Jüdischer Kalender

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Jüdischer Gemeindekalender von 1831

 Heute ist: 

Donnerstag


12. Dezember
2019 n. d. Z.


14. Kislew
AM 5780
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Der jüdische Kalender (hebräisch הלוח העברי ha-lu'ach ha-iwri) ist ein Lunisolarkalender, der im Jahr 3761 v. Chr.greg. mit der Zählung beginnt. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet. Neben einem Normaljahr mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Die kalendarischen Ausnahmeregeln können zu einer Verlängerung oder Verkürzung der ordentlichen Jahreslängen um jeweils einen Tag führen.

Das jüdische Jahr beginnt heute im Herbst mit dem Tischri, der nach jüdischer Auffassung der Monat ist, in dem die Menschheit erschaffen wurde. In biblischer Zeit begann das Jahr mit dem Nisan im Frühjahr. Der Nisan ist der Monat der Erlösung, in dem die jüdischen Vorfahren aus Ägypten auszogen. Die Tatsache der Erlösung wird auch heute noch höher bewertet als die der Schöpfung, indem beim religiösen Gebrauch des jüdischen Kalenders der Nisan weiter als erster, der Tischri aber erst als siebter Monat des Jahres betrachtet wird.

Die Monatsnamen sind chaldäisch und stammen aus dem babylonischen Exil.

Entstehung und Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Kalender wurde in seiner Entwicklung sowohl von eigenen, israelitischen Traditionen geprägt als auch von Elementen fremder Kulturen, besonders während des babylonischen Exils. Jeder hebräische Monat beginnt heute ungefähr bei Neumond. Seit babylonischer Zeit wurde der Monatsbeginn nach dem sichtbaren Beweis der „Geburt des Mondes“ durch Zeugen bestimmt; die Nachricht darüber wurde durch Signalfeuer und Gerichtsboten verbreitet, was bei schlechtem Wetter lange dauern konnte.[1] Die empirische Berechnung des Monatsbeginns entwickelte sich so bereits in der vorrömischen Zeit vor allem in der Diaspora zu einem Streitpunkt darüber, wem die Autorität zukam, den göttlichen Willen zu interpretieren.[2] Die jüdischen Gemeinden in Griechenland und Makedonien rechneten ebenso wie die in Palästina in der frühen Römerzeit mit dem lunaren Kalender, während die Gemeinden in Kleinasien und Syrien den julianischen Kalender verwendeten. Die Juden in Alexandria wiederum verwendeten einen besonderen ägyptischen Mondkalender.

Die bis in das 4. Jahrhundert geradezu als Geheimnis gehütete Systematik und Berechnung des jüdischen Kalenders wurde im Wesentlichen erst durch den Patriarchen Hillel II. im Jahr 359 n. Chr. einheitlich festgelegt und veröffentlicht, nachdem die Berechnung des jüdischen Kalenders im Römischen Reich nach Übernahme des Christentums als Staatsreligion verboten wurde. Mit der Festlegung sollte auch verhindert werden, dass die Römer durch Behinderung der Rituale und Gerichte das jüdische Leben gefährdeten. Anhand dieses Kalenders wusste nun jeder im Voraus, welcher Monat 29 und welcher 30 Tage hat.[3]

Durchgesetzt hat sich die von Hillel II. festgelegte Regelung jedoch – insbesondere was die Zählung der Jahre betrifft, deren Beginn ursprünglich auf den Anfang der Seleukiden-Ära 312 v. Chr. festgesetzt wurde – erst ab dem 11. Jahrhundert. Heute ist der Kalender im Kreis angeordnet. Er beginnt immer im September oder Oktober.

Tageszählung

Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend zum Abend („und es war Abend und es war Morgen, ein Tag“, Gen. 1,5). Der Tag endete im früheren jüdischen Kalender, wenn mindestens drei „mittlere“ Sterne sichtbar wurden, die zu einem Himmelsdreieck verbunden werden konnten, wobei sich die Bezeichnung „mittlere“ auf Sterne erster und zweiter Größe bezieht.

