Informationsökonomie

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Die Informationsökonomie bildet neben den traditionellen volkswirtschaftlichen Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen einen vierten Sektor. Die zentrale Ressource bzw. der zentrale Produktionsfaktor ist die von einem physischen Gut unabhängige Information, daher auch die Bezeichnung als Informationssektor. Informationsökonomie wird auch als wirtschaftliche Dimension der Informationsgesellschaft angesehen.

Der Ökonom Fritz Machlup teilt die Informationsökonomie in fünf Industriegruppen, mit jeweils fünf Untergruppen ein:[1]

  1. Bildung (Schulen)
  2. Kommunikationsmedien (TV)
  3. „Informationsmaschinen“ (Musikinstrumente)
  4. Informationsdienste (Medizin)
  5. andere Informationsdienste (Forschung und Entwicklung)

Die Informationsökonomie prägt die Informationsgesellschaft, die nach Alvin Toffler als dritte Welle der Stadientheorie beschrieben wird. Die erste Welle ist die Agrargesellschaft und die zweite Welle ist die Industriegesellschaft (siehe auch Kondratjew-Zyklus).

Ebenen des Wandels beim Übergang zur Informationsökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Makroökonomische Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Makroökonomisch sind Informationsökonomien durch einen hohen Beschäftigungsanteil im Informationssektor geprägt. Man unterscheidet zwischen dem primären und dem sekundären Informationssektor. Im ersteren erfolgt die Produktion von Informationsgütern, die direkt im Markt gehandelt werden. Letzterer dagegen deckt die innerorganisatorische Informationsarbeit ab. Die hier verarbeiteten Informationen können als getrennt vom Markt betrachtet werden. Informationsarbeit im sekundären Bereich dient also nicht der Produktion und Verteilung von Informationsgütern als Selbstzweck, sondern soll – mit zum Teil beträchtlichem Aufwand an Zeit, Material und Personal – andere (innerorganisationelle) Tätigkeiten unterstützen.

Hieraus ergibt sich das Problem der direkten Messbarkeit für den Umfang der Informationsarbeit, so dass auf die Infrastruktur als Indikator zurückgegriffen werden muss. Das Produktivitätsparadoxon für den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie kann teilweise hierdurch erklärt werden.

Mikroökonomische Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mikroökonomisch ist eine bewusste Planung der Informationsbeschaffung ein Ziel systematischer Optimierung betrieblicher Prozesse. Es besteht vielfach keine Imagination für die Möglichkeiten der Informationsverkettung von asynchron, sequentiell oder konsekutiv beschaffter Information. Daher erfolgt häufig eine erneute Informationsbeschaffung bereits zugänglicher oder gar bereits vorhandener Information ohne Prüfung der neuen Erfassung gegen den erreichbaren Informationsbestand. Damit bleibt die neu beschaffte Information ebenso unsicher wie zuvor ungeprüft erworbene Information und bewirkt keinen qualifizierten Informationszuwachs.

Besonders unwirtschaftlich ist dabei der Versuch, durch hohe Anforderungen an die Instrumente der Informationsbeschaffung die technische Unsicherheit zu mindern und dabei jedoch auf die Vergleichsoperationen mit vorhandener Information zu verzichten. Das setzt sich darin fort, dass vorhandene Information unter- und neu beschaffte Information überbewertet wird. Beispiel dazu ist die überzogene Erwartung in die RFID-Technik: Niemals wird mit einer Gruppenidentifikation (bulk reading) die Sicherheit erlangt werden, eine Vollständigkeit sei ohne Zusatzinformation hinreichend geprüft. Dennoch wird häufig in der Planung die Unschärfe einer Informationserfassung ignoriert. In der Praxis zeigt sich dann der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit.[2]

Der unwirtschaftliche Umgang wird durch eine Verringerung der spezifischen Transaktionskosten, die technisch fortlaufend zu beobachten ist, begünstigt. Hierdurch wurde von den ersten Promotoren der Idee der Informationsgesellschaft ein „move-to-the-market“ erwartet, also ein Verzicht auf hierarchische Austauschbeziehungen. Bisher ist jedoch stärker ein „move-to-the-middle“ zwischen der rein marktlichen und der hierarchischen Koordination der Austauschbeziehungen zu beobachten.

Betriebswirtschaftliche Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebswirtschaftlich erzeugt die Informationsökonomie im Zusammenspiel mit der Informationsgesellschaft insgesamt und den neuen Informationstechnologien Herausforderungen für die Unternehmen, welche über Märkte auch wieder auf diese zurückwirken. Insbesondere die neue Rolle des Konsumenten erzeugt ein neues Bündel an Herausforderungen.

Hervorzuheben ist auch das Management und Marketing von Informationsgütern. Diese Güter, wie zum Beispiel Medieninhalte, Bücher, Software und so weiter, unterscheiden sich in ihren Eigenschaften erheblich von traditionellen Gütern. So verfügen nahezu alle Informationsgüter über Netzwerkeffekte und unterliegen dem Informationsparadoxon, also der Tatsache, dass vor der Transaktion die Qualität nicht ausreichend eingeschätzt werden kann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Production and Distribution of Knowledge in the Unites States (1962)
  2. http://www.openpr.de/pdf/46454/99-prozentige-RFID-Lesequote-im-METRO-Group-Distributionszentrum-Mehr-als-50-000-erfasste-Paletten-bis-jetzt.pdf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Grenzenlose Unternehmung - Information, Organisation und Management, in: Lehrbuch zur Unternehmensführung im Informationszeitalter, (A. Picot, R. Reichwald und R. Wigand) (5. aktual.Aufl. 2003)