Hybridhuhn

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Das Brustfleisch macht etwa ein Drittel des Körpergewichts der Masthybride aus. Nach 30 Tagen sind diese schlachtreif.[1]

Ein Hybridhuhn ist ein Huhn, welches speziell für den Einsatz in der Geflügelproduktion im Rahmen der industriellen Landwirtschaft mit der Methode der Hybridzucht optimiert wurde. Hybridhühner setzen entweder besonders schnell, besonders viel Fleisch an (Masthybride), oder legen besonders viele Eier – in einer bestimmten Farbe oder Größe (Legehybride). Hybridhühner sind im engeren Sinne allerdings keine Hybriden, sondern Gebrauchskreuzungen.

Mit der Zucht von Hybridhühnern wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen.[2]

Hybridzucht von Hühnern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybridhuhnküken im Bildvergleich:[3]
Legehybrid (links) und Masthybrid (rechts)
KAGfreiland Hühnervergleich 3.Tag.jpg
am 3. Tag
KAGfreiland Hühnervergleich 18.Tag.jpg
KAGfreiland Hühnervergleich 34.Tag.jpg
am 18. Tag

Die Kükenproduktion wird heute fast ausschließlich von wenigen Großunternehmen betrieben. Bei der Zucht wird dabei der Heterosis-Effekt genutzt. Dies geschieht durch Gebrauchskreuzungen verschiedenen Rassen. Die Produkte, Hybridgeflügel genannt, sind echte Hybride verschiedener als Rassen definierter Zuchtlinien. Es wäre zwar theoretisch möglich, anstelle der Verwendung der primären Hybriden mit den Methoden der Verdrängungszucht neue, hybridogene Rassen mit einer ausreichend hohen Homozygotie zu erzeugen. Dies war den Züchtern bisher aber sowohl zeitlich als auch finanziell ein zu hoher Aufwand, da vorher nicht absehbar ist, ob die Kreuzungsprodukte entsprechend höhere Leistung bringen würden.[4] Für die Zuchtunternehmen sicherlich angenehmer Nebeneffekt der Verwendung von Primärhybriden ist es auch, dass im Falle einer unautorisierten Weiterzucht die definierten Merkmale der Hochleistungshybriden sofort verloren gehen (Aufspaltung gemäß den Mendelschen Regeln).

Traditionelle Rassen werden nur noch in Nischen in der Landwirtschaft eingesetzt[5], zum Beispiel das Bressehuhn als teuer bezahlte Spezialität. Die Rassenbezeichnungen sind in der Regel von der Farbe der Tiere bzw. der Eier abgeleitete Bezeichnungen, wobei bei verschiedenen Lieferanten derselbe Name für verschiedene Zuchtlinien verwendet werden kann. Bekanntermaßen sind an den Masthuhn-Hybriden die von ostasiatischen Kampfhähnen abstammenden Cornish, an Legehybriden Leghorn stark beteiligt.[6]

Eigenschaften verschiedener Hybridhühner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybridhühner sind auf jeweils eine einzige, bestimmte Eigenschaften hin optimiert. Dadurch unterscheiden sie sich von traditionellen Rassen, die als Zweinutzungshühner sowohl Eier legen wie auch Fleisch liefern sollten. Dadurch sind Legehybride in der Hühnermast und Masthybride in der Eierproduktion nicht mehr wirtschaftlich einsetzbar. Landwirte bevorzugen Hybridhühner aufgrund des höheren Ertrags. Durch die Zucht wurden etwa die folgenden Eigenschaften optimiert:

  • Ein Lege-Hybridhuhn kann mit zwei Kilogramm Futter ein Kilogramm Ei erzeugen. Alte Rassehühner benötigen vier bis fünf Kilogramm.[7]
  • Ein Lege-Hybridhuhn legt, nachdem es legereif geworden ist, in der ersten Legeperiode bis zu 330 Eier in 365 Tagen, das heißt in einem Jahr. Eine zweite Legeperiode ist nicht vorgesehen, jedoch möglich.
  • Ein Mast-Hybridhuhn in konventioneller Haltung ist nach knapp einem Monat schlachtreif, kann aber je nach gewünschtem Schlachtgewicht auch länger gemästet werden. In der ökologischen Landwirtschaft dauert die Mast eines Hybridhuhns etwa vier Monate.[8]

Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch der Markt für Hybridhühner gliedert sich in die Züchtung der Elterntiere, die Kreuzung, die Vermehrung und in die Mast oder Eierproduktion. Da in der Zucht und in der Mast unterschiedliche Unternehmen tätig sind, und nur die Züchter über die reinerbigen Zuchtlinien verfügen, kontrollieren die Zuchtkonzerne damit auch die Entwicklungen und die Ziele in der Zucht. In den vergangenen Jahrzehnten wurde vor allem auf Legeleistung, Futterverwertung und Muskelwachstum gezüchtet. Diese Marktstruktur hat auch weltweit zu einer Monopolisierung im Geflügelsektor geführt. In Folge dieser Entwicklung kam es zu einer starken genetischen Vereinheitlichung der Zuchtlinien. Es wird von der FAO angenommen, dass nur vier Rassen den meisten kommerziellen Zuchtlinien zugrunde liegen. Wissenschaftliche oder wirtschaftliche Daten, die konkrete Aussagen über die Diversität enthalten, gibt es jedoch nicht, da die Zuchtlinien das Geschäftsgeheimnis der Zuchtfirmen sind. Die Eierproduktion ist weltweit zunehmend industrialisiert.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich-Böll-Stiftung mit BUND und Le Monde Diplomatique, 'Fleischatlas - Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel', 2013, abgerufen am 30. September 2014
  2. WDR, Quarks und Co, Das Superhuhn - Wie aus dem Huhn eine hocheffiziente Eierlegmaschine wurde, 19. April 2011, abgerufen am 23. August 2017
  3. Hühnerzucht. In: kagfreiland.ch. KAGfreiland, abgerufen am 1. April 2014.
  4. Jürgen Wolfgang Weiß, Wilhelm Pabst, Susanne Granz: Tierproduktion, Georg Thieme Verlag, 2013, Kapitel 4.1.2 Systematische Gebrauchskreuzungen (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Süddeutsche Zeitung, Das stressfreie Hybridhuhn, 11. Februar 2011, abgerufen am 30. September 2014
  6. Jürgen Wolfgang Weiß, Wilhelm Pabst, Susanne Granz: Tierproduktion: Kap.9.2 Nutzungsrichtung, Typ und Rasse. Georg Thieme Verlag, 2011. ISBN 3830411618
  7. WDR, Quarks und Co, Das Superhuhn - Wie aus dem Huhn eine hocheffiziente Eierlegmaschine wurde, 3. April 2012, abgerufen am 30. September 2014
  8. SWR, Zweinutzungshuhn, 1. Dezember 2011, abgerufen am 30. September 2014
  9. Liga für Hirtenvölker und Nachhaltige Viehwirtschaft e.V. (mit Unterstützung von Greenpeace Deutschland), Das Tierzucht-Monopoly - Konzentration und Aneignungsstrategien einer aufsteigenden Macht in der globalen Ernährungswirtschaft, 2007 (PDF; 318 kB)