Hypothek (Deutschland)

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Eine Hypothek ist nach deutschem Sachenrecht ein Grundpfandrecht, das als Kreditsicherheit zur Sicherung einer Forderung oder eines Kredites dient. Der Begriff ist in § 1113 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) beschrieben.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) kennt als Grundpfandrechte die Hypothek, Grundschuld (mit der Unterform Sicherungsgrundschuld) und Rentenschuld. Als Kreditsicherheit kommen lediglich die Grundschuld und Hypothek in Frage. Dabei hat sich im Bankwesen die Sicherungsgrundschuld in 90 % der Fälle durchgesetzt.[1] Die Hypothek kommt vereinzelt noch bei Hypothekendarlehen von Realkreditinstituten wie Hypothekenbanken und bei der Immobilienfinanzierung durch Lebensversicherungen vor. Umgangssprachlich wird häufig von „Hypothek“ gesprochen, wenn eine Grundschuld gemeint ist.

Als Grundpfandrecht kann die Hypothek an Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten bestellt werden. Zu letzteren, ebenfalls mit Hypotheken belastbaren Eigentumsrechten gehören Wohnungseigentum, Teileigentum, Erbbaurecht, Bergwerkseigentum und Schiffseigentum („Schiffshypothek“; § 24 SchiffsRegG).

Bindung an Forderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hypothek ist eine geborene, also vom Gesetz ausdrücklich vorgesehene Kreditsicherheit, weil das BGB bei ihr in § 1113 Abs. 1 BGB das Bestehen einer Forderung (eines Kredites) voraussetzt. Mit der dortigen Passage „[…] wegen einer ihm zustehenden Forderung […]“ erhebt das Gesetz den Sicherungszweck der Hypothek zum Rechtsgrund (Causa) für ihre Bestellung, ihren Fortbestand, ihre Übertragung und ihren Wegfall. Es handelt sich somit um einen gesetzlichen Sicherungsvertrag, so dass die Anforderungen an eine vertragliche Sicherungsabrede niedriger ausfallen dürfen.[2] Diese enge Bindung zwischen Forderung und Hypothek nennt man Akzessorietät, denn die Hypothek kann nicht ohne Forderung, die Hypothekenforderung nicht ohne Hypothek bestehen. Ist die Hypothek im Grundbuch eingetragen, aber der gesicherte Kredit noch nicht valutiert oder der Kredit getilgt und die Hypothek noch nicht gelöscht, steht sie dem Grundstückseigentümer als Eigentümerhypothek zu (§ 1163 Abs. 1 BGB). Da jedoch der Grundstückseigentümer keine (hypothekarisch gesicherte) Forderung gegen sich selbst haben kann, wandelt sich diese Eigentümerhypothek in einer juristischen Sekunde in eine Eigentümergrundschuld um (§ 1177 Abs. 1 Satz 1 BGB), die forderungslos sein kann. Eine Übertragung der Forderung ist nur in Verbindung mit der sie sichernden Hypothek möglich (§ 1153 Abs. 2 BGB).

Sicherungsgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherungsgeber einer Hypothek ist regelmäßig der Grundstückseigentümer, auf dessen Grundstück die Hypothek zu Gunsten des Sicherungsnehmers eingetragen wird. Der Sicherungsgeber ist auch meist Kreditnehmer, doch kann der Sicherungsgeber die Hypothek auch als Sicherheit für einen Kredit an einen von ihm rechtlich unabhängigen Kreditnehmer bestellen. Zahlt in diesem Fall der Sicherungsgeber die hypothekarisch gesicherten Schulden des Kreditnehmers an den Kreditgeber aus eigenem Vermögen zurück, so entsteht eine gesetzliche Eigentümerhypothek, weil der Eigentümer - im Wege der Legalzession - die gesicherte Kreditforderung erwirbt und mit ihr nach §§ 1143 Abs. 1 Satz 2, § 774, § 412, § 401 Abs. 1 BGB auch die Hypothek in Form der Eigentümerhypothek.[3]

