Ignaz Lozo

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Ignaz Lozo (* 1. Januar 1963 in Stommeln) ist ein deutscher Historiker, Journalist, Buch- und Filmautor. Er gilt als ein führender Experte zu Michail Gorbatschow und zum Untergang der Sowjetunion.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1982 Abitur am altsprachlichen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln. Nach dem Russisch- und Englisch-Studium mit Nebenfach Rechtswissenschaften am Fachbereich Angewandte Sprachwissenschaften in Germersheim (Teil der Johannes Gutenberg-Universität Mainz) folgte in Mainz ein zweijähriges Aufbaustudium Journalistik, das er 1990 abschloss. 1988 erhielt Lozo ein Stipendium des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz für einen Studienaufenthalt an der renommierten Russian School des Middlebury College im US-Bundestaat Vermont, nachdem er 1987 mit seiner Diplomarbeit über Michail Gorbatschows Presse-Politik im Zeichen von Glasnost wissenschaftliches Neuland betrat. 2013 wurde er am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz mit magna cum laude promoviert. 1989 trat Lozo während seines Aufbaustudiums als Redakteur ins ZDF ein, arbeitete in der Hauptredaktion Aktuelles als Autor u.a. für das Heute Journal. 1991 berichtete er über den Putsch gegen Gorbatschow. Es folgten Korrespondentenvertretungen im Studio Moskau sowie zahlreiche zum Teil lebensgefährliche Kriegsreportereinsätze im belagerten Sarajewo. Die Wochenzeitung Die Zeit oder die Süddeutsche Zeitung würdigten diese Einsätze. 1995 schrieb der preisgekrönte Peter Sartorius auf der Seite Drei der SZ: „Ignaz Lozo vom ZDF war beschossen worden, ein junger Kollege, der aber auch bereits ein Veteran der Kriegsberichterstattung ist und gegenüber den anderen den Vorzug hat, als Slawist die Sprache der Bosnier zu sprechen (…) Sein Wagen wurde nicht richtig getroffen und blieb, wenn auch mit zerfetzten Reifen auf der Bahn. (…)“[1] Der Schriftsteller Hans Christoph Buch konstatierte in DIE ZEIT: „ZDF-Korrespondent Ignaz Lozo macht von dem Vorfall kein großes Aufheben: Gemessen am Leiden der Menschen in Sarajevo und anderen von Serben umzingelten Enklaven, sei er als Reporter in einer privilegierten Position (…) [3]

1997 ging Lozo für den Sender Pro Sieben im Zuge der sogenannten Informationsoffensive als Korrespondent nach Moskau, wechselte 1998 dort in das Studio von Deutsche Welle TV. Im Jahr 2000 kehrte er zum ZDF zurück als politischer Korrespondent in München, berichtete vertretungsweise aber auch wieder aus Moskau. Seit 2007 ist Lozo in der Mainzer Zentrale des Senders als Autor von Dokumentarfilmen tätig - mit Schwerpunkt Russland. Sie werden von ZDF-History, ZDFinfo, ZDFneo, 3sat und phoenix ausgestrahlt. 2015 war Lozo der erste westliche Journalist, der die Staatsresidenz im kaukasischen Archys mit seinem Team filmen durfte, wo Michail Gorbatschow und Helmut Kohl beim sogenannten Strickjackentreffen im Juli 1990 die Bedingungen für die sowjetische Zustimmung zur deutschen Einheit aushandelten.[2] 2016 war er der erste westliche Journalist, der die ehemalige sowjetische Staatsresidenz Viskuli (heute in Weißrussland in einem militärischen Sperrbezirk gelegen) mit seinem Team drehen durfte, wo die Präsidenten von drei sowjetischen Republiken (Russland, Weißrussland, Ukraine) am 8. Dezember 1991 konspirativ das Ende der Sowjetunion besiegelten und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten gründeten. Die exklusiven Aufnahmen dieser beiden historischen Orte sind in Lozos TV-Dokumentationen Poker um die deutsche Einheit bzw. Der Untergang der Sowjetunion enthalten sowie in seinen jeweiligen filmischen Kurzfassungen für das ZDF-Heute Journal.[3]

2013 beauftragte die wissenschaftliche Fachzeitschrift Osteuropa Lozo mit der Rezension von Gorbatschows Buch Alles zu seiner Zeit. Mein Leben, das in Deutschland ein Bestseller wurde.[4] Die deutsche Presseagentur dpa interviewte ihn anlässlich des 25. Jahrestages des Moskauer Augustputsches als Experten.[5] [6]

Lozo lebt in Wiesbaden. Er hat einen Sohn.

