Jersey (Stoff)

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Doublejersey

Ein Jersey (in der Schweiz: Tricot, von französisch tricoter, stricken) ist ein weicher, oft elastischer Stoff, gestrickt oder gewirkt, aus Garnen, aus Viskose oder Viskosemischungen, Wolle oder Wollmischgarnen, Baumwolle oder Seide. Er wirkt ähnlich einem Gewebe mit leichter Rippenmusterung.

Jerseystoff wird hauptsächlich für Bekleidung wie T-Shirts und Unterwäsche oder für Bettwäsche verwendet. Jersey-Bettwäsche ist geschmeidig, weich, außerdem atmungsaktiv, saugfähig und trocknergeeignet.

Nach Strickart werden folgende Arten von Jersey unterschieden:

  • Single-Jersey
  • Double-Jersey
  • Triple-Jersey
  • Interlock-Jersey
  • Jacquard-Jersey
  • Cloqué-Jersey

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerseys werden häufig aus Mischfasern erstellt. Dabei kommen verschiedene Viskosemischungen, Baumwollmischungen oder Seide zum Einsatz. Die unterschiedlichen Jersey-Arten werden heute auf verschiedene Art und Weise hergestellt. Beim Single-Jersey werden abwechselnd rechte und linke Maschen verwendet, wodurch der Stoff sehr dehnbar wird und über eine linke und eine rechte Seite verfügt. Double-Jersey wird entweder links-links oder rechts-rechts gestrickt. Durch diese Art der Vermaschung wird der Stoff robuster und hochwertiger. Interlock-Jersey wird an zwei Nadelreihen gestrickt und in einer rechts-rechts Bindung gekreuzt. Er wird hauptsächlich für T-Shirts, Sportbekleidung und Unterwäsche genutzt. Jacquard-Jersey wird ebenfalls an zwei Nadelreihen gestrickt und arbeitet mit einer Variation aus Stricken, Nichtstricken und Fanghenkel[1]. Durch diese Variationen entstehen verschiedene Maschenreihen, welche ein Strukturmuster ergeben. Cloqué-Jersey besteht aus zwei unterschiedlichen Lagen, die stellenweise miteinander verstrickt sind. Durch unterschiedliche Spannung der Unter- und Oberware entsteht hier ein optisch reizvoller Blaseneffekt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jersey wurde ursprünglich aus Wolle hergestellt. Der Name stammt vermutlich von der größten und bekanntesten der Kanalinseln, der Insel Jersey, die seit dem Mittelalter als wichtiger Exporteur für Webwaren gilt[2]. Die britische Society Dame Lillie Langtry wurde 1878 durch ein von John Everett Millais gemaltes Bild berühmt, das sie in einem einfachen schwarzen Kleid zeigt, dass von einer Näherin auf Jersey gefertigt wurde.[3] Ihr Stil erfreute sich in der viktorianischen Gesellschaft daraufhin großer Beliebtheit, was auch die Nachfrage nach Jerseystoffen erhöhte. Den Durchbruch – auch in der Haute Couture – schufen die Kollektionen von Coco Chanel, die für ihre Entwürfe häufig baumwollene Maschinentrikotstoffe verwendete[4]. Die Vogue schrieb 1917 dazu:

"This designer made jersey what it is today—we hope she's satisfied,"

"Diese Designerin machte Jersey zu dem, was es heute ist — wir hoffen, sie ist zufrieden damit."

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerseystoffe spielen auch in der wachsenden Do it yourself-Szene[5] eine große Rolle. In Stoffgeschäften werden diese mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen verkauft, die sich oft aus Herstellungsart und verwendetem Material ergeben. So enthalten als Baumwolljersey vermarktete Stoffe häufig neben einem Baumwollanteil von 95–97 % auch 3–5 % Elasthan, weswegen sie auch als Stretch-Jersey bezeichnet werden.[6]

Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Nähen von Jersey sollte eine spezielle Jersey-Nadel verwendet werden, deren – ähnlich einer Stricknadel – stumpf abgerundete Spitze die Maschenstruktur des Stoffes nicht verletzt. Um ein Reißen der Nähte bei Dehnung des Stoffes zu verhindern, empfiehlt es sich zudem, einen Stich mit mehr Fadenweite zu wählen, wie z. B. einen Zickzack- oder Dreifachstich, oder mit einer Overlockmaschine zu arbeiten. Besonders Single-Jerseys neigen dazu, an den Schnittkanten einzurollen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jersey – Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten. Abgerufen am 8. Dezember 2018.
  2. Lemprière, Raoul.: Portrait of the Channel Islands. Hale, London 1970, ISBN 0-7091-1541-5.
  3. Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 35.
  4. Jersey Girl: History of Coco Chanel In Fabric - Le Souk. Abgerufen am 8. Dezember 2018.
  5. Julia Witte genannt Vedder: Handarbeit: Warum Nähen jetzt so angesagt ist. In: DIE WELT. 25. September 2016 (welt.de [abgerufen am 8. Dezember 2018]).
  6. Jerseystoffe - Welche gibt es und was sind die Unterschiede? In: Stoffpalast. 6. Dezember 2018, abgerufen am 8. Dezember 2018 (deutsch).