Inflation der Bildung

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Die Inflation der Bildung beschreibt einen Prozess, bei dem immer mehr Absolventen von Schulen, berufsbildenden Einrichtungen, Hochschulen und Universitäten verschiedene Abschlüsse mit besseren Zensuren (Durchschnittsnoten) erreichen und dennoch bei einem Vergleichstest bzw. bei Studien national oder international zunehmend schlechter abschneiden.[1][2] Somit steht dieser Prozess für mehr und vermeintlich „bessere“ Bildungsabschlüsse, die mit einer realen Abnahme der Bildungsqualität einhergehen.[3]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begonnen hat dieser Inflationsprozess mit dem Wahrnehmen der Bildungsbenachteiligung bestimmter gesellschaftlicher Gruppierungen und dem Versuch, dieser entgegenzuwirken. Man kann diese „Inflation der Bildung“ daher auch als Teil der Bildungsparadoxe verstehen.

Dem zugrunde liegt der politische Wille, die „Durchlässigkeit“ bei Bildungsabschlüssen zu erhöhen, ohne dabei die tatsächlichen Leistungen der Schüler, Auszubildenden und Studenten zu verbessern.[4] Dieses kann man unter anderem durch einen niedrigeren „Punkte-Noten-Schlüssel“ (weniger Punkte für eine bessere Zensur) und verschiedene „Nachteilsausgleiche“ (z. B. mehr Zeit bei Klausuren für Menschen mit Migrationshintergrund) erreichen, und somit sind die Anforderungen für einen Abschluss kontinuierlich gesunken.[5] Nachteilsausgleiche waren ursprünglich für Menschen mit „Handicaps“ (Behinderungen) gedacht, werden jedoch mittlerweile auch auf sozial Benachteiligte und Menschen mit Migrationshintergrund angewandt.

Als eigentliche Ursache sind die Versprechen aller Parteien zu sehen, die Bildung in Deutschland zu verbessern.[6][7] Nach jeder Legislaturperiode stehen dann erneut Wahlen an und die jeweils regierenden Parteien wollen nun einen messbaren Beleg für eine vermeintliche Verbesserung präsentieren. Folglich müssen also die Noten bzw. die Abschlüsse verbessert werden, die jedoch eher eine reale Abnahme der Leistungen bedeuten und nicht eine Steigerung. Dieses erfolgt durch indirekte Einflussnahme der Kultusminister bzw. Kultusministerkonferenz auf die Notengebung bzw. Notenschlüssel und Nachteilsausgleiche.[8] Somit ist die Bildung in Deutschland zum Spielball der Politik geworden, die eine Abwärtsspirale in gang gesetzt hat.

Einige Politiker sehen die Ursache der Problematik in der Bewertung von Bildungsergebnissen an sich und fordern die Abschaffung von Zensuren bzw. Noten zur Bewertung.[9] Offen bleibt dabei, wie die Qualität der Bildungsergebnisse auch in Zukunft sichergestellt werden soll.

Problem der Wirtschaftlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungseinrichtungen in Deutschland unterliegen mehr und mehr der Wirtschaftlichkeit.[10] Das heißt, der Bildungsauftrag gerät mehr in die "Defensive", und es zählt, was sich rechnet. Bildungsabschlüsse werden somit zu einem Produkt, das vermarktet wird. Schulen und Hochschulen bekommen staatliche Gelder in Abhängigkeit von ihrer Schüler- bzw. Studentenanzahl.[11] So versuchen Bildungseinrichtungen, möglichst viele Lernende und Studierende zu haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ferdinand Knauß: Die Inflation des Abiturs. In: Wirtschafts Woche., 18. Januar 2013
  2. Jörg Friedrich: Inflation und Wertverlust der Bildungsabschlüsse. In: heise online., 7. September 2012
  3. George Turner: Stoppt die Bildungsinflation. In: Der Tagesspiegel., 12. Mai 2015
  4. Matthias Iken: Eine unbequeme Wahrheit über Integration an Berlins Schulen. In: Berliner Morgenpost., 12. April 2018
  5. Josef Kraus: Hier haben sich die 1,0-Abis in zehn Jahren vervierzehnfacht. In: Welt N24, 12. Dezember 2016
  6. Norbert Holst: Bremer FDP will Noten an Grundschulen wieder einführen. In: Weser Kurier, 13. Februar 2019
  7. Erhard Herrmann: CDU will stärkste Partei werden . In: Moz.de, 20. Februar 2019
  8. Maik Riecken: Noteninflation. 3. Mai 2009, abgerufen am 23. Februar 2019.
  9. Özcan Mutlu: Schulnoten sagen nichts über die Intelligenz der Schüler aus. In: Tagesspiegel CAUSA, 21. März 2017
  10. Katja Friedrich, Klaus Meisel, Hans-Joachim Schuldt: Wirtschaftlichkeit in Weiterbildungseinrichtungen. Verlag: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG., 3. Auflage 2005, ISBN 3-7639-1899-X
  11. Josef Kraus: Privatisierung im Bildungsbereich . Verlag: Deutscher Lehrerverband, Fachtagung 2006