Zweinutzungshuhn

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Ein Zweinutzungshuhn bezeichnet eine Form der Zweinutzungsrasse für den Anwendungsfall der Hühnerzucht. Allgemein ist ein Zweinutzungshuhn somit eine Rasse oder Kreuzung des Haushuhns, die sowohl zum Eierlegen als auch zum Schlachten gehalten werden kann.[1] Eine genaue Definition von gelegten Eiern pro Jahr, Endgewicht oder Wachstumsgeschwindigkeit fehlt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionelle Nutzhühnerzucht bezieht sich grundsätzlich auf eine Kombination von Fleisch- und Eierproduktion. Im präindustriellen Zeitalter betraf es in der Regel kleindimensionierte Viehwirtschaft mit lokalen Hühnerrassen ohne gezielte Zuchtprogramme. Im Rahmen der Industrialisierung kam es zur Entwicklung großer Zuchtanlagen und einer entsprechenden Trennung von Lege- und Mastrassen. Letztendlich resultierte dies in der aktuellen Situation, wobei Hybridhühner in gigantischen Hallen entweder für die Fleisch- oder Eierproduktion gehalten werden.

Aktuelle Entwicklung des Zweinutzungskonzeptes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hintergrund des Zweinutzungskonzepts liegt in der Problematik der bestehenden konventionellen Hühnerzucht. Für männliche Küken gibt es keinen Markt, da diese keine Eier legen können und als Masthähnchen zu langsam wachsen sowie einen hohen Nahrungsbedarf haben. Deshalb werden die Küken innerhalb weniger Stunden nach dem Schlüpfen getötet.[2] Zweinutzungshühnerzucht stellt eine Alternative zu dieser konventionellen Hybridhühnerzucht dar.[3] Selektiert wird bei der Zucht nicht einseitig auf Lege- oder Schlachtleistung, sondern auf ein ausgeglichenes Verhältnis dieser, das die Nutzung der weibliche Küken als Legehennen und der männlichen Küken zur Mast ermöglicht.[4]

Bei der Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken besteht aufgrund des besseren Fleischgeschmacks durchaus ein Potential bei der Vermarktung.[5]

Durch die Verwendung von Zweinutzungshühnern soll die Problematik der männlichen „Eintagsküken“ in der Geflügelindustrie vermindert werden, da männliche Küken nicht wie üblich direkt nach dem Schlüpfen getötet werden, sondern für eine Fleischnutzung Verwendung finden.

Marktentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Initiative Bruderhahn erhebt einen Aufpreis von vier Cent pro Ei, um die im Vergleich zu Masthähnchen längere Mastdauer von mindestens 16 Wochen zu finanzieren.[6]
  • Unter der Marke Alnatura und in den Märkten der Basic-AG werden nur noch Eier von Zweinutzungshühnern angeboten.[7]
  • Neben verschiedenen anderen Bio-Initiativen mit eigenem Label bieten als Erste im konventionellen Bereich seit Februar 2017 Rewe und dessen Discounter Penny Eier der Hühnerrasse Sandy an, bei der auch die Hähne bis zur Schlachtreife aufgezogen und gemästet werden.[8]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bio-Branche in Österreich hat 2016 beschlossen, keine männlichen Küken mehr zu töten. Um die unrentable Mast der Hähne zu unterstützen, zahlen die Konsumenten für Bio-Eier ein paar Cent mehr.[10]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Schweiz hat Coop 2014 einen Versuch mit Zweinutzungshühnern gestartet.[10] Bisher machen schweizweit rund zehn Betriebe mit.[11]
  • Seit dem 1. Januar 2016 werden für die Anzahl Bio Suisse-Eier welche unter dem Label „henne & hahn“ produziert werden, die entsprechenden männlichen Küken nach dem Schlupf nicht getötet.[10] Seit Februar 2018 sind die Eier auch bei Aldi in der Schweiz erhältlich.[12]
  • In der Schweiz hat Demeter im Juli 2017 entschieden, ab 2019 nur noch Eier aus dem Projekt «Hahn im Glück» zu vermarkten. Damit ist Demeter in der Schweiz das erste Bio-Siegel, welche das Zweinutzungshuhn in den Richtlinien aufgenommen hat.[13]

Typische Zweinutzungshühner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederrheiner (Blausperber)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Was ist ein Zweinutzungshuhn, abgerufen am 13. Dezember 2012
  2. Henning Biedermann. Das neue Zweinutzungshuhn (Memento vom 26. Dezember 2013 im Internet Archive). Webseite. Abgerufen am 4. Juni 2014.
  3. Hessischer Rundfunk: Zweinutzungshuhn: Tiere für Fleisch und Ei. (Memento vom 15. April 2012 im Internet Archive)
  4. Christian Hetzenecker. Zweinutzungshuhn LesBleues. (13. Dezember 2012)
  5. M Koenig, G Hahn, K Damme und M Schmutz: Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken@1@2Vorlage:Toter Link/www.bioland.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 422 kB).
  6. Tötung von Küken. Brüder, zur Sonne, zum Kochtopf. taz vom 20. November 2013.
  7. Alnatura Eier. In: alnatura.de. Abgerufen am 17. Dezember 2018.
  8. Eier-Verkauf: Penny und Rewe setzen Zeichen gegen Kükentöten. www.noz.de, 27. Januar 2017
  9. Bruderhahn vs. Kükenschreddern. In: daserste.de. Abgerufen am 17. Dezember 2018.
  10. a b c Aussortiert und weggeworfen - Nur einige Nischenanbieter beenden das Kükentöten In: srf.ch, 29. März 2018, abgerufen am 29. März 2018.
  11. Pilotprojekte zur Förderung des Tierwohls. In: taten-statt-worte.ch. Abgerufen am 16. April 2019.
  12. «henne & hahn»: Bruderküken-Programm für mehr Tierwohl ab sofort bei ALDI SUISSE In: aldi-suisse.ch, 31. Januar 2018, abgerufen am 29. März 2018.
  13. Bei Demeter Schweiz gibt es ab 2019 nur noch „Hähne im Glück“ In: demeter.ch, 4. Juli 2017, abgerufen am 29. März 2018.
  14. Beschreibung der Zucht von Kollbecksmoorhühnern durch die Initiative zur Erhaltung alter Geflügelrassen, abgerufen am 7. Februar 2017