Der zweite Feiertag

Trafen die Boten des Gerichts in Jerusalem nicht rechtzeitig bei den in der Diaspora lebenden Juden ein, um ihnen das genaue Datum des Monatsbeginns mitzuteilen, feierten diese zur Sicherheit jedes in der Tora erwähnte Fest zwei Tage lang anstelle von nur einem, denn sie wussten ja nicht, ob der vorherige Monat 29 oder 30 Tage gehabt hatte. Um einem Irrtum vorzubeugen und um das Fest nicht zu entweihen, führten sie diesen Feiertag ein. Dieses ist der „zweite Feiertag in der Diaspora“ geworden, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat.

Nur der Versöhnungstag wird an einem einzigen Tag begangen, da man berücksichtigte, dass es dem Menschen schwerfällt, hintereinander 48 Stunden zu fasten. Das Neujahrsfest dauert auch im Land Israel zwei Tage, weil man selbst dort nicht immer wusste, ob der Monat Tischri nach 29 oder 30 Tagen beginnen würde. Zur Sicherheit hörte das Volk am Ende des 29. Elul auf zu arbeiten und „tat heilig“ wie an einem gewöhnlichen Feiertag. Um irgendwelche Irrtümer von vornherein auszuschließen, ordneten die jüdischen Gelehrten schließlich die zweitägige Dauer des Festes an. Trotz des später exakt bestimmten Kalenders feiert man in der Diaspora immer noch den „zweiten Feiertag“, mit der Begründung, es sei „Brauch der Vorfahren“.

Aufbau des Kalenders[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Kalender gliedert sich in Jahre, Monate und Tage. Da dieser Kalender ein Lunisolarkalender (Mond-Sonnen-Kalender) ist, er sich also sowohl am Mondjahr wie auch am Sonnenjahr orientiert, verschieben sich die Monate im Vergleich zu reinen Sonnenkalendern, da zwölf Mondmonate nur 354 und nicht 365 Tage ergeben. Damit die Monate nicht wie bei reinen Mondkalendern durch das Sonnenjahr wandern, benötigt der jüdische Kalender eine Schaltregulierung zum Ausgleich. Um diesen Ausgleich zu dem um 11 Tage längeren Sonnenjahr zu schaffen, wird in einem Zyklus von 19 Jahren siebenmal ein dreißigtägiger Schaltmonat vor dem eigentlichen Adar hinzugefügt.

Während der Schaltmonat in jenem Jahr den Namen Adar übernimmt, erhält der 29 Tage umfassende eigentliche Adar die Bezeichnung We-Adar („noch ein Adar“). Als Schaltjahre sind das 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr bestimmt.[4]

Die jüdischen Feste sind eng mit der Jahreszeit verbunden, sie hängen mit ihren Symbolen zusammen und haben Naturereignisse oder landwirtschaftliche Bräuche zum Inhalt, die jedem Fest seinen besonderen Charakter verleihen.

Das Jahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Kalender zählt die Jahre ab dem Zeitpunkt der biblischen Schöpfung der Welt,[5] die Hillel II. nach den biblischen Chroniken auf das Jahr 3761 v. Chr. berechnete. Dadurch befindet sich der jüdische Kalender bereits im sechsten Jahrtausend. Gelegentlich werden jüdische Jahreszahlen aber nur dreistellig angegeben, hier wird das jüdische Jahrtausend als bekannt vorausgesetzt. In der Umschrift wird diese Schreibweise gelegentlich mit dem Zusatz „nach der kleinen Zählung“ (n. d. k. Z. - לפ"ק) kenntlich gemacht.[6]

Das jüdische neue Jahr (mit der jeweils nächsthöheren Jahreszahl) beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des siebten Monats Tischri, der Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“) genannt wird. Dieser Tag kann nur auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend fallen. Als erster Monat des Jahres wird hingegen der Frühlingsmonat Nisan nach biblischer Tradition mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten nummeriert (Ex 12,2). Nach Meinung von Historikern geht diese ungewöhnliche Anordnung auf die Übernahme der babylonischen Monatsnamen durch die Israeliten zurück. Im babylonischen Kalender war der Nisannu der erste Monat. Die Diskrepanz zwischen der Monatszählung und dem Jahresbeginn folgt aus der Verbindung zwischen diesen fremden und den eigenen Traditionen Israels. Dies würde erklären, warum die Samaritaner bis auf den heutigen Tag Neujahr mit Beginn des ersten Monats feiern.

Mondjahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Länge eines Mondzyklus – die durchschnittliche Zeit von einem Neumond zum nächsten – dauert genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 3 1/3 Sekunden (nach der jüdischen Zeitzählung 29 Tage, 12 Scha'a und 793 Halakim – siehe Abschnitt Der Tag). Mit dieser Monatsdauer zwischen 29 und 30 Tagen hat ein Mondjahr 354 Tage, wenn die Monate abwechselnd 30 und 29 Tage dauern. Ein solches Jahr wird „reguläres Jahr“ genannt. Es ist jedoch gegenüber dem Lunarjahr (12 Mondzyklen) um 8 Stunden, 48 Minuten und 40 Sekunden (acht Sha'a 870 chalakim) zu kurz. Daher wird ungefähr alle drei Jahre dem Monat Cheschwan ein Tag hinzugefügt, das betreffende Jahr hat dann 355 Tage und wird „übermäßig“ genannt. Ferner wird in anderen Jahren dem Monat Kislew ein Tag abgezogen, so dass er nur 29 Tage zählt. Ein solches Jahr wird „vermindert“ genannt. Durch diese Maßnahmen, die durch Listen von Sonnen- und Mondfinsternissen ermittelt wurden, ergeben sich im Durchschnitt lediglich Abweichungen von 0,42 Sekunden gegenüber der tatsächlichen Monatsdauer.

Sonnenjahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Sonnenjahr mit einer Dauer von zurzeit durchschnittlich 365,2422 Tagen nicht mit dem Mondjahr übereinstimmt, das durchschnittlich 354,3671 Tage dauert, muss der Ausgleich durch eine Schaltregelung geschaffen werden. 19 Sonnenjahre als sogenannte Meton-Periode sind fast genau 235 Mondmonate. Daher werden im jüdischen Kalender innerhalb von 19 Jahren die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 zu Schaltjahren mit einem zusätzlichen Monat von 30 Tagen. Dieser Schalt-Monat wird vor dem Monat Adar eingefügt. Der eigentliche Adar wird dann „We-Adar“ („Und-Adar“), „Adar-scheni“ („zweiter Adar“) oder einfach „Adar II“ genannt. So entstehen zwölf Gemeinjahre mit je zwölf Monaten (144 Monate) und sieben Schaltjahre mit je 13 Monaten (91 Monate), die alle nach der Schaltregel des Mondjahres wiederum „regulär“, „übermäßig“ oder „vermindert“ sein können. Dadurch wird der Kalender so angepasst, dass er sich zum Lauf der Sonne und den Jahreszeiten nur geringfügig ändert. Das Kalenderjahr hat eine durchschnittliche Länge von 365,2468 Tagen (365 Tage, 5 Stunden, 55 Minuten und 25 Sekunden). Eine eintägige Abweichung gegenüber dem Sonnenjahr mit 365,2422 Tagen tritt nach 219 Jahren ein.

Die Karaiten lehnen die regelbasierte Einfügung des Schaltmonats ab und entscheiden nach der Reife der Gerste in Israel, in wörtlicher Auslegung allein der schriftlichen Tora und unter Ablehnung der mündlichen Tora.

Der Monat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monatsbeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beginn eines jeden Monats wird, wie bei den meisten mondorientierten Kalendern, durch das erste Sichtbarwerden der Mondsichel nach Neumond bestimmt, das sogenannte Neulicht (Moled). Allerdings orientieren sich die Monate nicht immer ganz exakt an den Mondphasen: Wenn sich durch den so ermittelten Monatsanfang für Rosch Ha-Schanah eine Aneinanderreihung von mehreren Tagen mit Arbeitsverbot (siehe Sabbat) ergeben würde, wird der Jahresbeginn um einen oder zwei Tage hinausgeschoben, um diese Härte zu vermeiden (denn Gott will nach jüdischem Verständnis das Leben der Menschen durch seine Gebote nicht schlechter, sondern besser machen). Es gibt insgesamt fünf Regeln für die Verschiebung des Jahresbeginns, die sich sowohl an den kalendarischen Erfordernissen aus Sonnen- und Mondjahr orientieren als auch die kultischen Bedürfnisse aus der Feiertags- und Sabbatordnung berücksichtigen.

