Human Brain Project

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Das Human Brain Project (HBP) ist ein Großprojekt der Europäischen Kommission, welches das gesamte Wissen über das menschliche Hirn zusammenfassen und mittels computerbasierten Modellen und Simulationen nachbilden soll. Als Ergebnis werden neue Erkenntnisse über das menschliche Hirn und seine Erkrankungen sowie neue Computer- und Robotertechnologien erwartet. Vorarbeiten lieferte das Blue Brain-Projekt.

Projektziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Human Brain Project soll neue Instrumente zur Verfügung stellen, um das Gehirn und seine grundlegenden Mechanismen besser zu verstehen und dieses Wissen in der Medizin und in der Informatik der Zukunft anzuwenden.

Informations- und Kommunikationstechnologien werden im Projekt eine zentrale Rolle spielen. Es sollen geeignete Supercomputing-Plattformen entwickelt werden, um neurowissenschaftliche Daten aus aller Welt für Modelle und Simulationen des Gehirns aufzubereiten. Für die Neurowissenschaft entsteht somit eine gemeinsame Basis, um Informationen auf der Ebene Gene, Moleküle und Zellen mit dem Denken und Verhalten des Menschen zu verbinden.

In ähnlicher Weise soll eine neuartige Medizininformatikplattform klinische Informationen aus aller Welt für Computermodelle von Erkrankungen nutzbar machen, um damit Techniken für die objektive Diagnose von Gehirnerkrankungen zu entwickeln, die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen und die Entwicklung neuer Therapien zu beschleunigen.

Ein weiteres Projektziel ist die Nutzung eines besseren Verständnisses der Arbeitsweise des Gehirns zur Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Hier stehen verbesserte Energieeffizienz und Zuverlässigkeit sowie die bessere Beherrschung der Programmierung komplexer Rechnersysteme im Vordergrund.

Projektorganisation (Stand Dezember 2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Projekt-Konsortium sind über 110 europäische und internationale Forschungseinrichtungen und Firmen beteiligt. Zusätzlich beteiligen sich mehr als 20 "Collaborating Partners", die keine Mittel aus dem Projektbudget erhalten. Das HBP ist in 13 Subprojekte (SP) aufgeteilt, die meist von zwei Persönlichkeiten als "Co-Leaders" geführt werden. SP3 (Cognitive Architectures) hat als Leiter Stanislas Dehaene, das SP10 (Applications) leitet Karlheinz Meier von der Universität Heidelberg und das SP13 (Management) Philippe Gillet von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Henry Markram bringt als Co-Leader im SP6 (The Brain Simulation Platform) seine Erfahrungen aus dem Blue Brain-Projekt ein.[1][2][3]

Das HBP ist auf zehn Jahre ausgelegt und soll 1,19 Milliarden Euro kosten.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Datum vom 7. Juli 2014 äußerten 154 Wissenschaftler in einem offenen Brief an die Europäische Kommission Kritik am Management des Projekts und forderten unter anderem eine transparentere Vergabe von Forschungsgeldern.[4] Bis zum 10. September 2014 unterschrieben weitere 620 Unterstützer den offenen Brief.[5] Die daraufhin eingeleitete Mediation wurde von Wolfgang Marquardt geleitet und erbrachte im März 2015 neue Führungsstrukturen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. sda-ats: Forscher veröffentlichen erste Simulation eines Stück Gehirns. swissinfo.ch, 8. Oktober 2015, abgerufen am 14. Dezember 2015.
  2. Reconstruction and Simulation of Neocortical Microcircuitry. www.cell.com, 8. Oktober 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  3. Lars Fischer: Rattenhirn im Computer befeuert Streit um Hirnprojekt. spektrum.de, 9. Oktober 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  4. Robert Gast: Hirn-Boykott. Süddeutsche.de, 8. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014.
  5. Open message to the European Commission. 7. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014. (englisch)
  6. Philipp Hummel: Harte Landung auf dem Weg zur Weltspitze. Süddeutsche.de, 10. März 2015, abgerufen am 22. März 2015.