Im Rahmen der Hypothek haften dem Sicherungsnehmer neben dem Grundstück seine wesentlichen Bestandteile (§ 1120 BGB), das Grundstückszubehör (§ 1120 BGB), nach § 1123 BGB die Miet- und Pachtforderungen (bei vermieteten oder verpachteten Beleihungsobjekten); nach den §§ 1127 ff. BGB haften auch Versicherungsentschädigungen, insbesondere Gebäudeversicherungen (§ 1128 BGB) und sonstige Schadensversicherungen (§ 1129 BGB). Dies kann dazu führen, dass ausnahmsweise auch bewegliche Sachen (oder Tiere) mit einer Hypothek belastet sein können.[4]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hypothek entsteht materiell-rechtlich durch Einigung und Eintragung nach § 873 Abs. 1 BGB. Dabei findet die Einigung zwischen dem Grundstückseigentümer und dem Sicherungsnehmer (Gläubiger) statt, wonach der Grundstückseigentümer sein Grundstück oder grundstücksgleiches Recht mit einer Hypothek zu Gunsten des Gläubigers belasten will und der Gläubiger dies annimmt. Die Eintragung der Hypothek in Abteilung III des Grundbuchs ist zu ihrer Wirksamkeit ebenfalls erforderlich. Formell-rechtlich sieht die Grundbuchordnung (GBO) vor, dass Gläubiger oder Grundstückseigentümer den Eintragungsantrag beim Grundbuchamt stellen muss (§ 13 Abs. 1 GBO) und dass der Grundstückseigentümer als Betroffener die Eintragung bewilligt (§ 19 GBO). Bei ihrer Eintragung erhält sie den Rang, der ihr nach der gesetzlichen Rangordnung zukommt.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet die Brief- und Buchhypothek. Regelfall ist die Briefhypothek, bei der durch das Grundbuchamt ein Hypothekenbrief ausgestellt wird (§ 1116 Abs. 1 BGB), der den Inhalt der Grundbucheintragung wiedergibt. Die Briefhypothek wird durch den Hypothekenbrief erst verkehrsfähig, denn nach § 1154 Abs. 1 BGB wird die hypothekarisch gesicherte Forderung durch Abtretung an einen neuen Gläubiger übertragen, die Hypothek folgt (wegen ihrer Akzessorietät) nach § 1153 Abs. 1 BGB. Auch diese Abtretung bedarf einer Einigung und der Übergabe des Hypothekenbriefs an den neuen Gläubiger. Damit ist der Hypothekenbrief ein Rektapapier. Einer Eintragung der Abtretung im Grundbuch bedarf es indes nicht.[5] Der Gläubiger erwirbt die Briefhypothek erst mit der Übergabe des Hypothekenbriefs an ihn (§ 1117 Abs. 1 BGB), das gilt auch bei einer Pfändung oder Verpfändung der Hypothek (§ 1274 BGB, § 830 ZPO). Die Erteilung des Briefes kann durch Einigung und Eintragung („ohne Brief“) im Grundbuch ausgeschlossen werden (§ 1116 Abs. 2 BGB); dann handelt es sich um eine Buchhypothek.

Übertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftlicher Grund für die Übertragung einer Hypothek können Forderungsverkauf, Kredithandel, Kreditablösung oder Umschuldung sein (wenn beispielsweise eine andere Bank ein Darlehen mit niedrigerem Kreditzins oder allgemein günstigeren Darlehensbedingungen anbietet).

Die Übertragung der Hypothek erfolgt durch Abtretung der gesicherten Forderung. Für die wirksame Übertragung einer Briefhypothek – diese Form der Hypothek ist der Regelfall in der Praxis – muss die Abtretungserklärung schriftlich erteilt werden. Außerdem muss der Hypothekenbrief dem Erwerber übergeben werden. Mit dem Übergang der Forderung auf den Erwerber geht die Hypothek auf den neuen Inhaber über. Dieser gesetzliche Regelfall der Hypothek wird als Verkehrshypothek bezeichnet. Bei ihrer Übertragung stellt sich das Problem, dass der Erwerber bei strenger Durchführung der Abhängigkeit der Hypothek von der Forderung sich nicht auf den Inhalt des Grundbuches verlassen könnte, weil er stets überprüfen müsste, ob die persönliche Forderung (noch) besteht. Zur Überwindung dieser Schwierigkeit erstreckt sich nach dem BGB der öffentliche Glaube an die Richtigkeit des Grundbuches für die Hypothek auch auf die Forderung. Die Hypothek kann also auch dann gutgläubig erworben werden, wenn entgegen dem Grundbuch die Forderung nicht (mehr) existiert.