Kalendarische Ausnahmeregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jach

Tritt das Neulicht des Tischri erst nach 18:00 Uhr jüdischer Zeit ein, so ist Rosch ha-Schana auf den folgenden Tag zu verschieben. Dies ist in etwa zwei von fünf Jahren der Fall.

Adu

Fällt das Neulicht des Tischri auf einen Mittwoch, Freitag oder Sonntag, so ist Rosch ha-Schana ebenfalls auf den folgenden Tag zu verlegen. Diese Regel findet in etwa drei von sieben Jahren Anwendung.

Jach-Adu

Würde nach Anwendung der Jach-Regel Rosch ha-Schana auf einen Mittwoch, Freitag oder Sonntag fallen, so muss zusätzlich die Regel Adu zur Anwendung kommen, das Neujahr also um einen weiteren Tag verschoben werden.

Gatrat

Tritt das Neulicht des Tischri in einem Gemeinjahr an einem Dienstag nicht vor 9 Uhr und 204 Halakim jüdischer Zeit (siehe Stundeneinteilung) ein, so muss Rosch ha-Schana um zwei Tage verschoben werden. Diese Regel findet in etwa drei von 100 Jahren Anwendung.

Betutakpat

Fällt das Neulicht des Tischri in einem Jahr, das auf ein Schaltjahr folgt, auf einen Montag nicht vor 15 Uhr und 589 Halakim jüdischer Zeit, so wird Rosch ha-Schana auf den folgenden Tag verschoben. Dieser sehr seltene Fall tritt nur in etwa einem von 200 Jahren ein. Zuletzt wurde die Regel im Jahr 5766 (gregorianisch: 2005/2006) angewandt, das nächste Mal erst wieder im Jahr 6013 (gregorianisch: 2252/2253). Die Regeln Jach und Adu haben religiöse Gründe, die drei anderen sind zur Aufrechterhaltung der Regeln erforderlich. Nur etwa 39 % aller Jahre beginnen tatsächlich am Tage des Neulichtes, somit sind Ausnahmen beim Jahresbeginn häufiger als die Regel.

Praktisch wird die Verschiebung von Rosch Ha-Schanah erreicht durch Hinzufügen eines Tages zum Monat Cheschwan oder Abziehen eines Tages vom Monat Kislew im jeweils vorangehenden Jahr. Dadurch erhält man für Cheschwan und Kislew eine Gesamtdauer von 58, 59 oder 60 Tagen.

Unter Berücksichtigung der fünf Ausnahmeregelungen ergeben sich also sechs verschiedene Jahreslängen: Ein Gemeinjahr kann 353, 354 oder 355 Tage haben, ein Schaltjahr 383, 384 oder 385 Tage. Man unterscheidet deshalb nicht nur Gemein- und Schaltjahre, sondern auch verminderte (353/383 Tage), reguläre (354/384 Tage) und übermäßige (355/385 Tage) Jahre.

Monatsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Übersicht bietet die Monatsnamen mit ihrer ungefähren Position im gregorianischen Kalender. Die Zuordnung zu den klassischen Tierkreiszeichen (Zodiak) beruht auf jüdischer Tradition und ist idealtypisch. Sie berücksichtigt nicht die Ausnahmeregeln und stimmt daher nicht mit astronomisch exakten Berechnungen überein.[7]

