Jeschu

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Jeschu (יְשׁוּ) ist die normale Schreibweise von Jesus in der modernen hebräischen Sprache.[1][2][3] Bei der Übersetzung des griechischen Namens "Ιησους" in Beziehung auf andere Personen wird die Rechtschreibung Jehoschua oder Jeschua verwendet.[4][5][6][7] Nur unter hebräisch sprechenden Christen im modernen Israel findet sich die Form Jeschua in Verbindung mit Jesus von Nazareth. Dies folgt der Form "Jeschua" z.B. im Buch Esra und in der Übersetzung des Neuen Testaments ins Hebräische von Franz Delitzsch (1887).[8]

Ebenfalls wird Jeschu ha Notzri (Jeschu der Nazarener) in weltlichen und rabbinischen Texten verwendet,[9] Jeschua m-Nazaret (Jeschua von Nazaret) aber nur in Texten von Christen.[10]

Archäologische Funde[Bearbeiten]

Tal Ilan dokumentiert 85 Bezeugungen von Jeschua, 15 von Jehoschua und nur eines von Jeschu unter den Inschriften in der Zeit des Zweiten Tempels.[11] Die Ausnahme ist in einem von zwanzig Beinhäusern, Rahmani Nr.9 (E. L. Sukenik 1931), zu finden. Der Text weist die Doppelform „Jeschu … Jeschua ben Josef“ auf.[12][13] Ein Foto davon zeigt, dass „Jeschu“ durchgestrichen wurde.[14] Unter Papyrusfunden, z. B. von Qumran und Nahal Hever, ist die Namensform „Jeschua“ häufig zu finden. „Jeschu“ aber wurde nie gefunden.[15]

Etymologie[Bearbeiten]

Jeschu als polemische Bezeichnung[Bearbeiten]

Traditionell ist die Form Jeschu eine polemische Bezeichnung. Paul Billerbeck (1922) verstand es als "beabsichtigte Verstümmelung" von Jesüa für Jesus von Nazaret,[16] wenn nicht nach der Verwünschungsformel jimmah semö vzikhrö.[17][18] Blinzler (1969) sagt das weil die verkürzte Namensform Jeschu nie für einen der sieben Jeschua des Alten Testaments, oder für Jeschua ben Sira gebraucht wird, also man muss annehmen, dass Jeschu eine beabsichtigte Verstümmelung ist, und immer Jesus von Nazareth bezeichnet.[19] Leon Modena sah auch eine Verbindung mit der J-Sch-U Verwünschungsformel jimmah semö vzikhrö.[20][21]

Jeschu als Kurzform[Bearbeiten]

Nach Heinrich Graetz ist Jeschu eine Abkürzung von Jeschua.[22][23]

Jeschu als galiläischer Dialektname[Bearbeiten]

Günther Schwarz,[24] Peter Stuhlmacher,[25] David Flusser[26] und Josef Konrad[27] behaupten, dass Jeschu „fast sicher“ die galiläische Aussprache des Namens Jeschua sei.[28][29][30] Richard Bauckham dagegen hält Jeschua für die Standardaussprache des Namens.[31]

Im babylonischen Talmud[Bearbeiten]

„Jeschu“ kommt auch in außerchristlichen antiken Quellen zu Jesus von Nazaret im Talmud vor, und in Sefer Toledot Jeschu, einer vermutlich vor dem 8. Jahrhundert in Italien entstandene jüdische Sagensammlung.

