Isotonisches Getränk

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Ein isotonisches Getränk ist ein Getränk, bei dem das Verhältnis von Nährstoffen zu Flüssigkeit dem des menschlichen Blutes entspricht, das heißt der osmotische Wert die gleiche Tonizität wie das menschliche Blut aufweist und dadurch besonders schnell verdaut werden kann. Meist wird dies durch den Zusatz von Kohlenhydraten und Mineralstoffen – meist Natrium – zur Flüssigkeitsmenge erreicht.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isotonische Getränke sind vornehmlich für Leistungssportler interessant, die zu ihrem Flüssigkeitsbedarf gleichzeitig einen erhöhten Bedarf an Energiezufuhr aus Lebensmitteln (siehe: physiologischer Brennwert) haben. Da die Resorption von Flüssigkeit und Energie erst nach der Passage durch den Magen im Dünndarm erfolgt, soll die Zusammensetzung von Kohlenhydraten und Natrium für eine möglichst schnelle Magenpassage und Aufnahme sorgen: Beim Ausdauersport werden die Glykogenspeicher aufgebraucht und Fettsäuren abgebaut; tritt trotz Carboloading ein Hungerast auf, werden statt Kohlenhydraten Fette verbrannt und Ketokörper gebildet.

Soll zum Ende einer sportlichen Anstrengung die durch Mangel an Kohlenhydraten umgestellte Energiebereitstellung wieder reduziert werden, können Kohlenhydrate die Fettverbrennung zurückfahren und einen Überschuss an Ketonkörpern vermindern. Diese Umstellung[1][2][3] kann über Stunden anhalten.

Auch durch eine Mischung verschiedener Zucker wie Glucose, Fructose, Saccharose oder Kohlenhydratmischungen mit Natrium kann kontinuierlich eine maximale Menge an Energie zugeführt werden, sodass der Kohlenhydratmangel erst möglichst spät während der körperlichen Anstrengung auftritt.[4]

Vorschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich ist die Zusammensetzung eines sich als isotonisch bezeichnenden Getränkes geregelt. Danach müssen in einem Liter mindestens 500 mg Kationen vorkommen und einen bestimmten Gehalt an Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und Chloriden aufweisen. In Deutschland müssen die Getränke zur Bezeichnung lediglich den osmotischen Druck des Blutes aufweisen.[5] [6]

Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Freizeitsportler ist der Konsum isotonischer Getränke zumeist nicht notwendig, da der Verlust an Mineralien und Kohlenhydraten überschaubar ist. So erachtet die deutsche Gesellschaft für Ernährung den Nutzen von isotonischen Getränken erst dann als gegeben, wenn beispielsweise über einen Zeitraum von zwei bis drei Stunden gejoggt wird.[7][8][9] Auch der deutsche Sportbund rät eher zu Apfelschorle statt zu speziellen Produkten.[10] Bei einer sportlichen Aktivität von unter 45 Minuten genügt zumeist Mineralwasser, welches im Idealfall einen hohen Anteil an Natrium enthält.[11]

Alkoholfreie Biere sind je nach Sorte leicht hypotonisch bis leicht hypertonisch; ab dem 16. Dezember 2016 müssen die zusätzlichen Nährwerte, wie Brennwert, Gehalt an Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß und Salz, gemäß der EU-Lebensmittelinformationsverordnung gekennzeichnet werden.[12]

Die Industrie vertreibt spezielle Erfrischungsgetränke, die als für Sportler besonders geeignet beworben werden.[13] Der tatsächliche Nutzen beider Produkte wird jedoch angezweifelt.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bahr R: Excess postexercise oxygen consumption--magnitude, mechanisms and practical implications. In: Acta Physiologica Scandinavica. Supplementum. 605, 1992, S. 1–70. PMID 1605041.
  2. Bahr R, Høstmark AT, Newsholme EA, Grønnerød O, Sejersted OM: Effect of exercise on recovery changes in plasma levels of FFA, glycerol, glucose and catecholamines. In: Acta Physiologica Scandinavica. 143, Nr. 1, September 1991, S. 105–15. doi:10.1111/j.1748-1716.1991.tb09205.x. PMID 1957696.
  3. Bielinski R, Schutz Y, Jéquier E: Energy metabolism during the postexercise recovery in man. In: The American Journal of Clinical Nutrition. 42, Nr. 1, Juli 1985, S. 69–82. PMID 3893093.
  4. http://www.dr-moosburger.at/pub/pub045.pdf
  5. Christina Blachnik, Norbert Vreden: Lebensmittelführer. Inhalte, Zusätze, Rückstände. 3. aktualisierte und ergänzte Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2007, ISBN 978-3-527-31797-4, S. 536.
  6. Günter Vollmer, Gunter Josst, Dieter Schenker, Wolfgang Sturm Lebensmittelführer: Inhalte, Zusätze, Rückstände: Teil 2: Fleisch, Fisch, Milch, Fett, Gewürze, Getränke, Lebensmittel für Diät, für Säuglinge, für Sportler.. John Wiley & Sons, 19. August 2009, ISBN 9783527625871 (Zugriff am 13. Januar 2015).
  7. http://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/tid-3510/isotonisch-der-grosse-sportgetraenke-test_aid_12662.html
  8. http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=print&sid=612
  9. http://www.dr-moosburger.at/pub/pub045.pdf
  10. aok.de
  11. Lifeline - Braucht ein Sportler Sportgetränke?
  12. http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=2&Thema_ID=2&ID=2166&Pdf=No&lang=DE
  13. http://www.isodrink.com/nutzen-isodrinks.html
  14. Artikel „Sportler-Getränke: Saftschorle ist besser als alkoholfreies Bier“