Nr. im … jüdischen Kalender Monat Länge in Tagen Beginn im gregorianischen Kalender Tierkreiszeichen
bürgerlichen religiösen zwischen und
01 07 Tischri 30 erstem Septemberdrittel  Anfang Oktober Waage
02 08 Cheschwan, Marcheschwan  29 (30 in übermäßigen Jahren)  Anfang Oktober Anfang November Skorpion
03 09 Kislew 30 (29 in verminderten Jahren) Anfang November Anfang Dezember  Schütze
04 10 Tevet 29 Ende November Mitte Dezember Steinbock
05 11 Schevat (oder Schwat) 30 letztem Dezemberdrittel Mitte Januar Wassermann
06 12 Adar 29 Anfang Februar Anfang März Fische
07 01 Nisan 30 Mitte März Mitte April Widder
08 02 Ijjar 29 Mitte April Mitte Mai Stier
09 03 Siwan 30 Mitte Mai erstem Junidrittel Zwillinge
10 04 Tammus 29 erstem Junidrittel Anfang Juli Krebs
11 05 Aw 30 Mitte Juli Mitte August Löwe
12 06 Elul 29 Mitte August Mitte September Jungfrau

Die folgende Tabelle gibt das gregorianische Datum der Monatsanfänge für die Jahre 5779 bis 5783 an:

5779 5780 5781 5782 5783
Monat Monatsanfang Anzahl
Tage
Monatsanfang Anzahl
Tage
Monatsanfang Anzahl
Tage
Monatsanfang Anzahl
Tage
Monatsanfang Anzahl
Tage
Tischri 10. September. 2018 30 30. September. 2019 30 19. September. 2020 30 7. September. 2021 30 26. September. 2022 30
Marcheschwan 10. Oktober. 2018 30 30. Oktober. 2019 30 19. Oktober. 2020 29 7. Oktober. 2021 29 26. Oktober. 2022 30
Kislew 9. November. 2018 30 29. November. 2019 30 17. November. 2020 29 5. November. 2021 30 25. November. 2022 30
Tevet 9. Dezember. 2018 29 29. Dezember. 2019 29 16. Dezember. 2020 29 5. Dezember. 2021 29 25. Dezember. 2022 29
Schevat 7. Januar. 2019 30 27. Januar. 2020 30 14. Januar. 2021 30 3. Januar. 2022 30 23. Januar. 2023 30
Adar 6. Februar. 2019 30 26. Februar. 2020 29 13. Februar. 2021 29 2. Februar. 2022 30 22. Februar. 2023 29
Adar II 8. März. 2019 29 4. März. 2022 29
Nisan 6. April. 2019 30 26. März. 2020 30 14. März. 2021 30 2. April. 2022 30 23. März. 2023 30
Ijjar 6. Mai. 2019 29 25. April. 2020 29 13. April. 2021 29 2. Mai. 2022 29 22. April. 2023 29
Siwan 4. Juni. 2019 30 24. Mai. 2020 30 12. Mai. 2021 30 31. Mai. 2022 30 21. Mai. 2023 30
Tammus 4. Juli. 2019 29 23. Juni. 2020 29 11. Juni. 2021 29 30. Juni. 2022 29 20. Juni. 2023 29
Aw 2. August. 2019 30 22. Juli. 2020 30 10. Juli. 2021 30 29. Juli. 2022 30 19. Juli. 2023 30
Elul 1. September. 2019 29 21. August. 2020 29 9. August. 2021 29 28. August. 2022 29 18. August. 2023 29