Standardwerk zum Putsch gegen Gorbatschow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 veröffentlichte Lozo die weltweit erste wissenschaftliche Monographie über den Augustputsch 1991 in Moskau.[7]  Für den Forschungsaufenthalt in der russischen Hauptstadt erhielt er ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Sein Buch Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion wurde im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2014 im Zeitgeschichtlichen Forum („Haus der Geschichte“) von Jörg Baberowski erstmals vorgestellt.[4]  Im gleichen Jahr erschien es als Übersetzung auch in Russland – im renommierten und staatlich unabhängigen Wissenschaftsverlag ROSSPEN[8]. Es gilt als Standardwerk und basiert auf einem völlig neuen Quellenfundament. Die Gorbatschow-Stiftung in Moskau hat ein Kapitel aus dem Buch auf ihre Website gorby.ru gestellt.[5] Michail Gorbatschow selbst hat  Lozo namentlich erwähnt im Text seines 2017 erschienen Buches Sobranie sotschinenij (zu Deutsch: Gesammelte Werke) und dabei fast eines Seite aus Lozos russischer Ausgabe des Buches zum Augustputsch 1991 als Zitat übernommen.[9] Gerd Ruge hob das Werk von Lozo hervor und fungierte bei dessen Lesung in München als Moderator.[6]  Sven Felix Kellerhoff schrieb in Die Welt: “Durchleuchtet wie wohl niemand sonst hat die dramatischen Tage des Putsches in Moskau der Osteuropa-Historiker und Journalist Ignaz Lozo.“[10]  Die führende US-amerikanische Fachpublikation Slavic Review bescheinigt Lozo einen grundlegend neuen Beitrag zur Rekonstruktion des August-Putsches geleistet zu haben: „(…) No scholarly study has yet been published on the subject, although a considerable period of time has elapsed since then (…) Lozo’s book has the value of uniqueness. Anyone who wishes to read a careful and scholarly account of the events of August 1991 would do well to consult it.“[7] Das deutsche Fachorgan Jahrbücher für Geschichte Osteuropas schreibt, dass „fast 25 Jahre nach dem Putsch noch keine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung vorliegt. Dieser Mangel wird nun vom Fernsehjournalisten und Osteuropahistoriker Ignaz Lozo behoben (…) Die Hintergründe und Motive für den Putsch (…) rekonstruiert er zu einem Gesamtbild, das mit den verbreiteten Mythen aufräumt und den Forschungsstand auf den neuesten Stand bringt."[11]  Weitere Präsentationen waren im Lew Kopelew-Forum in Köln mit dem Russland- und Ukraine-Experten Gerhard Simon sowie in der Urania in Berlin.  Höhepunkt war die Vorstellung der russischen Ausgabe im Zentralen Haus des Journalisten  in Moskau am 29. Mai 2014 mit dem Geschichtsprofessor Wladimir Buldakow von der Russischen Akademie der Wissenschaften als Moderator.[8]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Raumfähre auf Reisen (2008, Phoenix)
  • Moskau, Mythen, Mauerfall – Wie der Kreml mit der deutschen Einheit rang (2009, ZDFinfo/Phoenix)
  • Mythos Gorbatschow – Der traurige Held der Perestroika (2010, ZDFinfo/ZDFneo/Phoenix)
  • Die Russlanddeutschen – Auf der Suche nach Heimat (2010, Phoenix)
  • Ende einer Supermacht – Der Putsch gegen Gorbatschow (2011, ZDF/3sat)
  • Lebensläufe im Parlament – Wie bunt ist der Bundestag? (2013, Phoenix)
  • Poker um die deutsche Einheit – Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht? (2015, ZDF/ZDFinfo/Phoenix)
  • Michail Gorbatschow – Weltveränderer und Privatmann (2016, ZDF)
  • Der Untergang der Sowjetunion – Von Gorbatschow bis Putin (2016, ZDF)
  • Mythos KGB-RAF – Unterstützte Moskau den Baader-Meinhof-Terror? (2017, Phoenix)

Diskussion um NATO-Osterweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. November 2014 führte Lozo für das ZDF ein vielzitiertes Exklusiv-Interview mit Michail Gorbatschow in Berlin anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls. Darin stellte Gorbatschow in der strittigen Frage, ob der Westen der Kreml-Führung in den Wendejahren Zusagen gemacht habe, die NATO würde sich nach der deutschen Wiedervereinigung nicht ostwärts ausdehnen, unmissverständlich klar, dass es solche Zusagen oder Versprechen nicht gegeben habe. Er sei nicht vom Westen betrogen worden; die Existenz von Versprechen, die NATO nicht auszudehnen sei „ein Mythos“, so Gorbatschow. Aus dem Interview zitierten Die Welt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 10. November 2014 auf Seite 1, ebenso u.a. die dpa und die Zeit. [12]

Ein noch größeres Medien-Echo und durchweg positive Kritiken bekam Lozos 2015 ausgestrahlte Dokumentation Poker um die deutsche Einheit – Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht?, für die er alle relevanten Verhandlungsteilnehmer der „Zwei-plus-vier-Vertrages“ interviewte, u.a.  den ehemaligen US-Außenminister James Baker oder den ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Es war Genschers letztes Interview für eine TV-Dokumentation vor seinem Tod. Die epd-Medien bescheinigen der Doku einen „erhellenden Charakter (…) am Schnittpunkt von abgeschlossener Zeitgeschichte und leider überhaupt nicht abgeschlossenen Gegenwarts-Konflikten.“ [13]

Nach einem senderinternen Auswahlverfahren wurde Lozos Film vom ZDF für den Grimme-Preis 2016 eingereicht. Die Dokumentation widerlegt akribisch, dass es keine Versprechen zur Nicht-Erweiterung des westlichen Verteidigungsbündnisses nach Osten gegeben hat.

