Interplanetarer Staub

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als interplanetarischen Staub bezeichnet man Materie aus unserem Sonnensystem mit Massen unterhalb 10−5 g und Radien unterhalb 100 µm. Die wahrscheinlich wichtigste Quelle für interplanetarischen Staub sind Kometen, Asteroide und andere Kleinkörper sowie Bruchstücke, die bei Zusammenstößen größerer Teilchen entstehen.[1] Außerdem können in Sonnennähe Teilchen von größeren Materiestücken abdampfen. Die Staubteilchen verbleiben nicht dauerhaft im Sonnensystem. Sehr kleine Staubteilchen werden durch den Strahlungsdruck des Sonnenlichts nach außen getrieben, größere Teilchen nähern sich durch den Poynting-Robertson-Effekt immer mehr der Sonne und werden dort verdampft oder fragmentiert.[2]

Mit Hilfe von Staubdetektoren auf Satelliten kann der interplanetarische Staub analysiert werden. Einige dieser Teilchen enthalten u. a. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Teilweise können auch Staubteilchen von Flugzeugen in etwa 20 km Höhe aufgesammelt werden, wie das bis dahin auf der Erde nicht nachgewiesene Mineral Brownleeit. Weitere Analysemöglichkeiten sind die Untersuchung von mikroskopischen Kratern auf dem Mond und die Beobachtungen mit Satelliten im Infrarotbereich.

Auf die Erde treffen täglich je nach Schätzung 100 bis 10.000 Tonnen Materie in Form von Mikrometeoriten.[3][4] Da der Luftwiderstand bei kleinen Teilchen gegenüber der Schwerkraft überwiegt, verglühen diese nicht in der Atmosphäre, sondern schweben zu Boden, sind dort aber nur schwer von terrestrischem Schmutz zu unterscheiden.

Eine interplanetarische Staubansammlung in ca. 2,5 AE Entfernung von der Sonne ist verantwortlich für das Phänomen des Zodiakallichtes, welches vom Staub reflektiertes Sonnenlicht ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva Ahnert-Rohlfs: Vorläufige Mitteilung über Versuche zum Nachweis von Meteoritischem Staub. Sternwarte Sonneberg 1954 (Mitteilung der Sternwarte Sonneberg; Bd. 45).
  • Eberhard Grün: Interplanetary dust. Springer, Berlin 2001, ISBN 3-540-42067-3.
  • Kazuo Yamakoshi: Extraterrestrial dust – laboratory studies of interplanetary dust. Terra Scientific Publ., Tokyo 1994, ISBN 0-7923-2294-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Henning: Astromineralogy. Springer, Berlin 2003, ISBN 3-540-44323-1; @google books abgerufen am 18. November 2011
  2. Arnold Hanslmeier: Einführung in Astronomie und Astrophysik. Spektrum Akad. Verl., Berlin 2002, ISBN 3-8274-1127-0
  3. Joachim Herrmann: Dtv-Atlas Astronomie. 14. Aufl., Dt. Taschenbuch-Verl., München 2000, ISBN 978-3-423-03006-9, S.135
  4. Arnold Hanslmeier: Einführung in Astronomie und Astrophysik. Spektrum Akad. Verl., Berlin 2002, ISBN 3-8274-1127-0, S. 171 ff.