Der Tag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Tag des jüdischen Kalenders beginnt mit dem vorausgehenden Abend. Begründet wird dies mit Aussagen aus dem Schöpfungsbericht in der Thora: „Und es ward Abend und Morgen – ein Tag“ (1. Buch Mose).[8][9] Aus der Schöpfungsgeschichte der jüdischen Bibel ergebe sich somit, dass jeder Tag auch einen „Vor-Abend“ (hebräisch ערב Erev) hat. Der jüdische Tag hat keine feste Länge. Er läuft vom Beginn des Abends[10] bis zum nächsten Abend. An Orten höherer Breitengrade im Sommer, z. B. wo die Sonne nicht unter den Horizont sinkt, wird ein Tag vom Tageshöchststand der Sonne, örtlicher Mittag, zum nächsten Mittag gezählt. An Orten höherer Breitengrade im Winter, z. B. wo die Sonne nicht über den Horizont steigt, wird ein Tag vom Zeitpunkt des tiefsten Stands der Sonne auf ihrer Himmelsbahn, örtliche Mitternacht, zur nächsten Mitternacht gezählt.[11] Diese lokalen und im Jahreslauf variierenden Tageslängen müssen auch z. B. für die Berechnungen der jüdischen Gebetszeiten berücksichtigt werden. Erschwerend dabei ist, dass es von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 12 halachische Stunden, sowie von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ebenso 12 halachische Stunden gibt, die untereinander mit Ausnahme der Äquinoktien, sowie entlang des Äquators eine unterschiedliche Länge, in SI-abgeleiteten Zeiteinheiten gemessen, ausweisen, welche sich zudem im Prinzip täglich ändert. Die Länge dieser halachischen Stunden und entsprechend auch deren Teile variiert somit mit der Jahreszeit. Beispiel: Das Morgengebet Shacharit muss innerhalb 3 halachischer Stunden nach Sonnenaufgang gebetet werden. Je nach geographischer Position kann man sich somit viel Zeit beim Beten lassen, oder man hat Schwierigkeiten, es in seinen Tagesablauf unterzubringen. In Israel gibt es die Probleme kaum, da das Land sehr äquatornah liegt.[12][13][14]

Anstelle des Gebrauchs der internationalen Datumsgrenze gibt es verschiedene jüdische Standpunkte dazu, wo der Tag wechselt. Ein Standpunkt vertritt den Gebrauch des 180° Anti-Meridians von Jerusalem. Jerusalem liegt auf dem 35. östlichen Meridian (geographische Lage: 35° 13’ östliche Länge) also ist der Anti-Meridian der 144. westliche Meridian (144° 47' westliche Länge, geht durch Alaska).[15][16]

Vereinfachtes Zeitmaß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im vereinfachten Zeitmaß beginnt der jüdische Tag unabhängig vom Sonnenuntergang um 18:00 Uhr am Abend. 6 Uhr jüdischer Zeit entspricht daher 24 oder 0 Uhr bürgerlicher Zeit.[17] Unterteilt wird der Tag in 24 Stunden (Sha'a, pl. Sha'ot). Die Unterteilung der Stunde erfolgt in 1080 Teile (Chalakim).[18] Ein Teil (Chelek, mit der Einheit 1 P) dauert somit 3 1/3 Sekunden und entspricht der kürzesten babylonischen Zeiteinheit Digiti. Die internationale Zeitangabe 10:30 Uhr (vormittags) entspricht 16 H 540 P nach dem jüdischen Kalender. Diese Zeitangaben finden sich auch im öffentlichen Leben Israels.

Namen der jüdischen Wochentage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namen der jüdischen Wochentage sind:

  • Jom Rischon (יום ראשון, wörtlich „Erster Tag“, Sonntag)
  • Jom Scheni (יום שני, wörtlich „Zweiter Tag“, Montag)
  • Jom Schlischi (יום שלישי, wörtlich „Dritter Tag“, Dienstag)
  • Jom Revi’i (יום רביעי, wörtlich „Vierter Tag“, Mittwoch)
  • Jom Chamischi (יום חמישי, wörtlich „Fünfter Tag“, Donnerstag)
  • Jom Schischi (יום שישי, wörtlich „Sechster Tag“, Freitag)
  • Schabbat (שבת, wörtlich „Ruhe“, Samstag)

Schöpfungstag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bezug auf den ersten Tag der erschaffenen Welt setzten jüdische Forscher den 6. Oktober 3761[5] v. d. Z. fest. Rückgerechnet, nach der biblischen Überlieferung, muss unmittelbar mit Jom Rischon, dem 6. Oktober (6. Septembergreg.) 3761 v. d. Z., 23 Uhr 11 Minuten 20 Sekunden, das biblische Gotteswort zur Schöpfung (Gen 1,3 EU) geworden sein: „Es werde Licht, und es wurde Licht.“[19]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jüdische Kalender wird in Israel seit der Staatsgründung angewendet und ist mit der Verabschiedung des Nationalstaatsgesetz am 18. Juli 2018 der Staatskalender in Israel.[20] Nicht nur die religiösen jüdischen Festtage, sondern auch die säkularen orientieren sich am jüdischen und nicht am gregorianischen Kalender. Da auf internationaler Ebene sowie im Tourismus der gregorianische Kalender bestimmend ist, nutzen die Israelis beide Kalender parallel im Alltag.

