Jameda

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jameda ist der Name eines deutschen Internet-Werbeportals für Ärzte und andere im Gesundheitswesen tätige Personen und Unternehmen. Es gehört zur Kategorie der Arztbewertungsportale. Der Betreiber, die jameda GmbH in München, ist eine hundertprozentige Tochter der Burda Digital GmbH von Hubert Burda Media.

Gründung und Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen jameda wurde 2007 von Barbara Nowak, Michael Nowak, Markus Reif und Jan Richter mit dem Ziel gegründet, eine Internet-Plattform zu entwickeln, auf der Ärzte neue Patienten gewinnen und Patienten einen geeigneten Arzt finden können. Darüber hinaus sollte den Besuchern ein umfangreiches Online-Angebot an Medikamenten und Pharmazeutika bereitgestellt werden.[1] Ähnliche Webseiten gab es zu diesem Zeitpunkt zwar schon, dieses Modell hielt man jedoch für neu.

2008 erwarb die Tomorrow Focus AG und der Focus Magazin Verlag Gesellschafteranteile an jameda. Drei Jahre später, 2011, wurde Tomorrow Focus AG alleinige Gesellschafterin.[2][3] Seit 2016 ist jameda eine hundertprozentige Tochter der Burda DIgital GmbH.[4]

Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der AGOF-Auswertung vom Juni 2015 hat jameda 5,65 Millionen Nutzer pro Monat. Das Portal beinhaltet die Stammdaten von bundesweit 250 000 Ärzten, weiteren 230 000 Personen aus dem Gesundheitswesen und etwa 2,5 Mio. Rückmeldungen von Patienten.[2] jameda stellt den Besuchern auch ein Lexikon und einen Expertenratgeber zur Verfügung, die Informationen zu Gesundheitsthemen vermitteln.

Ärzte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

jameda bietet Praxisinhabern kostenpflichtige Werbeseiten, sogenannte Premiumeinträge, zur Selbstdarstellung und Eigenbewerbung ihrer medizinischen Leistungen und Dienste an. Damit wird ihnen eine Plattform zur Erweiterung insbesondere ihrer Privatpatientenquote geboten.[2] Darüber hinaus sichert man den Ärzten eine bessere Auffindbarkeit ihrer Praxis über Google Suchabfragen zu und unterstützt mit Ratschlägen zum Praxismarketing.[5] Zudem wird allen Ärzten - unabhängig von deren Kundenstatus - ein Schutz vor Schmähkritiken und Beleidigungen garantiert.

Patienten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besuchern bietet das Portal eine kategorisierte Suchfunktion, die nach verschiedenen Kriterien eine Abfrage des Datenbestandes ermöglicht, und so zum schnellen Auffinden eines geeigneten Arztes führen soll.

Patienten haben auf jameda die Möglichkeit, die Einträge bzw. Merkmale der Ärzte hinsichtlich Leistungsspektrum, Infrastruktur, Praxisausstattung, Organisation, Verhalten, Erreichbarkeit, Kommunikation, Hygiene, Effizienz und weiterer Kriterien mittels eines vordefinierten Bewertungsschemas zu kommentieren und so ihre Erfahrungen hinsichtlich der vorgefundenen Leistungen anderen mitzuteilen. Zudem besteht die Möglichkeit, Erläuterungen in Form von Freitext zu hinterlassen. Die Meinungen der Patienten über ihre Ärzte sollen es den Besuchern ermöglichen, Praxisleistungen zu vergleichen. Die medizinische Fachkompetenz von Ärzten und die Qualität ärztlicher Leistungen kann nach Darstellung von jameda damit aber nicht bewertet werden.[6]

Gewerbliche Kunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden Werbeflächen für Banner- und Anzeigenwerbung in verschiedenen Bereichen des Portals, sowie ein Onlineshop für pharmakologische Produkte interessierten Unternehmen bereitgestellt.[7]

Rezeption und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Stiftung Warentest wurden im März 2011 neun Arztbewertungsportale beurteilt, darunter auch jameda.[8] Kritisiert wurde u. a., dass es bislang an der durchschnittlichen Anzahl der Bewertungen pro Arzt mangele, und dass Patientenbewertungen und käufliche Brancheneinträge nicht immer eindeutig voneinander zu unterscheiden seien.[9]

An anderer Stelle wird daran Kritik geübt, dass allgemein das Interesse an einer aktiven Bewertung von Leistungen durch die Patienten denkbar gering und somit eine entsprechende Relevanz nicht gegeben sei. Zudem seien die Möglichkeiten zur Manipulation von Informationen nicht genügend ausgeräumt.[10]