Bei Buchhypotheken allerdings ist die Eintragung der Abtretung im Grundbuch konstitutiv (§ 1154 Abs. 3 BGB). Erst mit Vollendung dieser Eintragung ist der Inhaberwechsel vollzogen.

Erlöschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hypothek erlischt durch Aufhebung (§ 1183 BGB), Befriedigung des Gläubigers aus dem Grundstück in der Zwangsvollstreckung (§ 1181 Abs. 1 BGB) oder Ausfall in der Zwangsvollstreckung, wenn sie nicht im geringsten Gebot liegt (§ 92 Abs. 1 Satz 2 ZVG). Für die Löschung der Hypothek ist materiell-rechtlich die Aufhebungserklärung des Berechtigten und Eintragung erforderlich (§ 875 Abs. 1 BGB). Zusätzlich sind formell-rechtlich der Antrag eines Beteiligten (§ 13 Abs. 1 GBO) und die Bewilligung des von der Löschung betroffenen (Gläubigers) erforderlich (§§ 19, § 29 Abs. 1 GBO; Löschungsbewilligung). Nach dem materiellen und formellen Konsensprinzip müssen mithin sowohl die Aufhebungserklärung als auch Antrag und Bewilligung inhaltlich deckungsgleich auf die Löschung eines bestimmten Grundbuchrechts ausgerichtet sein.

Regulatorische Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in allen EU-Mitgliedsstaaten geltende Capital Requirements Regulation (CRR) spricht verallgemeinernd von Grundpfandrechten für Wohn- oder Gewerbeimmobilien, die als Kreditrisikominderungstechniken bei Bankkrediten anerkannt sind und damit auch Hypotheken erfassen. Nach Art. 125 Abs. 1a CRR wird (bei selbst genutzten oder vermieteten) Wohnimmobilien ein Risikogewicht von 35 % des Kreditbetrages zugewiesen, wenn der Wert der Immobilie nicht wesentlich von der Bonität des Schuldners abhängt (Art. 125 Abs. 2a CRR) und das Risiko des Schuldners nicht wesentlich von der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Immobilie abhängt (Art. 125 Abs. 2b CRR). Gewerbeimmobilien erhalten nach Art. 126 Abs. 1a CRR ein Risikogewicht von 50 % des Kreditbetrages, wobei wiederum nach Art. 126 Abs. 2a und 2b CRR dieselben Abhängigkeiten wie bei Wohnimmobilien nicht vorhanden sein dürfen. Darüber hinaus gelten für die Anerkennung als Grundpfandrecht die allgemeinen Voraussetzungen nach Art. 208 CRR für die Durchsetzbarkeit, Verwertungsmöglichkeit und Wertüberprüfung (jährlich bei Gewerbeimmobilien, alle 3 Jahre bei Wohnimmobilien). Die lediglich 35 %ige oder 50 %ige Anrechnung auf die Eigenmittel eines Kreditinstituts führen, insbesondere bei Realkrediten, zu günstigeren Kreditzinsen als etwa bei Blankokrediten.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Hypothek wird auch synonym als Bürde oder Belastung im Sinne von „jemand hat eine schwere Hypothek zu tragen“ gebraucht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Rauch: Grundschuld und Hypothek. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44428-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Iwona Kolodziejczyk, Die Sicherungsgrundschuld im deutschen Recht und im polnischen Gesetzentwurf, 2010, S. 63
  2. Jan Wilhelm, Sachenrecht, 2002, S. 787
  3. Kurt Schellhammer, Sachenrecht nach Anspruchsgrundlagen, 2013, S. 288 Rn. 583
  4. Klaus Tiedtke in JURA 1983, S. 460, 472
  5. Wolfgang Brehm/Christian Berger, Sachenrecht, 2006, S. 244, RN. 18
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