Die Fest-, Feier- und Gedenktage mit festem Termin im jüdischen Kalender sind:

Am 15. Nisan wird das Pessachfest gefeiert, spätestens seit dem 10. Jahrhundert unabhängig vom tatsächlichen Vollmond. Dieser Tag stellt einen der wichtigsten jüdischen Feiertage dar. Auch der Todestag Jesu von Nazareth steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Pessachfest, wobei unklar ist, ob es sich dabei um den 14. Nisan (den sogenannten Rüsttag) oder den 15. Nisan (das Pessachfest selbst) handelte. Das christliche Osterfest findet daher in der Regel ebenfalls in diesem Monat statt, wenn es nicht wegen des jüdischen Schaltjahres in einen Adar II fällt.

Am 10. Tischri ist Jom Kippur, einer der höchsten jüdischen Feiertage.

In Schaltjahren findet das Purimfest im Adar II statt.

Die Daten der jüdischen Festtage für die Jahre 5779 bis 5783[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hier angegebenen Tagesdaten aus dem Bürgerlichen Kalender bezeichnen stets den Tag, der um Mitternacht (0 Uhr) des entsprechenden jüdischen Tages beginnt. Nach dem jüdischen Kalender beginnt das Fest tatsächlich jedoch schon bei Sonnenuntergang des Vortages; der Abend dieses Vortages ist der 'Vorabend' des Festes.

Jüdisches Jahr
Gregorianisches Jahr
5779
2018/2019
5780
2019/2020
5781
2020/2021
5782
2021/2022
5783
2022/2023
Rosch ha-Schana
Jüdisches Neujahr
10. bis 11. September 2018 30. September 2019 bis
1. Oktober 2019
19. bis 20. September 2020 7. bis 8. September 2021 26. bis 27. September 2022
Jom Kippur
Versöhnungstag
19. September 2018 9. Oktober 2019 28. September 2020 16. September 2021 5. Oktober 2022
Sukkot
Laubhüttenfest
24. September 2018 bis
1. Oktober 2018
14. bis 21. Oktober 2019 3. bis 10. Oktober 2020 21. bis 28. September 2021 10. bis 17. Oktober 2022
Simchat Tora
Gesetzesfreude
2. Oktober 2018 22. Oktober 2019 11. Oktober 2020 29. September 2021 18. Oktober 2022
Chanukka
Lichterfest
3. bis 10. Dezember 2018 23. bis 30. Dezember 2019 11. bis 18. Dezember 2020 29. November 2021 bis
6. Dezember 2021
19. bis 26. Dezember 2022
Tu biSchevat
Tag der Bäume
21. Januar 2019 10. Februar 2020 28. Januar 2021 17. Januar 2022 6. Februar 2023
Purim
Losfest
21. März 2019 10. März 2020 26. Februar 2021 17. März 2022 7. März 2023
Pessach
Passah
20. bis 27. April 2019 9. bis 16. April 2020 28. März 2021 bis
4. April 2021
16. bis 23. April 2022 6. bis 13. April 2023
Jom haScho’a
Holocaustgedenktag
2. Mai 2019 21. April 2020 8. April 2021 28. April 2022 18. April 2023
Jom haZikaron
Soldatengedenktag
9. Mai 2019 28. April 2020 15. April 2021 5. Mai 2022 25. April 2023
Jom haAtzma’ut
Unabhängigkeitstag
10. Mai 2019 29. April 2020 16. April 2021 6. Mai 2022 26. April 2023
Lag baOmer
Omer 33
23. Mai 2019 12. Mai 2020 30. April 2021 19. Mai 2022 9. Mai 2023
Jom Jeruschalajim
Jerusalemtag
2. Juni 2019 22. Mai 2020 10. Mai 2021 29. Mai 2022 19. Mai 2023
Schawuot
Wochenfest
9. bis 10. Juni 2019 29. bis 30. Mai 2020 17. bis 18. Mai 2021 5. bis 6. Juni 2022 26. bis 27. Mai 2023
Tischa beAv
Tempelzerstörung
11. August 2019 30. Juli 2020 18. Juli 2021 7. August 2022 27. Juli 2023

