Japanisch-Ryūkyū

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Karte mit den verschiedenen Dialekten des Japanischen

Japanisch-Ryūkyū (jap. 日本語族, nihongozoku, dt. „japanische Sprachfamilie“) ist eine kleine Sprachfamilie, bestehend aus dem modernen Japanisch mit seinen regionalen Dialekten (insgesamt 125 Mio. Sprecher), den fünf Ryūkyū-Sprachen auf den Ryūkyū-Inseln – vor allem Okinawa – von etwa einer Million Menschen gesprochen werden, und dem Peninsular Japonic, das historisch in Teilen der Koreanischen Halbinsel gesprochen wurde.[1] Bisweilen wird die Japanisch-Ryūkyū-Familie auch als japanische Sprachfamilie oder – in Anlehnung an den englischen Begriff Japonic languages – als japonische Sprachfamilie bezeichnet.

Japanisch und die Ryūkyū-Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die japonischen Sprachen lassen sich heute in zwei gut definierte Zweige einteilen, das Japanische und die Ryūkyū-Sprachen.[2]

Durch die geographischen Gegebenheiten haben sich in Japan viele regionale Dialekte erhalten: Neben der Aufteilung in vier große und einige tausend kleine Inseln hat das Land nur wenige große fruchtbare Ebenen, 80 % der Landesfläche sind Gebirge, die natürliche Grenzen für die Sprachräume bilden. Das verbindende Band war die Küstenschifffahrt. Gleiches gilt für die Ryūkyū-Sprachen, die auf einem langgezogenen Archipel mit vielen kleinen Inseln mit ihren Sprechergemeinschaften in Einzeldialekte aufgespalten sind. Eine genaue Trennung zwischen Japanisch und den Ryūkyū-Sprachen ist heute kaum noch möglich, da sich die Dialekte der Ryūkyū-Inseln dem modernen Japanisch umso mehr angleichen, je näher sie geographisch bei den Hauptinseln liegen. In Richtung Süden nimmt dagegen der Umfang der Ryūkyū-spezifischen Elemente zu.

Die Zahl der Ryūkyū-Bewohner, die nur noch Standardjapanisch sprechen, nimmt ständig zu, so dass die Ryūkyū-Sprachen in ihrer Sprecherzahl (heute noch etwa eine Million) entsprechend zurückgehen. Für die größte Ryūkyū-Sprache Okinawa gilt: erwachsene Sprecher sind in der Regel zweisprachig in Okinawa und Japanisch, die Altersgruppe zwischen 20 und 50 versteht Okinawa, benutzt aber generell – auch zu Hause – Japanisch. Die unter 20-Jährigen sind einsprachig japanisch aufgewachsen. Einsprachige Okinawa-Sprecher gibt es auch in der ältesten Sprechergruppe kaum noch. Damit ist selbst diese Ryūkyū-Sprache (diejenige mit den meisten Sprechern) in ihrem Fortbestand gefährdet; dies gilt umso mehr für die kleineren Sprachen dieser Gruppe.

Die Gliederung der Sprachfamilie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Darstellung der meisten Forscher umfasst die japonische Familie folgende Sprachen und Dialekte:

  • Japonisch   (5 Sprachen bzw. Dialektcluster mit 126 Mio Sprecher)
    • Japanisch
      • Japanisch (125 Mio. Sprecher)
      • Hachjio (wenige tausend Sprecher)
    • Peninsular Japanisch (Ausgestorben)
    • Ryūkyū (etwa 1 Mio. Sprecher)
      • Okinawa-Amami (etwa 900 Tsd. Sprecher)
        • Amami, Dialekte: Amami-Oshima, Kikai, Toku-no-shima
        • Okinawa, Dialekte: Shuri, Kunigami, Oki-no-erabu, Yoron
      • Sakishima (etwa 100 Tsd. Sprecher)
        • Miyako-Yaeyama, Dialekte: Miyako, Yaeyama (möglicherweise zwei Sprachen)
        • Yonaguni

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sprachen der Japanisch-Ryūkyū-Familie werden auf ein hypothetisches Proto-Japonisch zurückgeführt, auf dem die heutigen Sprachen (oder Dialekte) basieren. Das Proto-Japonische soll seinen linguistischen Ursprung im südöstlichen China beziehungsweise östlichen China haben. Spätestens seit 1500 v. Chr. soll das Japonische in der heutigen Koreanischen Halbinsel präsent gewesen sein, wo es von den Menschen der Mumun-Kultur gesprochen wurde. Ab 300 v. Chr. wanderten Proto-Koreaner von der Mandschurei aus in die Halbinsel ein und lösten die Yayoi-Migration nach Japan aus. Die verbliebenen Proto-Japaner lebten parallel zu den neu angekommenen Proto-Koreanern und wurden langsam assimiliert.[3][4][5][6][7][8]

Hypothesen über die weitere Verwandtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die japonischen Sprachen werden allgemein als eigene Sprachfamilie mit keinen anderen Verwandten angesehen. Dennoch gibt es einige Hypothesen bezüglich einer weiteren Verwandtschaft. Keine davon wird von heutigen Experten anerkannt.[9]

