Johann von Bloch

Johann von Bloch (* 24. Juli 1836 in Radom; † 7. Januar 1902 in Warschau) (polnisch Jan Gotlib Bloch, russisch Иван Станиславович Блиох (Ivan Stanislavovič Blioch), englisch Ivan Bloch, französisch Jean de Bloch) war ein führender Bankier und Industrieller, Eisenbahnpionier in Polen und Russland, auch bekannt als der „Eisenbahnkönig“.
Bloch war Autor der umfangreichen Studie Die Zukunft des Krieges in technischer, wirtschaftlicher und politischer Relation, welche die verheerende Auswirkung moderner Militäroperationen thematisch vorwegnahm. 1899 war Bloch Organisator der Haager Friedenskonferenz. Im Jahr 1901 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert. Des Weiteren war er Gründer eines ersten Museums für Krieg und Frieden in Luzern, Schweiz.[1]
Bloch und die Juden in Russland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er wurde als Jude geboren, trat aber zum Calvinismus über, im damaligen Russland eine kleine reformierte Kirche. Sein Übertritt war weniger religiös als praktisch begründet. Juden waren in Russland stark benachteiligt, sie durften z. B. nicht in den großen Städten wohnen und viele Berufe nicht ausüben. Nach den Pogromen 1880 und Anfang 1890 plante der antisemitische Innenminister Vyacheslav von Plehve weitere Benachteiligungen der rechtlichen Position der Juden. Bloch sandte ein Memorandum an die Regierung, in dem er das Ende der Diskriminierung der Juden forderte. Gleichzeitig setzte er eine Arbeitsgruppe unter dem Wirtschaftswissenschaftler Andrey Pavlovich Subbotin ein, die sich mit den wirtschaftlichen Bedingungen der russischen Juden beschäftigten sollte. Diese Kommission veröffentlichte 1901 einen umfangreichen Bericht "Comparison of the material and moral levels in the Western Great-Russian and Polish Regions" (Vergleich des materiellen und moralischen Niveaus in den westlichen großrussischen und polnischen Regionen), der den Beitrag der Juden zur russischen Wirtschaft darlegte, besonders ihr Beitrag zum Fortschritt und zum russischen Wirtschaftswachstum. Die russische Regierung ignorierte diesen Bericht.[2]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Krieg. Übersetzung des russischen Werkes des Autors: Der zukünftige Krieg in seiner technischen, volkswirtschaftlichen und politischen Bedeutung. 6 Bände, Berlin 1899
- Band 1: Beschreibung des Kriegsmechanismus (Digitalisat)
- Band 2: Der Landkrieg (Digitalisat)
- Band 3: Der Seekrieg (Digitalisat)
- Band 4: Die ökonomischen Erschütterungen und materiellen Verluste des Zukunftkrieges (Digitalisat)
- Band 5: Die Bestrebungen zur Beseitigung des Krieges. Die politischen Konflikts-Ursachen und die Folgen der Verluste (Digitalisat)
- Band 6: Der Mechanismus des Krieges und seine Wirkungen. Die Frage vom internationalen Schiedsgericht (Digitalisat).
- Ivan Stanislavovich Bloch, William Thomas Stead (Übers.): The future of war in its technical, economic, and political relations. Aus dem Russ. 1899
- Auszüge in Englisch: Modern weapons and modern war. Being an abridgment of “The War of the Future…”. Zuerst 1890. Mehrere Reprint-Verlage im Faksimile, z. B. Kessinger, Whitefish 2008, ISBN 143714666X.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Manfred Sapper: Den Krieg überwinden. Jan Bloch: Unternehmer, Publizist, Pazifist. In: Osteuropa 8-10 (2008), S. 303–312 (Digitalisat).
- D. Zimmerli: Das internationale Kriegs- und Friedensmuseum in Luzern. In: Schweizer Illustrierte, Bd. 6, 1902, S. 361–366.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ A Museum of Peace and War; Interesting Collections Donated by M. de Bloch Just opened to the Public. in New York Times vom Sonntag, 29. Juni 1902.
- ↑ Jan Gotlib Bloch - Biography. In: JewAge. 2026, abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bloch, Johann von |
| ALTERNATIVNAMEN | Bloch, Jan Gotlib; Bliokh, Ivan; Bloch, Ivan Stanislawowitsch; Bloch, Iwan |
| KURZBESCHREIBUNG | polnischer Finanzier und Industrieller |
| GEBURTSDATUM | 24. Juli 1836 |
| GEBURTSORT | Radom |
| STERBEDATUM | 7. Januar 1902 |
| STERBEORT | Warschau |