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Eckdaten des jüdischen Kalenders lassen sich durch Hilfsformeln ausrechnen. Das Datum des Pessach-Festes (15. Nisan) lässt sich für beliebige Jahre nach der Gaußschen Pessach-Formel berechnen. Weiterhin folgt aus dieser Formel auch das Datum des folgenden jüdischen Neujahrsfests (1. Tischri). Der Charakter eines beliebigen jüdischen Jahres (vermindertes, reguläres oder übermäßiges Gemein- oder Schaltjahr) und die Wochentage des Neujahrs- und Pessach-Festes können durch die Slonimski-Formel bestimmt werden. Somit ist durch diese beiden Formeln der gesamte jüdische Kalender eines Jahres festgelegt und leicht bestimmbar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jüdische Kalender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Jacobs, Cyrus Adler: Calendar, History of. In: Jewish Encyclopedia.
  2. Martin Goodman: Judaism in the Roman World. Leiden 2007, S. 40.
  3. „Under the reign of Constantius (337-361) the persecutions of the Jews reached such a height that all religious exercises, including the computation of the calendar, were forbidden under pain of severe punishment. The Sanhedrin was apparently prevented from inserting the intercalary month in the spring; it accordingly placed it after the month of Ab (July-August).“ – Joseph Jacobs, Cyrus Adler: Calendar, History of, in: Jewish Encyclopedia 1906 [1]
  4. Eli Barnavi (Hg.): Universalgeschichte der Juden. Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart, Verlag Christian Brandstätter, Wien 1993, S. 72.
  5. a b Der Brockhaus multimedial 2009
  6. Glossar. Jüdische Grabstätten in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3-633-54154-6, S. 29–31.
  8. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3-633-54154-6, S. 9.
  9. (Gen 1,5 ELB), (Gen 1,8 ELB), (Gen 1,13 ELB), (Gen 1,19 ELB), (Gen 1,23 ELB), (Gen 1,31 ELB) und (Gen 2,2 ELB).
  10. Der Abend beginnt z. B. gemäß jüdischer Tradition mit dem Sichtbarwerden von mindestens 3 mittelgroßen Sternen, oder wird astronomisch errechnet.
  11. Cyrus Adler, Michael Friedländer: Calendar. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Funk and Wagnalls, New York 1901–1906.
  12. Chajm Guski: Halachische Zeiteinheiten. Jüdische Allgemeine, 3. August 2017, abgerufen am 22. April 2018.
  13. Zu den halachischen Zeiten. Jüdische.info, abgerufen am 22. April 2018.
  14. Chajm Guski: Zeiten – halachische Zeiten. talmud.de, 29. Mai 2017, abgerufen am 22. April 2018.
  15. Siehe das Essay von Willie Roth The International Date Line and Halacha (Memento des Originals vom 18. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/koltorah.org.
  16. Appendix II: Baal HaMaor, Interpretation von 20b und dessen Relevanz zur Datumsgrenze, in Talmud Bavli, Schottenstein Edition, Tractate Rosh HaShanah, Mesorah Publications Ltd. („ArtScroll“) 1999, wobei „20b“ Seite '20' Folio 'b' des Traktats Rosh HaShanah referenziert.
  17. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3-633-54154-6, S. 25.
  18. Die Zahl 1080 der 1080 Chalakim einer Stunde, lässt sich in eine Reihe von Primfaktoren zerlegen und ist deshalb mathematisch sehr geschickt gewählt. 1080 = 2*2*2*3*3*3*5. Ein Chelek wird weiter in 76 Regaim zerlegt. 76 = 2*2*19. 1 Rega = 0,044 Sekunden.
  19. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3-633-54154-6, S. 29–30.
  20. Knesset verabschiedet Nationalstaatsgesetz In: Israelnetz.de, 19. Juli 2018, abgerufen am 5. August 2018.