Das Portal ist TÜV-zertifiziert und mehrfacher Testsieger.[11]

Rechtliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Urteil des OLG Frankfurt im Rechtsstreit zwischen einer klagenden Ärztin und jameda bestätigte den Grundsatz des Rechts auf freie Meinungsäußerung (Art. 5 Abs. 1 GG) auch innerhalb von Arztbewertungsportalen gegenüber Angehörigen von Heilberufen („Ich fühlte mich falsch behandelt....“). Danach müssen sich Ärzte eine Bewertung durch Patienten gefallen lassen, solange diese weder ehrenrührig noch falsch ist und keine unbewiesene Tatsachenbehauptung darstellt „(Ich wurde falsch behandelt....“). Jedoch machte das Gericht ebenso klar, dass Meinungsäußerungen immer durch die subjektive Perspektive und ein persönliches Dafürhalten der bewertenden Person gekennzeichnet, und objektive und fachlich fundierte Beurteilungen damit nicht verbunden seien. Ferner unterstellte es dem Nutzer von Portalseiten eine Kenntnis dieses Sachverhaltes und verzichtete damit auf die Verpflichtung der Betreiber, jede einzelne Bewertung durch Patienten auch als solche explizit zu kennzeichnen und entsprechend auf die Subjektivität und Laienhaftigkeit der Aussagen hinzuweisen.[12]

Nach einem Urteil des BGH (BGH Urt. v. 1. März 2016, Az.: VI ZR 34/15) kommt Betreibern von Online-Bewertungsportalen für Ärzte eine erhöhte Prüfungspflicht der Beiträge zu. Gestritten hatte ein Zahnarzt mit der Betreiberin der Internetseite, weil er meinte, die bewertete Behandlung habe nie stattgefunden. Jameda prüfte zwar die Bewertung durch Nachfrage bei dem Betroffenen Nutzer, doch zeigte sich in der Folge nicht bereit den Beitrag zu entfernen oder die Informationen, die die Behandlung belegen sollten dem Arzt offen zu legen. Der BGH entschied daraufhin, dass Jameda eine erhöhte Prüfungspflicht zu kommt, wenn Beiträge von bewerteten Ärzten gerügt werden und dass die Informationen soweit es nach § 12 Abs. 1 TMG zulässig ist, an den Arzt weitergegeben werden müssen.[13]

Falsche und ehrenrührige Tatsachenbehauptungen schränken das Recht auf freie Meinungsäußerung ein und stellen den Straftatbestand der üblen Nachrede nach § 186 StGB dar. Deshalb werden Tatsachenbehauptungen, die bei jameda in Freitextformat eingegeben werden könnten, durch den Betreiber in der Regel gelöscht, womit ein entsprechendes Prozessrisiko hinsichtlich möglicher Unterlassungsklagen vermieden wird, da der Nachweis der Richtigkeit einer Behauptung von demjenigen erbracht werden muss, der sie aufgestellt hat. Nach eigenen Angaben verfügt Jameda über ein mehrstufiges, teilautomatisiertes System zur diesbezüglichen Sicherstellung der Qualität der Patientenbewertungen.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arztbewertungsportal

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unsere Mission: Bei uns finden Patienten zum passenden Arzt. In: jameda.de. Abgerufen am 8. März 2016.
  2. a b c Internetquelle jameda Factsheet (PDF; 433 kB)
  3. Bewertungsportal Jameda – Verfeinerte Arztsuche auf neuer Website. In: focus.de. 20. Dezember 2011, abgerufen am 8. März 2016.
  4. jameda wird Teil von Burda. In: jameda.de. Abgerufen am 7. April 2016.
  5. jameda Praxismarketing für Ärzte und Zahnärzte
  6. Internetquelle Über jameda Eigenbeschreibung der Website, abgerufen am 20. Januar 2013
  7. Geschäftsmodell auf der Unternehmens-Webseite
  8. Stiftung Warentest online: Arztbewertungen - Das bringen die Portale
  9. Vgl. test 3/2011, S. 85.
  10. Artikel aus Die Zeit online - Medizinportale taugen wenig, Juli 2011
  11. Zeit Online vom 26. Juli 2011, abgerufen am 21. Januar 2013
  12. OLG Frankfurt Az.: 16 U 125/11, Revision zugelassen
  13. Pflichten des Betreibers eines Ärztebewertungsportals im Falle einer schlechten Bewertung durch einen anonymen Nutzer BGH vom 1. März 2016
  14. Qualitätssicherungsprozess von Jameda, auf www.jameda.de, abgerufen am 28. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]