Imperfektiver Aspekt

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Der imperfektive Aspekt (durative Verben) als Begriff der Sprachwissenschaft ist einer der drei Aspekte der hypothetischen indogermanischen Ursprungssprache, welcher auch in vielen der Folgesprachen ein Teil des Verbalparadigmas ist. Im Gegensatz zum perfektiven Aspekt beschreiben die Verbformen des Imperfektivs unabgeschlossene, andauernde oder wiederholte Handlungen und Zustände. Auch nicht-indogermanische Sprachen wie beispielsweise das Kaukasische oder das Arabische haben komplexe Aspektsysteme.

Der imperfektive Aspekt zeigt sich in Folgendem, in:

  • einer durativen Handlung, ohne einem Anfangs- bzw. Endbezug,
  • einer iterativen Handlung, ohne einem Anfangs- bzw. Endbezug,
  • einer inchoativen Handlung, ohne Anfangs- bzw. Endbezug,
  • einer konativen Handlung.[1]

Einzelsprachliches[Bearbeiten]

In vielen indogermanischen Sprachen, so im Griechischen, haben sich für Aspekt und Tempus kombinierende Formen in der Verbmorphologie ausgebildet.

In der deutschen Sprache wird die vergangene Zeitform Präteritum (er rauchte) aufgrund des Einflusses der französischen Grammatik oft fälschlich Imperfekt genannt, obwohl Formen wie „er fand“ keine unvollendete Handlung darstellen. Das deutsche Präteritum als Zeitform sagt also nichts über den Aspekt aus. Im Französischen dagegen ist beispielsweise die Zeitform Imparfait fest mit dem imperfektiven Aspekt und die Zeitform Passé composé fest mit dem perfektiven Aspekt verbunden. Verben kann man in solche einteilen, die den perfektiven Aspekt ausdrücken (finden) und solche, die den imperfektiven Aspekt ausdrücken (fürchten).

In der Neugriechischen Sprache ist die formale Aspektunterscheidung (Imperfektiv versus Aorist) in den Zeitstufen des Präteritums (Paratatikos versus Aorist), und des Futurs ausgeprägt. Auch beim Imperativ und Konjunktiv wird zwischen den beiden Aspekten unterschieden, wodurch sich die Aspektunterscheidung auch auf einen Teil des Präsens erstreckt. Nur bei wenigen Verben gibt es diesen Aspektunterschied nicht, da sie wegen der Bedeutung immer einen unvollendeten Aspekt besitzen (so zum Beispiel είμαι sein oder χάσκω klaffen). Der Verbstamm, mit dem die Formen des imperfektiven Aspekts gebildet werden, trägt in den Neugriechisch-Grammatiken unterschiedliche Bezeichnungen, so etwa paratatischer (παρατατικό)[2], präsentischer (ενεστωτικό)[3] oder imperfektiver (ατελές)[4] Stamm (θέμα).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aspekt – Aktionsart – Aktionalität; Tempus – Temporalität. Universität Potsdam, Hauptseminar, Linguistische Konzepte der russistischen/polonistischen Forschung. Leitung Peter Kosta, Folien 8 und 9
  2. Hans Ruge: Grammatik des Neugriechischen. Romiosini-Verlag, 3. erweiterte Auflage, Köln 2002, S. 67
  3. Μανόλης Τριανταφυλλίδης: Νεοελληνική Γραμματική. Original 1941, Nachdruck Οργανισμός Εκδόσεως Διδακτικών Βιβλίων, Athen 2002, S. 174
  4. Χρήστος Κλαίρης, Γεώργιος Μπαμπινιώτης: Γραμματική της Νέας Ελληνικής. Ελληνικά Γράμματα, Athen 2005, S. 507