Unter syrisch-orthodoxen Patriarchen[Bearbeiten]

In der Liste der syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia von Martin Tamcke (2009) kommt „Ignaz Josua“ (Syrisch: ܝܫܘܥ Yeshua) als „Ignatius Jeschu“ hervor.[32] Meist wird der Name aber als „Ignatius Jeschua“ transkribiert.[33]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ben Yehuda Wörterbuch der hebräischen Sprache. 1989, ISBN 978-0-671-68862-2, S.514.
  2. Bantam-Megiddo Hebrew Dictionary 2009 S.177.
  3. Reuben Alcalay 1963 The Complete Hebrew-English Dictionary. Masada Publishing Co. Ramat Gan, Jerusalem. 1995 S.968
  4. Martin Hengel Between Jesus and Paul: studies in the earliest history of ... 1983 S.187 "A. Schalit, Namenworterbuch zw Flavius Josephus, 1968, 60f. counts 19 people with the name, Tcherikover-Fuks, CPJ III, ... It is all the more striking that soon after 70 the short form yeSua"' disappears almost completely from Jewish sources as a proper name. YeSua"' han-nosri had made it impossible for Jews. "
  5. Robert E. Van Voorst. Jesus outside the New Testament. 2000, ISBN 978-0-8028-4368-5. S. 124. "This is likely an inference from the Talmud and other Jewish usage, where Jesus is called Yeshu, and other Jews with the same name are called by the fuller name Yehoshua, "Joshua""
  6. Jésus dans la littérature arabe et hébraïque contemporaine Jean-Marie Delmaire, Najîb Mansûr Zakka S.49 "Aharon Avraham Kabak"
  7. Joseph Klausner Yeshu ha-Notsri: zemano, hayav, ve-torato (Jerusalem, 1922) Titel.
  8. ברית חדשה United Bible Societies. 1887, Matt 1:1
  9. Jan A. B. Jongeneel Jesus Christ in world history: his presence and representation 2009 S.84 "Both Talmuds include polemical statements, usually brief and oblique, about Yeshu ha-Nozri, whose life and teachings are ... "
  10. ברית חדשה Modern Hebrew version, United Bible Societies.
  11. Tal Ilan: Lexicon of Jewish Names in Late Antiquity, Artikel יהושע.
  12. Rahmani: Catalogue of Jewish Ossuaries in the Collections of the State of Israel
  13. Richard Bauckham: The Names on the Ossuaries; in: Charles Quarles (Hrsg.): Buried Hope Or Risen Savior: The Search for the Jesus Tomb; 2008; S. 69.
  14. Shanks H. Witherington B.: The Brother of Jesus; S. 60
  15. Yigael Yadin: The Finds From the Bar Kokhba Period in the Cave of Letters; Judean Desert Studies Jerusalem; 1963; S. 12.
  16. Rudolf Augstein Jesus Menschensohn 1972 S. 437 "Im rabbinischen Schrifttum wird der Name Jeschua meist mit Jeschu wiedergegeben. Da sich die Verkürzung nur bei Jesu Namen findet, hat man darin eine beabsichtigte Verstümmelung aus antichristlichen Motiven gesehen. [Vgl. Strack-Billerbecks 1, S. 64] Dagegen David Flusser: »Das ist fast sicher die galiläische Aussprache des Namens.« [Jesus, S. 13]
  17. Hermann Leberecht Strack, Paul Billerbeck Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch 1 1922 S. 64 - "Da sich die Verkürzung des [Heb. Yeshua] zu [Heb. Yeshu ] nur bei Jesu Namen findet, hat man darin eine beabsichtigte Verstümmelung gesehen. „Nicht aber sind die drei Konsonanten j, s, v beabsichtigte Abbreviatur der Verwünschungsformel jimmah semö vzikhrö ...
  18. Aufstieg und Niedergang der römischen Welt: Geschichte und Kultur Vol 2, 25, 1 Hildegard Temporini, Joseph Vogt, Wolfgang Haase - 1982 S. 667 "Aber auch die Annahme eines anderen Jesus wird weder vom Text selbst noch vom Kontext her nahegelegt, 101. Ja, man verstand Jesü vielmehr als beabsichtigte Verstümmelung von Jesüa für Jesus von Nazaret "