Vom anonym betriebenen Wordpress-Blog Propagandaschau wurde Lozo wegen dieses Films und später wegen eines Beitrags im ZDF-Heute Journal diffamiert. Weder er noch das ZDF reagierten jemals darauf.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachtjob im Kiosk.  In: Der Journalist. Das deutsche Medienmagazin, Nr. 12, 1993, S. 94–95.
  • Das Fernsehen in Russland. In: Jahrbuch der Heinz-Kühn-Stiftung (1993–1994). Düsseldorf, 1994.[14]
  • Vierzig Jahre später. Alvin Lee leistet sich mal wieder eine Solo-Platte. In: Süddeutsche Zeitung, 7. November 2007, S. 14.
  • Der Putsch gegen Gorbatschow. Hintergründe und Entscheidungsabläufe. In: Osteuropa, Heft 11, 2011, S. 77–96.
  • Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion. Böhlau, Köln-Weimar-Wien 2014, [15] 
  • Avgustovski Putsch 1991 goda. Moskau, 2014. [16]
  • Rezension zu: Michail Gorbatschow. Naedine s soboj. Dt.:  Alles zu seiner Zeit. Mein Leben. In: Osteuropa, Heft 5–6, 2013, S. 377–378.
  • Rezension zu: Oleg Baklanov. Kosmos – moja sud’ba. In: Osteuropa, Heft 5–6, 2014, S. 342–343.
  • Rezension zu: Julia Metger: Studio Moskau. Westdeutsche Korrespondenten im Kalten Krieg. In:  Sehepunkte. Rezensionsjournal für Geschichtswissenschaften. [17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Literatur von und über Ignaz Lozo im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. [9]
  • ZDF-Presseportal: Poker um die Deutsche Einheit [10]
  • ZDF-Presseportal: ZDF History Michail Gorbatschow Weltveränderer und Privatmann  [11]
  • Phoenix-Presseportal: Interview Lozo [12]
  • Phoenix-Presseportal: Sowjetunion [13]
  • Lozos TV-Doku Ende einer Supermacht – Der Putsch gegen Gorbatschow (2011, ZDF/3sat) [14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kolonie der Unerschrockenen. Deutsche in Sarajewo: Leben hinter Sandsäcken und Panzerplatten. In: Süddeutsche Zeitung, 22. Juni 1995, S.3.
  2. Christian Bartels: Melange der Genres. „Poker um die deutsche Einheit – Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht?“ (Rezension). In: epd medien, Nr. 30 vom 24. Juli 2015, S. 22.;
  3. ZDF-History-Film Der Untergang der Sowjetunion: https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/der-untergang-der-sowjetunion-100.html
  4. Rezension von Ignaz Lozo zu: Michail Gorbatschow. Naedine s soboj. Dt. Alles zu seiner Zeit. Mein Leben. In: Osteuropa, Heft 5-6, 2013, S. 377-378.
  5. Filmbeitrag mit Gorbatschow-Aussagen im ZDF-Heute Journal vom 8. November 2014
  6. dpa, 8. November 2014
  7. Lozo, Ignaz: Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion. 1. Aufl., neue Ausg. Böhlau Köln, Köln, ISBN 978-3-412-22230-7.
  8. Kamkin, Aleksandr K.,, Камкин, Александр К.,: Avgustovskiĭ putch 1991 goda: kak ėto bylo. Moskva, ISBN 978-5-8243-1862-3 (worldcat.org).
  9. Loginov, V. T.,, Puchkova, L. N.,, Koroleva, N. F.,, Логинов, В. Т.,, Пучкова, Л. Н.,: Sobranie sochineniĭ. Изд-во Весь мир, Moskva, ISBN 978-5-7777-0679-9 (worldcat.org).
  10. Sven Felix Kellerhof: Auch ein Putsch konnte die Sowjetunion nicht retten. In: Die Welt, 19. August 2016, S. 7.
  11. Jahrbücher für Geschichte Osteuropa 64 (2016), H.2, S. 346 – 348.
  12.  Die Zeit, 13. November 2014, S.2.
  13. Jens Peter Dohmes: Sehenswerte Dokumentation zum historischen Strickjackentreffen im Kaukasus. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 14. Juli 2015, S. 25; Jürgen Overkott: Kohl, Gorbatschow und die NATO-Osterweiterung. Phoenix-Doku „Poker um die deutsche Einheit“ wartet mit neuen Erkenntnissen auf. In: Neue Ruhrzeitung, 14. Juli 2015, S. NTV1
  14. [1]
  15. Lozo, Ignaz: Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion. 1. Aufl., neue Ausg. Böhlau Köln, Köln, ISBN 978-3-412-22230-7 (worldcat.org).
  16. Kamkin, Aleksandr K.,, Камкин, Александр К.,: Avgustovskiĭ putch 1991 goda: kak ėto bylo. Moskva, ISBN 978-5-8243-1862-3 (worldcat.org).
  17. [2]