Immortal Bach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Knut Nystedt (2007)

Immortal Bach („Unsterblicher Bach“), op. 153b, ist eine A-cappella-Komposition für gemischten Chor (SATB). Das Stück entwickelte der norwegische Komponist Knut Nystedt aus der ersten Zeile des Chorals Komm, süßer Tod von Johann Sebastian Bach. Das nur fünf Minuten lange Stück wird teils in individuellen Tempi gesungen, so dass sich die Chorstimmen zu Klang-Clustern auffächern.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nystedt wuchs in einer christlich geprägten Familie auf, in der das Singen von Kirchenliedern und die klassische Musik zum täglichen Leben gehörten.[1] Er gründete 1950 das Vokalensemble Det Norske Solistkor, das er bis 1990 leitete.[2] Unter seinen etwa 300 Chorwerken, die ungefähr drei Viertel seines Schaffens ausmachen,[3] finden sich viele geistliche Stücke, darunter De Profundis, op. 54, eine Vertonung von Psalm 130 (1966), und Missa brevis, Op. 102 (1984).

Als Jahr der Komposition wurde in einer Besprechung 1987 angegeben;[2] 1988 erschien Immortal Bach das erste Mal in einem Musikverlag.[4] 1990 dirigierte Nystedt sein Stück am Ende seines letzten Konzerts mit Det Norske Solistkor.[2]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immortal Bach ist eine Bearbeitung der ersten Zeile von Komm, süßer Tod, einem Sterbelied für Stimme und Basso continuo, das Bach zu Schemellis Gesangbuch beitrug (BWV 478).[5] Der Text, den Nystedt verwendete, lautet: „Komm, süßer Tod. Komm, sel’ge Ruh’. Komm führe mich in Friede.“[6] Nystedt harmonisierte den Abschnitt für Chor a cappella. Der Chor singt zunächst diesen vierstimmigen Satz. Was folgt, gehorcht einer Anweisung, den Satz zwar unverändert, aber gruppenweise gleichzeitig in unterschiedlichem Tempo zu singen.[7] Im ersten und dritten Abschnitt beginnen alle gleichzeitig und halten den ersten Akkord lange aus. Danach singen die Stimmen in verschiedenem Tempo, wobei vierstimmige Gruppen das gleiche Tempo einhalten, und alle warten an der Fermate, bis sie sich wieder vereint haben. Den zweiten Abschnitt beginnt der Sopran allein mit einem kräftigen hohen Ton, zu dem die Unterstimmen gemeinsam hinzutreten, und dann wie sonst verfahren. Das Werk beginnt und endet pianissimo.[6]

Die Noten zu Immortal Bach bestehen aus einem einzigen Blatt mit acht Takten auf zwei Systemen. Keine einzige Note der Bearbeitung hat Nystedt komponiert, die Melodie stammt unverändert aus Bachs Satz. Nystedt schafft allein durch seine Anweisungen zur Aufführung eine neue klangliche Erscheinung.[6]

Das Werk wurde als Theologie beschrieben, die in Klang ihren Ausdruck findet, indem sie den Begriff „zeitlos“ wörtlich nimmt und damit einen flüchtigen Eindruck von Ewigkeit vermittelt („glimpse … of eternity“).[5]

Einspielungen und Aufführungspraxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nystedt empfahl, die Chormitglieder im Kreis um die Zuhörer aufzustellen.[6]

1996 nahmen die Holst Singers unter Leitung von Stephen Layton bei Hyperion Immortal Bach auf,[8] wobei dem Raumklang besondere Aufmerksamkeit galt. Diese Aufnahme ist mit 6:41 min besonders langsam und gilt als gelungene Umsetzung.[2]

Der Norske Solistkor nahm 2015 unter Leitung von Nystedts Nachfolgerin Grete Pedersen Musik von Bach und Nystedt in der Ris kirke in Oslo auf. Immortal Bach bildet den Abschluss der bei BIS veröffentlichten Einspielung,[9] allerdings in einem Arrangement von Pedersen, in dem die Stimmen durch Streicher hervorgehoben werden. Dieses Arrangement bezeichnete ein Rezensent als schwer mit dem ursprünglichen Konzept Nystedts vereinbar, da die Instrumente dominieren und der Stimmklang sich beim Hören nicht anhaltend mischt.[2] Von Pedersen existiert ein weiteres Arrangement für Brassband, op 153c.[10]

2017 spielte Simone Rubino ein Perkussions-Arrangement von Immortal Bach für vier Marimbas ein, das er auf Genuin veröffentlichte.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Knut Nystedt. Erzbistum Köln. 2003. Abgerufen am 26. Mai 2019.
  2. a b c d e John Quinn: Meins Lebens Licht / Knut Nystedt (1915-2014) (englisch) Februar 2016. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  3. Nystedt Chamber and Vocal Works. In: Gramophone. 1993. Abgerufen im 2. Juni 2019.
  4. Knut Nystedt, Johann Sebastian Bach: Immortal Bach. Norsk Musikforlag, Oslo 1988.
  5. a b Vladimir Morosan: Immortal Bach (englisch) Hyperion Records. 1997. Abgerufen am 7. Juli 2019.
  6. a b c d Musikstück der Woche mit dem SWR Vokalensemble / Bach durch den Klangvorhang, SWR. 21. Abgerufen im 13. Juli 2019. 
  7. Immortal Bach. Abgerufen am 7. Juli 2019.
  8. Ikon, Vol. 1, Sacred Choral Music from Eastern Europe (1996), Holst Singers, Stephen Layton (Dirigent), Hyperion CDA66928.
  9. Nystedt / Bach - Meins Lebens Licht. BIS 2015, BIS-2184 SACD.
  10. Werke von Nystedt für Brassband, op 153c.
  11. Immortal Bach, Werke von Johann Sebastian Bach, Roberto Bocca, Carlo Boccadoro, Knut Nystedt, Iannis Xenakis und John Cage, aufgeführt von Simone Rubino, Perkussion und ESEGESI Percussion Quartet. 2017, GEN 17479.