Hypallage

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Die Hypallage [hypalaˈgeː, hyˈpalage] (von griechisch ὑπαλλαγή „Verwechselung“) oder Enallage [ɛnʔalaˈgeː, ɛnˈʔalage] (von griechisch ἐναλλαγή „Vertauschung“) ist eine rhetorische Figur, die darin besteht, dass die grammatische Beziehung eines Wortes zu einem anderen Wort führt als die inhaltliche, semantische Beziehung. Die Beziehungen zwischen Wörtern in einem Satz wurden also verschoben und sind deshalb nicht wörtlich zu nehmen.

Meist führt die grammatische Zuordnung des Adjektivs zu einem Wort oder Wortbestandteil, zu dem es inhaltlich nicht gehört (Enallage). Im einfachsten Fall wird statt eines attributiven Genitivs ein attributives Adjektiv verwendet. Herders Conversations-Lexicon (1854) bezeichnet die Enallage als Vertauschung von Wörtern der gleichen Wortklasse auch als Heterosis und unterscheidet davon die von Wörtern unterschiedlicher Wortklassen als Allöosis.[1]

Hypallage kommt auch als gleichbedeutend mit Metonymie vor. Die Bezeichnung Hypallage für Metonymie findet sich z. B. bei Cicero.[2]

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele zum einfachsten Fall[Bearbeiten]

Andere Beispiele[Bearbeiten]

  • „die schlanke Baukunst der Gotik“ (für die Kunst der Gotik, schlanke Bauten zu bauen)
  • Akute Belastungsreaktion (für Reaktion auf akute Belastung)
  • Sankt Andreasberg (für Sankt-Andreas-Berg)
  • Vorspiegelung falscher [...] Tatsachen (§ 263 StGB, für Vorspiegelung nicht existierender Sachverhalte als Tatsachen)
  • „Er starb an vergifteten Feigen, die er besonders gerne aß.“[3]
    (Er aß Feigen gern, natürlich keine vergifteten.)

Mehrdeutigkeit infolge korrekter neben verschobener Wortbeziehung[Bearbeiten]

  • Alte Mönchsregel: Wenn deine Augen eine Frau erblicken, schlage sie nieder.
    (Das Wort „sie“ bezieht sich syntaktisch auf das Subjekt des Satzes, also die Augen, nach der üblichen Betonung aber auf die Frau.)

Verwandtes[Bearbeiten]

  • gute Bekannte (für gut Bekannte)
  • Im Lateinischen findet sich auch die – oft im Deutschen nicht nachahmbare – Verschiebung der Verkleinerungsform (Diminutiv) vom Substantiv auf das Adjektiv, zum Beispiel barbatuli iuvenes für „ein bisschen bärtige Jugendliche“ (Att. 1,14,5).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hypallage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herders Conversations-Lexicon 1854
  2. Gerd Ueding, Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte - Technik - Methode. 2. Auflage. Metzler, Stuttgart 1986, Seite 272. ISBN 3-476-00557-7.
  3. Plakat mit Bildern aller Päpste mit Kurzbiographien, deutsche Fassung (die italienische Fassung ist in Ordnung), etwa 1987, Verlag Memmo Caporilli, Rom, über Benedikt XI., gestorben 1304