Johann Heinrich Jacob Müller

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Johann Heinrich Jacob Müller (* 30. April 1809 in Kassel; † 3. Oktober 1875 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Mathematiker und Physiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Eltern waren der Maler und Kupferstecher Franz Hubert Müller (1784–1835) und Anna Maria Gertrud Koerber. Seine Brüder waren Andreas (1811–1890),[1] Constantin (1815–49) und Carl (1818–93). Seine Jugend verbrachte er in Frankfurt/Main und Darmstadt, wohin sein Vater von Großherzog Ludewig I. 1817 zum Galerieinspektor berufen und 1823 zum Direktor der Gemäldegalerie ernannt wurde.

1829 begann er sein Studium der Mathematik und Physik in Bonn bei Julius Plücker und ab 1832 in Gießen bei Justus von Liebig, wo er im Folgejahr mit Erklärung der isochromatischen Curven, welche einaxige, parallel mit der Axe geschnittene Krystalle im homogenen polarisirten Lichte zeigen zum Dr. phil. promovierte. Während seines Studiums wurde er 1832 Mitglied der Alten Gießener Burschenschaft Germania.[2]

1834 wurde er Lehrer am Darmstädter Gymnasium und 1837 an der Realschule zu Gießen.

Sein Werk Einführung in die Physik ab 1842/43 geht auf Claude Servais Mathias Pouillets Elements de physique expérimentale et de météorologe von 1827 zurück.

1844 wurde ihm, als Nachfolger von Gustav Friedrich Wucherer[3] (1780–1843) an der Universität Freiburg der Lehrstuhl für Physik und Technologie, unter Berufung als ordentlicher Professor, übertragen.[4] Bald darauf wurde er auch Dekan.

Er forschte zur Optik, zum Galvanismus und Magnetismus sowie über Licht- und Wärmestrahlung; seit 1846 untersuchte er auch Fraunhofersche Linien, wobei er neue Erkenntnisse über ultraviolette Strahlen und später auch über die thermische Wirkung des Sonnenspektrums gewann. 1856 wies er ultraviolette Strahlen durch Photographie nach. Er ermittelt experimentell die Gesetze des galvanischen Erglühens von Drähten, die 1861 auch von Johann Karl Friedrich Zöllner[5] aufs Neue geprüft werden und namentlich nach Einführung der elektrischen Glühlampe große Bedeutung erlangen [6] 1858 griff er Rumfords (1753–1814) Differentialthermometer wieder auf.[7] Auf ihn gehen die "Müllerschen Streifen" zurück. Diese werden bei der spektroskopischen Untersuchungen von polychromatischem Licht beobachtet, das eine zwischen gekreuzten Polarisationen befindliche optisch anisotrope Kristallplatte durchdringt [8].

Sein Buch Synopsis of Physics and Meteorology von 1854 begeisterte Emil Berliner.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundriß der Physik und Meteorologie. Vieweg, Braunschweig 1846
  • Briefe an eine deutsche Prinzessin über verschiedene Gegenstände der Physik und Philosophie. Auf’s Neue nach dem Französischen bearbeitet. In drei Theilen. 1848; (Neubearbeitung der 234 Briefe von Leonhard Euler an Friederike Charlotte von Brandenburg-Schwedt aus 1760–62) (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  • Bericht über die neuesten Fortschritte der Physik. 1849
  • Lehrbuch der Physik und Meteorologie: Theilweise nach Pouillet’s ... 1868 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  • Lehrbuch der kosmischen Physik. 1856
  • Principles of physics and meteorology. Hippolyte Baillière, London 1847
  • Anfangsgründe der geometrischen Disciplinen für Gymnasien, Real- und Gewerbeschulen. 1860
  • Grundriss der Physik und Meteorologie. 1866
  • Grundzüge der Krystallographie. 1868
  • Die medicinische Physik. 1866; mit Adolf Fick
  • Die Temperatur der Erde. In: Harry Blake Hodges: A Course in Scientific German. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Düsseldorf: Andreas Johannes Jacobus Heinrich Müller, Schriftwechsel 1856–1877
  2. Paul Wentzcke: Burschenschafterlisten. Zweiter Band: Hans Schneider und Georg Lehnert: Gießen – Die Gießener Burschenschaft 1814 bis 1936. Görlitz 1942, F. Germania. Nr. 466.
  3. Moritz Cantor: Wucherer, Gustav Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 44, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 261–263.
  4. Universität Freiburg: Bestand B 38 Philosophische Fakultät 1460–1935 (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)
  5. Robert Knott: Zöllner, Johann Karl Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 426–428.
  6. Ludwig Darmstaedter: Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik 1866 (PDF; 2,2 MB)
  7. freunde-alter-wetterinstrumente.de: Thermometrie Geschichte
  8. Kleber, Bautsch, Bohm, Klimm: Einführung in die Kristallographie, Oldenbourg-Verlag 2010, S. 316 (ISBN 978-3-486-59075-3)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Johann Heinrich Jacob Müller – Quellen und Volltexte