Jakow Modestowitsch Gakkel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Jakow Modestowitsch Gakkel

Jakow Modestowitsch Gakkel (russisch Яков Модестович Гаккель; * 30. Apriljul./ 12. Mai 1874greg. in Irkutsk; † 12. Dezember 1945 in Leningrad) war ein russischer Gelehrter, Eisenbahningenieur und Flugzeugkonstrukteur. Zu seinen Werken gehörten unter anderem zahlreiche russische Flugzeugkonstruktionen der ersten Generation, die als die bedeutendsten Russlands bezeichnet worden sind.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leben J.M. Gakkels war eng mit der Universität in St. Petersburg verbunden

Jakow Modestowitsch Gakkel wurde am 12. Mai 1874 in Irkutsk geboren. Seine Eltern waren beim Militär angestellt. 1897 beendete er das Studium der Elektrotechnik an der Petersburger Universität in Sankt Petersburg, danach vollführte er seine erste Arbeit in Sibirien. Er arbeitete in der Nähe der Stadt Bodaibo. Er war beim Bau eines Wasserkraftwerkes beschäftigt und baute von diesem abgehend die erste Hochspannungsleitung in Russland. 1903 kehrte er nach Sankt Petersburg zurück und lehrte im dortigen Elektrotechnischen Institut. Gleichzeitig wirkte er an der Projektierung und dem Bau der Straßenbahn Sankt Petersburgs mit. Nach Beendigung der Arbeiten erhielt er von den Aktionären der Gesellschaft Westinghouse Electric 1909 einen Preis, und er begann mit der Konstruktion seines ersten Flugzeuges mit dem Namen Gakkel-I. Gemeinsam mit S. S. Schtschetinin gründete er mit der Luftfahrtschule S.S. Schtschetinin das erste Luftfahrtunternehmen in Russland. Insgesamt projektierte er bis 1924 15 Flugzeuge, 10 von ihnen wurden gebaut und 5 oder 6 davon unternahmen eigenständige Flüge. Die Flugzeuge waren unterschiedliche Konstruktionen. So gehörte das erste in Russland gebaute Flugboot dazu. Flugzeuge von Jakow Modestowitsch Gakkel wurden auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt, sie stellten zahlreiche Rekorde auf, doch es kam zu keiner großen Serienfertigung. Das Ausbleiben von Bestellungen zwang Gakkel, sich aus dem Flugzeuggeschäft zurückzuziehen, obwohl er sich auch später weiterhin mit Flugzeugkonstruktionen beschäftigte. Die von ihm vorgeschlagenen Projekte konnten auch nach 1920 noch nicht verwirklicht werden. Schuld waren die Auswirkungen der Oktoberrevolution. Seit 1921 war er Professor an dem Elektrotechnischen Institut der nun Leningrad genannten Stadt.[1]

Darum befasste sich Jakow Modestowitsch Gakkel mit dem Bau von ´Diesellokomotiven, und am 5. August 1924 wurde auf dem Gelände des Baltischen Werkes Leningrad mit der Щэл1 die erste in der UdSSR gebaute Diesellok fertiggestellt.[2] 1934 konstruierte J.M. Gakkel einen Dampftraktor. Die Dampfmaschine für dieses Fahrzeug wurde in einigen Dampfschiffen verwendet.

Ab 1936 arbeitete J.M. Gakkel in der Eisenbahnabteilung der Universität Leningrad als Ingenieur für Eisenbahn-Transport.

Er ist Autor zahlreicher Publikationen und Urheber einiger Erfindungen.

Gestorben ist er am 12. Dezember 1945 in Leningrad. Er ist begraben auf dem Leningrader Friedhof Literatorskie Mostki.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

J. M. Gakkel war verheiratet mit Olga Glebowna Gakkel, geborene Uspenskaja. Die Familie hatte die beiden Kinder Jakow Jakowlewitsch Gakkel (er lebte von 1901 bis 1965) und war ein anerkannter Hydrologe und Ozeanograph. Die Tochter Ekaterina Jakowlewna Gakkel lebte von 1903 bis 1984. Sie war eine der ersten Frauen, die den Titel eines Professors an der Universität Leningrad erreichte. Sie war eine große Spezialistin auf dem Gebiet der Automatisierung von Lokomotiven und hat eine große Anzahl von Arbeiten über die Konstruktion von Lokomotiven verfasst.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakow Modestowitsch Gakkel hinterließ eine große Anzahl von Werken und Konstruktionen auf den verschiedenen Technikgebieten.

Flugzeugbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugzeug Gakkel-VII

Der Doppeldecker Gakkel-III[3] mit einem luftgekühlten Motor von 35 PS Leistung stammt aus dem Jahr 1910. Er absolvierte einen beglaubigten 200-m-Flug und war einer der ersten Flugzeuge aus russischer Produktion.[4]

Der Doppeldecker Gakkel-IV besaß schon eine Motorleistung von 100 PS.

1911 erschien die Konstruktion des Flugboot Gakkel-V. Ausgestellt wurde es auf der 1. Innerstaatlichen Luftfahrtausstellung 1910/1911 in St. Petersburg und erlangte dort die Silbermedaille. Geflogen ist diese Konstruktion nie.

Ebenfalls 1911 erschien das Flugzeug Gakkel-VII. Es besaß ein Gesamtgewicht von 504 kg. Angetrieben wurde es von einem 100 PS starken Antriebsmotor. Im Juli 1911 stellte es einen Geschwindigkeitsrekord auf. So flog es mit dem Pilot Glew Wassiljewitsch Alexandrow auf der Strecke St. Petersburg – Zarskoje Selo und zurück mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 km/h. Das zweite gebaute Exemplar dieses Modelles errang auf der 2. Innerstaatlichen Luftfahrtausstellung in Moskau die Goldmedaille. Alexandrow stellte mit diesem Flugzeug auch den zu der Zeit in Russland gültigen nationalen Höhenrekord mit 1.350 m auf.

Das 1912 erschienene Flugzeug Gakkel-IX war eines der ersten Eindecker in der Welt.[5]

Eisenbahntechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesellokomotive Щэл1, erbaut unter der Mitarbeit von Jakow Modestowitsch Gakkel

1924 erschien die Diesellokomotive Щэл1 unter Leitung von J.M. Gakkel. Sie war eine der ersten beiden in der UdSSR erschienenen Diesellokomotiven. Ebenso wird J.M. Gakkel die Mitarbeit an einem Triebwagen, bestehend aus zwei Einzelwagen, zugeschrieben. Dieses Fahrzeug soll die Bezeichnung AP 1 (russisch АП-1) getragen haben. In der Literatur sind keine Angaben über dieses Fahrzeug zu finden.

Auszeichnungen und Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1921 war Jakow Modestowitsch Gakkel Professor an der Leningrader Universität. Zu Zeiten der Sowjetunion bekam er einige staatliche Auszeichnungen verliehen. So wurde ihm 1940 der Orden Verdienter Vertreter von Wissenschaft und Technik verliehen, außerdem erhielt er einen Orden mit der Bezeichnung Rote Arbeitspersönlichkeiten von dem Zentralkomitee der KPdSU.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach J.M. Gakkel wurde in St. Petersburg eine Straße benannt; die Gakkelskaja Uliza. Im Institut für Eisenbahn bei der Petersburger Universität befindet sich ein Denkmal, das an die Wirkungsstätte des Schöpfers der ersten Flugzeuge und Diesellokomotiven in Russland bzw. der UdSSR erinnert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wadim Borisowitsch Schawrow „Historie der Konstruktionen von Flugzeugen in der UdSSR bis 1938“, 3. überarbeitete Auflage, Verlag Maschinenbau, 1985
  • „Flugzeuge J.M. Gakkels, Führer durch die Luftflotte der UdSSR“, 1952
  • „Lehrschriften und Erfindungen des Eisenbahn-Transportes“, Sammlungen und gesammelte Materialien, 1956

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografie über Jakow Modestowitsch Gakkel in der St. Petersburg Enzyklopädie
  2. Filmsequenz vom 14. Dezember 1924 vom Rollout der ersten in der UdSSR gebauten Diesellok
  3. Skizze von dem Doppeldecker Gakkel-III
  4. Internetseite über das Flugzeug Gakkel-III
  5. Internetseite über die Flugzeuge Gakkel-VII bis IX auf der Internetseite der Flugzeugkonstruktionen von J.M. Gakkel (Memento vom 21. November 2002 im Internet Archive)