Ig-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis ([], englischsprachiges Wortspiel: ignoble „unwürdig, schmachvoll, schändlich“), gelegentlich als Anti-Nobelpreis bezeichnet, ist eine satirische Auszeichnung, um wissenschaftliche Leistungen zu ehren, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“ (to honor achievements that first make people laugh, and then make them think). Vergeben wird der Preis von der in Cambridge (USA) erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research und deren Gründer Marc Abrahams.[1][2] Die erste Preisverleihung fand 1991 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) statt, seit 2012 wurden die Preise an der Harvard-Universität überreicht, zuletzt wieder am MIT. Im Jahr 2026 fand die Verleihung mit Zürich als Austragungsort erstmals außerhalb der USA statt.[3]
Bedingungen für die Nominierungen und Wahl
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bedingung für eine Nominierung ist, dass die Entdeckung erst zum Lachen und dann zum Nachdenken führen soll.[4][5] Außerdem muss das Forschungsthema neu sein. Niemand darf vorher eine ähnliche wissenschaftliche Arbeit abgeliefert haben.
Die Preise werden von einer Jury, dem Ig Nobel Board of Governors, verliehen. Sie setzt sich nach Angaben der ausrichtenden Zeitschrift Annals of Improbable Research aus Nobel- und Ig-Nobelpreisträgern, wissenschaftlichen Autoren, Sportlern, Trägern öffentlicher Ämter (public officials) und anderen bekannteren oder weniger bekannten Personen (other individuals of greater or lesser eminence) zusammen. Traditionell wird außerdem am letzten Tag ein zufälliger Passant für die Entscheidungsfindung zugeladen.[6]
Die Preise werden jeweils im frühen Herbst verliehen, in der Regel kurz vor der Bekanntgabe der Empfänger des Nobelpreises.
Preisträger
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Wegen seiner Bestrebungen, die Wasserstoffbombentechnik weiterzuentwickeln, war der Physiker Edward Teller 1991 einer der Ersten, die diesen Preis erhielten („für seinen lebenslangen Einsatz, die Bedeutung von ‚Frieden‘ nachhaltig zu verändern“). Der Physiker Robert Matthews erhielt ihn für seine Studien zu Murphys Gesetz, insbesondere für den Nachweis, dass Toastbrotscheiben dazu neigen, auf die gebutterte Seite zu fallen.
Jacques Benveniste war lange Zeit der einzige Laureat, der den Preis zweimal erhielt, nämlich 1991 und 1998. Joseph B. Keller wurde bei der Verleihung des Ig-Nobelpreises im Bereich Physik von 2012 außerdem auch rückwirkend zum Co-Preisträger von 1999 (ebenfalls Physik) erklärt und ist seitdem ebenfalls Doppellaureat.[9] Weitere Preisträger, die den Preis zweimal erhielten, sind Patricia Yang und David Hu, die 2015 und 2019 jeweils mit dem Ig-Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden.
Mit Andre Geim gibt es einen Wissenschaftler, der sowohl Ig-Nobel- (2000) als auch Nobelpreisträger (2010) ist.
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis zu seinem Tod im Dezember 2018 fungierte Roy Glauber jahrelang als Besenmeister, der während der Zeremonie die Bühne von unzähligen Papierfliegern befreit, mit denen die Preisträger beworfen werden. 2005 konnte Glauber dieses Amt nicht ausüben, weil er mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
Im April 2019 fand erstmals in Deutschland eine Ig-Nobel-Nacht mit Marc Abrahams und Mark Benecke statt.[10]
2022 wurde der Ig-Nobelpreis mit dem Heinz-Oberhummer-Award für Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet.

