution. Ein Besuch im Moskauer Hotel Lux, das bald zugrunde saniert wird. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Oktober 2007.
  • Ruth von Mayenburg: Hotel Lux - die Menschenfalle. Elisabeth Sandmann Verlag, 2011, ISBN 978-3-938045-60-2.
  • Waltraut Schälike: Ich wollte keine Deutsche sein. Berlin-Wedding - Hotel Lux. Dietz Verlag, 2006.
  • Reinhard Müller: Herbert Wehner - Moskau 1937. Hamburger Edition, 2004, ISBN 3-930908-82-4.
  • Reinhard Müller: Menschenfalle Moskau. Exil und stalinistische Verfolgung. Hamburger Edition, Hamburg 2001, ISBN 3-930908-71-9. (Buchbesprechung online)
  • Arkadi Vaksberg: Hôtel Lux. Les Partis frères au service de l'Internationale communiste. (Übersetzt vom Russischen?) Fayard, 1993, ISBN 2-213-03151-7.
  • Herbert Wehner: Zeugnis - Persönliche Notizen 1929-1942. Bastei-Lübbe, 1982, ISBN 3-404-65064-6.
  • Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Mit Dimitroff, Ernst Fischer, Ho Tschi Minh, Pieck, Rakosi, Slansky, Dr. Sorge, Tito, Togliatti, Tschou En-lai, Ulbricht und Wehner im Moskauer Quartier der Kommunistischen Internationale. Bertelsmann Verlag, München 1978
  • Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Das Absteigequartier der Weltrevolution. 1979, ISBN 3-492-11355-9.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]