Von manchen Forschern werden die japonischen Sprachen – zusammen mit dem Koreanischen – zur Gruppe der sogenannten altaischen Sprachen gezählt (siehe auch Makro-Altaisch). Ob das Altaische eine genetische Einheit (also eine Sprachfamilie) ist oder nur einen arealen Sprachbund bildet, ist umstritten. Die Mehrheitsmeinung tendiert zur Sprachbund-These. Ungeklärt ist auch, woher das „urjapanische“ Vokabular stammt, das heute die Kun-Lesung der japanischen Schriftzeichen bildet. Das moderne Koreanisch und das moderne Japanisch zeigen zwar große Übereinstimmung in den chinesischen Lehnwörtern, darüber hinaus jedoch nur geringe Ähnlichkeit in den Lexemen.

Syntax, agglutinierender Sprachbau und Höflichkeitssprache weisen auf eine Verwandtschaft mit dem Koreanischen aber auch mit den Austronesischen Sprachen hin. Einige Forscher unterstützen die Verwandtschaft zu den Austronesischen Sprachen, mit dem das Japanische auch starke Ähnlichkeiten im Lautsystem (der Phonologie) aufweist.[10][11]

Andere, weniger bekannte Hypothesen unterstützen eine Verwandtschaft zu den Sinotibetischen Sprachen, den Tai-Kadai-Sprachen, den Austroasiatischen Sprachen oder der Ainu Sprache.[12][13][14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander Vovin: Origins of the Japanese Language. In: Oxford Research Encyclopedia of Linguistics. 26. September 2017, doi:10.1093/acrefore/9780199384655.013.277 (oxfordre.com [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  2. Tranter, Nocholas (2012), "Introduction: typology and area in Japan and Korea", in Tranter, Nicolas (ed.), The Languages of Japan and Korea, Routledge, pp. 3–23
  3. Alexander Vovin: Out of Southern China? (academia.edu [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  4. RECONSTRUCTING THE LANGUAGE MAP OF PREHISTORICAL NORTHEAST ASIA - Juha Janhunen Studia Orientalia 108 (2010)
  5. Sean Lee, Toshikazu Hasegawa: Bayesian phylogenetic analysis supports an agricultural origin of Japonic languages. In: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. Band 278, Nr. 1725, 22. Dezember 2011, ISSN 0962-8452, S. 3662–3669, doi:10.1098/rspb.2011.0518, PMID 21543358, PMC 3203502 (freier Volltext).
  6. Vovin, Alexander (2013). "From Koguryo to Tamna: Slowly riding to the South with speakers of Proto-Korean". Korean Linguistics. 15 (2): 222–240.
  7. John Whitman: Northeast Asian Linguistic Ecology and the Advent of Rice Agriculture in Korea and Japan. In: Rice. Band 4, Nr. 3, 1. Dezember 2011, ISSN 1939-8433, S. 149–158, doi:10.1007/s12284-011-9080-0.
  8. Unger, J. Marshall (2009). The role of contact in the origins of the Japanese and Korean languages. Honolulu: University of Hawai?
  9. Alexander Vovin: Origins of the Japanese Language. In: Oxford Research Encyclopedia of Linguistics. 26. September 2017, doi:10.1093/acrefore/9780199384655.013.277 (oxfordre.com [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  10. Javanese influence on Japanese - Languages Of The World. In: Languages Of The World. 9. Mai 2011 (languagesoftheworld.info [abgerufen am 25. Juli 2018]).
  11. Alexander Vovin: Is Japanese Related to Austronesian? In: Oceanic Linguistics. Band 33, Nr. 2, 1994, S. 369–390, doi:10.2307/3623134, JSTOR:3623134.
  12. 飯野睦毅 (1994)『奈良時代の日本語を解読する』東陽出版
  13. David B. Solnit: Japanese/Austro-Tai By Paul K. Benedict (review). In: Language. Band 68, Nr. 1, 1992, ISSN 1535-0665, S. 188–196, doi:10.1353/lan.1992.0061 (jhu.edu [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  14. Gerhard Jäger: Support for linguistic macrofamilies from weighted sequence alignment. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 112, Nr. 41, 13. Oktober 2015, ISSN 0027-8424, S. 12752–12757, doi:10.1073/pnas.1500331112, PMID 26403857, PMC 4611657 (freier Volltext).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Miller, Roy Andrew: Die japanische Sprache. Geschichte und Struktur. Monographien aus dem Deutschen Institut für Japanstudien der Philipp Franz von Siebold Stiftung. Band 4 1967. (Nachdruck Iudicium-Verlag 2000.)
  • Miller, Roy Andrew: Languages and History: Japanese, Korean, and Altaic. White Orchid Press. The Institute for Comparative Research in Human Culture. Oslo (Druck Bangkok) 1996.
  • Shibatani, Masayoshi: The Languages of Japan. Cambridge University Press 1990.