Nachdem bereits 2025 mehrere eingeplante ausländische Teilnehmer wegen Bedenken gegenüber der Grenz- und Visapolitik der Trump-Regierung der Preisverleihung ferngeblieben waren, entschieden die Veranstalter, die Zeremonie 2026 erstmals – und vermutlich für längere Zeit – außerhalb der USA zu veranstalten. In einer Pressemitteilung hieß es, es sei nicht möglich „mit gutem Gewissen“ internationale Preisträger oder Journalisten zu bitten, in die USA zu reisen.[11] Die Preisverleihung des 36. Ig-Nobelpreises fand am 3. September 2026 im Kongresshaus Zürich statt.[12] Als Austragungsort für den 5. September 2027 wurde während der Preisverleihung Antwerpen, Belgien bekanntgegeben.[13]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Marc Abrahams (Hrsg.): Der Einfluss von Erdnussbutter auf die Erdrotation. Birkhäuser, Basel 2002, ISBN 3-7643-5941-2.
- Marc Abrahams: IG Nobel Prizes. Orion, London 2002, ISBN 0-7528-5150-0.
- Mark Benecke: Lachende Wissenschaft. Aus den Geheimarchiven des Spaß-Nobelpreises. Lübbe, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-60556-X.
- Mark Benecke: Warum man Spaghetti nicht durch zwei teilen kann. Lübbe, Bergisch Gladbach 2009, ISBN 3-7857-2368-7.
- Klaus Roth: Nobel oder Ig®Nobel? Stockholm oder Harvard. In: Chemie in unserer Zeit. Band 41, Nr. 2, 2007, S. 118–126, doi:10.1002/ciuz.200600416.
- Mark Benecke: Warum Nacktbilder zu Gedächtnislücken führen. Lübbe, Bergisch Gladbach 2023, ISBN 978-3-404-61747-0
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Improbable Research (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ After 35 years, Ig Nobel ceremony to leave the U.S. In: science.org. 13. März 2026, abgerufen am 4. September 2026 (englisch).
- ↑ About The Ig® Nobel Prizes ( vom 16. August 2018 im Internet Archive) Internetseite der Annals of Improbable Research, abgerufen am 7. April 2013 (engl.)
- ↑ S. W. I. swissinfo.ch: Ig Nobel Prizes land in Switzerland amid stricter US border policy. In: SWI swissinfo.ch. 3. September 2026, abgerufen am 4. September 2026 (englisch).
- ↑ Marc Abrahams: What Is This Ig? 1999, abgerufen am 16. Oktober 2012 (englisch).
- ↑ Helen Pilcher: Laughter in the lab. In: Nature Online vom 1. Oktober 2004 (englisch).
- ↑ Ig Nobel Nominations Internetseite der Annals of Improbable Research, abgerufen am 7. April 2013 (englisch).
- ↑ Ig Nobel prize 2025: Zebra cows and Teflon food among winners. In: bbc.com. 19. September 2025, abgerufen am 4. August 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Tomoki Kojima, Kazato Oishi, Yasushi Matsubara, Yuki Uchiyama, Yoshihiko Fukushima, Naoto Aoki, Say Sato, Tatsuaki Masuda, Junichi Ueda, Hiroyuki Hirooka, Katsutoshi Kino: Correction: Cows painted with zebra-like striping can avoid biting fly attack. In: PLOS ONE. Band 15, Nr. 3, 26. März 2020, ISSN 1932-6203, S. e0231183, doi:10.1371/journal.pone.0231183, PMID 32214400, PMC 7098620 (freier Volltext) – (plos.org [abgerufen am 4. August 2026]).
- ↑ Improbable Research (Winners of the Ig® Nobel Prize). improbable.com, abgerufen am 22. September 2017 (englisch).
- ↑ Richard Friebe: Perverse Stockenten- und Menschenfüße im Wodka. Marc Abrahams, Erfinder der Ig-Nobelpreise, kommt – mit Special Guest – ins Tempodrom. In: Tagesspiegel (Berlin) vom 12. April 2019.
- ↑ After 35 years, Ig Nobel ceremony to leave the U.S. Auf: science.org vom 11. März 2026.
- ↑ The 36th First Annual Ig Nobel Prize Ceremony. In: Improbable Research. 29. April 2026, abgerufen am 3. September 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Ig Nobel Prizes 2027 | Ig Nobel Prize | University of Antwerp. Abgerufen am 4. September 2026.