  19. Josef Blinzler Der Prozess Jesu 1969 S. 42 "Zudem wird die verkürzte Namensform Jeschu nie für einen der sieben Jeschua des AT oder für Jeschua ben Sira gebraucht, so daß man annehmen muß, daß Jeschu beabsichtigte Verstümmelung ist13 und immer Jesus von Nazareth bezeichnet."
  20. Allen Howard Podet A translation of the Magen wa-hereb of Leon Modena, 1571-1648 E. Mellen Press 2001 S. 181 "(Since the Christians have dropped the 'ayin, they cannot now substitute the second letter hen of the Tetragrammaton for it.) 5. As initials, "Yeshu" signifies, "May his name be erased!"
  21. V. A. Bennett The Lost Art of Christian Mysticism Revealed 2003 S. 28 "Secondly, the indigenous name was altered by dropping the letter a, thus changing the name to Yeshu. This was done in order to fulfill the wishes of rabbinical elite, who desire to erase Y'shua's name from the minds of masses."
  22. Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden; 1923: „Der Jünger wurde bald größer als der Meister. Jesus (Jeschu, abgekürzt von Jeschua …)“
  23. World Jewish Bible Society (Hrsg.): The Jewish Bible quarterly: Dor ledor 29 (2001), S.56: „Another example of retaining only one letter of the Tetragrammaton is the Hebrew name Yeshu [Heb.], rendered into Greek as ‘Jesus’. This is a short form of Yeshua [Heb.] that is itself a short form of Yehoshua [Heb.].“
  24. Günther Schwarz: Das Jesus - Evangelium; 1993; S. 353: "Die galiläische Aussprache dieses Namens (Jesus) war so gut wie sicher jeschu".
  25. Peter Stuhlmacher: Grundlegung. Von Jesus zu Paulus; 2005; S. 52: „Sein Name wurde in Galiläa Jeschu und in Judäa Jeschua ausgesprochen“.
  26. David Flusser: Jésus; 1972, 1999; S. 15: „Manchmal heißt er dort auch Jeschu. Das ist fast sicher die galiläische Aussprache des Namens“.
  27. Josef Konrad: Die Rätsel des Neuen Testaments: Im Lichte von Wissenschaft und Mystik; 2010; S. 327: „Mittlerweile gilt es auch als sicher, dass man in Galiläa nicht Jeschua sagte, sondern ‚Jeschu‘.“
  28. Donald H. Akenson: Saint Saul: a skeleton key to the historical Jesus; 2000: „Probably the name was pronounced in the rough regional dialect of Galilee as ‘Yeshu’“.
  29. David Jäggi: Kurze Einleitung zum Buch Sacharja: Der Versuch einer bibeltreuen …; 2011; S. 13: „Jeschua wird auch als Kurzform von Jehoschua bezeichnet. Jesus ist die griechische Übersetzung dieses Namens. Jeschua oder auch Jeschu, je nach geographischer Lage in Israel, war zur Zeit von Jesus und davor einer der üblichsten Namen“.
  30. Peter Paul Fischer: Rabbi Jehoschua: Notizen zur Ideengeschichte eines Propheten; 2000; S. 12: „‚Jeschu‘ ist eine vielfältige Botschaft: Jeschu ist die galiläisch-aramäische Kurzform des hebräischen Jehoschua und als familiärer Rufname einem Schriftgelehrten unangemessen“.
  31. Richard Bauckham, in: Charles Quarles (Hrsg.): Buried Hope Or Risen Savior: The Search for the Jesus Tomb; 2008; S. 81f.: „It seems very likely that almost everyone bearing the name in our period used the short Hebrew form Yeshua […] the name makes it virtually certain that Jesus of Nazareth was normally called by the short Hebrew/Aramaic form Yeshua’. It is curious, but doubtless coincidental, that the ossuary (Rahmani 9) that provides the sole instance of the short form Yeshu in our period is the same one that also calls the same person Yeshua' bar Yehosef, just as on the Talpiot.“
  32. Jennings
  33. William Wright: Catalogue of Syriac manuscripts in the British museum; British Museum. Dept. of Oriental Printed Books and Manuscripts, 1870; S. 613: „j , of the Nestorian patriarch Yeshua', or Joshua, bar Nun (see Assemani, Bibl. Or., t. iii., pars 1, pp. 165, 166).“