Huta-Pieniacka-Massaker

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Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Huta Pieniacka (2008)
Eine der Gedenktafeln (2007)
Gedenktafel mit Namen der Opfer (2007)

Beim Massaker von Huta Pieniacka während der deutschen Besetzung Polens wurden am 28. Februar 1944 alle polnischen Bewohner des ostpolnischen Dorfes Huta Pieniacka ermordet und das gesamte Dorf niedergebrannt. Schätzungen der Opferzahlen reichen von 500[1] bis 1200.[2] Der Ort liegt im heutigen Rajon Brody der ukrainischen Oblast Lwiw.

Ermittlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Warschauer Abteilung des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) begann im November 1992 mit den Ermittlungen. Zwischen 1997 und 2001 wurden die Untersuchungen unterbrochen und werden inzwischen von der Krakauer Abteilung fortgesetzt.

Bei den Ermittlungen wurde festgestellt, dass das Massaker vom 4. Bataillon der 14. SS-Freiwilligen-Division „Galizien“ verübt wurde. Polnischen Zeugen zufolge erteilten deutsche Offiziere die Befehle, die dann von ukrainischen Mitgliedern der Division ausgeführt worden seien. Anschließend hätten ukrainische Zivilisten den Besitz der Ermordeten geplündert.[3][4]

Partisanen der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) gaben hingegen an, dass Angehörige des SS-Polizeiregiments 4 – das aus Ukrainern bestand, aber noch nicht offiziell in die SS-Division „Galizien“ integriert war – das Massaker mit Unterstützung von Kämpfern der UPA begangen hätten.[5]

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Februar 1989 wurde eine Gedenkstätte für die Opfer in der zerstörten Ortschaft errichtet, die kurze Zeit später von Unbekannten geschändet wurde. Auf Initiative von Andrzej Przewoźnik vom polnischen Rat zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium ließ die Regierung der Republik Polen im Jahr 2005 ein neues Denkmal für die Opfer errichten.[6] Am 28. Februar 2009 fand in Huta Pieniacka eine Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag der Massaker, unter der Schirmherrschaft und in Anwesenheit der Staatspräsidenten von Polen und der Ukraine, Lech Kaczyński und Wiktor Juschtschenko, statt.[7]

Am 9. Januar 2017 wurde die Gedenkstätte von Unbekannten geschändet: Sie sprengten das zentrale Steinkreuz und beschmierten die Steintafeln mit den Namen der Opfer mit den Farben der ukrainischen Flagge und der Ukrainischen Aufständischen Armee sowie mit der doppelten Siegrune der SS.[8][9][10] Vor dem 73. Jahrestag des Massakers im Februar 2017 erneuerten Bewohner der umliegenden ukrainischen Gemeinden das Denkmal: Die Steintafeln mit den Namen der Opfer wurden gereinigt und eine Replik des Kreuzes aus schwarzem Granit errichtet. Die Inschriften sind wie zuvor, allerdings ohne das Zitat von Kornel Ujejski. Das Vorgehen war nicht mit der polnischen Seite abgesprochen, die sich zunächst für eine Übergangslösung mit einem schlichten Holzkreuz ohne Inschriften ausgesprochen hatte.[11] Der polnische Botschafter in der Ukraine begrüßte die Wiederherstellung aber als „schöne Überraschung“.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Howard Margolian: Unauthorized entry: The truth about nazi. War criminals in Canada: 1946–1956. University of Toronto Press 2006, S. 136–146.
  • Grzegorz Motyka: Ukraińska partyzantka 1942–1960. Instytut Studiów Politycznych PAN, Oficyna Wydawnicza Rytm, Warszawa 2006, ISBN 83-88490-58-3 (ISP PAN), ISBN 83-7399-163-8 (Rytm), ISBN 978-83-88490-58-3.
  • Tadeusz Piotrowski: Poland's holocaust: ethnic strife, collaboration with occupying forces and genocide in the Second Republic, 1918–1947. McFarland 1998, ISBN 0-7864-0371-3.
  • Sulimir Stanisław Żuk: Skrawek piekła na Podolu: Huta Pieniacka – Hucisko Brodzkie. Warszawa 2007, ISBN 978-83-924746-0-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Huta Pieniacka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ihor Ilyushyn: Tragedy of Volynia 1943–1944. Institute of History of the Ukrainian Academy of Sciences, Kiev 2003. 312 S. (ukrainisch)
  2. Sol Littman: Pure Soldiers Or Sinister Legion. The Ukranian 14th Waffen-SS Division. Black Rose Books, 2003, S. 77. (Google Books)
  3. Investigation of the Crime Committed at the Village of Huta Pieniacka. Institut für Nationales Gedenken (englisch)
  4. Bogusława Marcinkowska: Ustalenia wynikające ze śledztwa w sprawie zbrodni ludobójstwa funkcjonariuszy SS „Galizien“ i nacjonalistów ukraińskich na Polakach w Hucie Pieniackiej 28 lutego 1944 roku. Biuletyn IPN 1/2001, S. 8–11.
  5. Grzegorz Rossoliński-Liebe: Stepan Bandera – The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist. Fascism, Genocide, and Cult. ibidem-Verlag, Stuttgart 2014, S. 256.
  6. Strażnicy kresowej pamięci. Niezależna Gazeta Polska vom 3. Oktober 2008, S. 52–53 (polnisch).
  7. Prezydent przyjedzie, kombatantów nie będzie. (Memento des Originals vom 2. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dziennik.pl dziennik.pl (polnisch)
  8. Police says criminal investigation opened into Huta Peniatska WWII monument defacement kyivpost.com (englisch)
  9. Dewastacja pomnika w Hucie Pieniackiej. MSZ wydało oświadczenie w sprawie wprost.pl (polnisch)
  10. Monument to WWII Massacre of Poles Ransacked in Ukraine Voice of America Online (englisch)
  11. Eugeniusz Sało: Odnowiono pomnik w Hucie Pieniackiej. In: Kurier Galicyjski, 24. Februar 2017.
  12. A surprise restoration of Polish memorial by Ukrainians. PAP – Polish Press Agency, 25. Februar 2017.