Jahn-Kapelle Klein Vielen

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Jahn-Kapelle Klein Vielen

Die Jahn-Kapelle auf dem Klingenberg ist eine Grabkapelle aus Backsteinmauerwerk, die der Eigentümer des Gutes, Eduard Rudolph Jahn (1816–1890), in Klein Vielen bei Neustrelitz in Mecklenburg zu Ehren seiner verstorbenen Frau und seiner Tochter ab 1851 errichten ließ. Sie befindet sich im ehemaligen Park des nicht erhaltenen Gutshauses.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahn-Kapelle Innenansicht
Dachreiter

Die Pläne für das Bauwerk werden dem Architekten Friedrich Wilhelm Buttel zugeschrieben, der Schüler Karl Friedrich Schinkels war und unter anderem die Schlosskirche in Neustrelitz, die Stadtkirche in Fürstenberg (Havel) und die Restaurierung der Neubrandenburger Marienkirche geplant hatte. Die sorgfältige Ausführung der Detailformen der Kapelle wie zum Beispiel des Fenstermaßwerks erinnert an den neugotischen Turmaufsatz der Neubrandenburger Kirche. Die ungewöhnliche Gestaltung als achteckiger neugotischer Zentralbau mit basilikalem Aufbau ist bemerkenswert und geht typologisch auf die oktogonale Form der Grabkirche in der frühmittelalterlichen Architektur (wie zum Beispiel die Grabkirche Mettlach) zurück. Die Abseiten sind mit trapezförmigen Kreuzgewölben versehen, während das zentrale Oktogon durch ein achtseitiges Kreuzgewölbe abgeschlossen wird. Die Fenster in den Abseiten waren ursprünglich mit Maßwerk aus Formsteinen versehen, das in den dreiteiligen Obergadenfenstern erhalten blieb. Das Bauwerk war weiterhin mit Fialen auf den Strebepfeilern und einem zentralen Dach mit einem Türmchen in der Art gotischer Dachreiter geschmückt. Das Bauwerk wird durch ein spitzbogiges Portal erschlossen, das ebenfalls ursprünglich mit Wimperg und seitlichen Fialen sowie einem maßwerkverzierten Fenster geschmückt war.

Umgebung und Erhaltungszustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustand Dezember 2016

Das Bauwerk steht auf dem Klingenberg inmitten einer landschaftlich reizvollen Umgebung mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte. Der Klingenberg ist durch eine Feldsteinmauer von der umgebenden Landschaft abgegrenzt. Ein spiralförmiger Weg führt hinauf zur Kapelle. Die parkartige Gestaltung auf dem Klingenberg wird schrittweise wiederhergestellt. Erste Restaurierungsarbeiten wurden im Frühjahr 2019 durchgeführt.

Nachdem das Gutshaus in Klein Vielen bereits 1947 abgebrannt war, geriet die Kapelle infolge längerer Vernachlässigung und Vandalismus in Verfall. Die Gemeinde Klein Vielen bemüht sich in Zusammenarbeit mit dem 2009 eigens gegründeten Förderverein Jahn-Kapelle Klein Vielen und dem örtlichen Kulturverein Klein Vielen e.V. um die Erhaltung des Bauwerks. Förderer sind die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Europäische Union, die das Projekt aus LEADER- und ELER-Mitteln ko-finanziert, das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Mecklenburg-Strelitz. Hinzu kommen zahlreiche Einzelspenden. Eine spätere Nutzung für touristische und kulturelle Zwecke wird unter dem Motto „Ein Belvedere zwischen Lieps und Havelquelle angestrebt. Zum Abschluss des ersten Bauabschnitts, der Sicherung des oberen Oktogons, wurde im Februar 2018 die restaurierte oberste Kreuzblume auf den wiederhergestellten Dachreiter aufgesetzt.[1] Bis Ende Oktober 2018 konnten die Arbeiten des zweiten Bauabschnittes, zu denen die Zinkdachdeckung, die Sicherung der Gewölbe und die Aufmauerung fehlender Mauerteile des unteren Oktogons gehören, weitgehend fertiggestellt werden. Ein „Baustellenreport“[2] dokumentiert detailliert die Baufortschritte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. August 2016
  • Hermann Behrens: Die Jahn-Kapelle in Klein Vielen. Geschichten um ein Kleinod in der Mecklenburgischen Kulturlandschaft. Mit Beiträgen von Jan von Busch, Jürgen Lenz und Christian Peters. Edition Lesezeichen, Steffen Media Friedland. 94 S. ISBN 978-3-941681-91-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jahn-Kapelle Klein Vielen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Letzter Schliff für Grabkapelle Klein Vielen. Bericht über die Sanierung im NDR Nordmagazin am 26. Februar 2018.
  2. Baustellenreport des Kulturvereins Klein Vielen e.V. Abgerufen am 29. Juli 2018.

Koordinaten: 53° 26′ 53,3″ N, 13° 1′ 43,9″ O