Johannes a Lasco Bibliothek

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Johannes a Lasco Bibliothek
Johannes a Lasco Bibliothek
Johannes a Lasco Bibliothek (2010)

Gründung 16. Jahrhundert, Neubau 1995
Bestand über 150.000
Bibliothekstyp Fachbibliothek
Ort Emden Welt-IconKoordinaten: 53° 21′ 55,2″ N, 7° 12′ 8,5″ O
ISIL DE-Em2
Betreiber Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden, kirchliche Stiftung bürgerlichen Rechts
Leitung Kȩstutis Daugirdas (Wissenschaftlicher Vorstand); Gerhard Plenter (Kaufmännischer Vorstand)
Website www.jalb.de

Die Johannes a Lasco Bibliothek (JALB) ist eine außeruniversitäre, öffentliche und jedermann zugängliche geisteswissenschaftlich und theologisch ausgerichtete Spezialbibliothek und Bildungseinrichtung in Emden. Namensgebend ist der aus Polen stammende Reformator Johannes a Lasco, der zwischen 1540 und 1555 in Emden wirkte. Besondere Sammelgebiete sind die Geschichte und Theologie des reformierten Protestantismus, die Konfessionsgeschichte der Frühen Neuzeit und die Landesgeschichte Ostfrieslands. Es ist die bedeutendste Bibliothek ihrer Art. Außerdem hat das Haus auch einen beachtlichen musealen Teil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum der Johannes a Lasco Bibliothek

Die Johannes a Lasco Bibliothek geht auf das Archiv und die seit 1559 bestehende Büchersammlung der reformierten Gemeinde Emden zurück, diese war die Privatbibliothek des Kirchenältesten Gerhard tom Camp.[1] Sie dient heute als öffentliche Bibliothek mit dem Schwerpunkt reformierter Protestantismus. In dieser Funktion ist sie eine wichtige Forschungsstätte – auch im europäischen Rahmen. Nach dreijähriger (Um-)Bauzeit wurde die Bibliothek 1995 in den Ruinen der 1943 bei einem Luftangriff zerstörten Großen Kirche eröffnet.

Die Bibliothek, in Trägerschaft der kirchlichen "Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden", wurde 2001 vom Deutschen Bibliotheksverband und der Zeit-Stiftung zur Bibliothek des Jahres gewählt. Die JALB wird seit 1995 neben den Stiftern insbesondere durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrem Erwerbungs- und Veranstaltungsprogramm unterstützt. Ebenso fördert die DFG finanziell in erheblichem Maße die Altbestandserschließung sowie Editionsvorhaben der JALB.

Aus finanziellen Gründen musste im Herbst 2008 einem Großteil der Mitarbeiter gekündigt werden und die Bibliothek wurde geschlossen. Der bibliothekarische und wissenschaftliche Betrieb wurde vorübergehend eingestellt; Veranstaltungen fanden weiterhin statt.[2][3] Bis zu ihrer Schließung 2008 war die Johannes a Lasco Bibliothek außerordentliches Mitglied des Verbandes Bibliothèques européennes de théologie (BETH), ein Ausdruck ihrer herausragenden Bedeutung.

Seit Mai 2010 ist die Bibliothek wieder öffentlich zugänglich, nachdem Anfang des Jahres eine Finanzhilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Mitgliedskirchen von sieben Millionen Euro die Wiedereröffnung ermöglichte. Die Stiftungsaufsicht liegt bei der Evangelisch-reformierten Kirche in Leer (Ostfriesland).

Bestände der Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die JALB besitzt unter anderem Bücher aus den Bibliotheken von Erasmus von Rotterdam, Johannes a Lasco, Albert Ritzaeus Hardenberg und Petrus Medmann. Besonders wertvoll ist auch die erst 1993 übernommene bibliophile Sammlung des Kaufmanns Johann Philipp Janssen, die rund 2.000 Titel umfasst, darunter 20 Inkunabeln und mehrere wertvolle Drucke des 16. Jahrhunderts. Janssen schenkte sie der Bibliothek. Gemäß seiner Verfügung ist sie in einem eigenen Raum untergebracht.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebäude finden auch Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Seit 2001 wird ein Archiv mit Bildmaterial aufgebaut, das den Zustand Emdens vor dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren soll.[4]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saal (das wieder aufgebaute Kirchenschiff) gilt als einer der schönsten musealen Veranstaltungsräume Norddeutschlands. Er hat eine hervorragende Akustik und bietet bis zu 400 Besuchern Platz.

In die im 15. Jahrhundert errichtete und 1943 bei einem Luftangriff zum Teil zerstörte Kirche wurden Elemente moderner Industriearchitektur eingebaut.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinold Fast, langjähriger Leiter der Evangelisch-reformierten Bibliothek Emden (Vorgängerin der Johannes a Lasco Bibliothek)
  • Walter Schulz, Initiator des teilweisen Wiederaufbaues der Großen Kirche als Johannes a Lasco Bibliothek
  • J. Marius J. Lange van Ravenswaay, Wissenschaftlicher Vorstand der Johannes a Lasco Bibliothek von 2010 bis 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Roeder: Johannes a Lasco Bibliothek – Große Kirche Emden. Ein Führer durch Bibliothek und Gebäude. 2., aktualisierte Auflage, Fink, Lindenberg im Allgäu 2018, ISBN 978-3-89870-029-0.
  • J. Marius J. Lange van Ravenswaay: Zeugnisse grosser Geschichte In: Die fantastischen vier. Dossier "Reformationsjubiläum Nr. 2", Politik u. Kultur 2017, S. 48–49. ISBN 978-3-934868-44-1
  • Helmut Kremers: In der Groote Kerk. Stätte lebendiger Erinnerung nicht nur für die Reformierten: die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden. In: Zeitzeichen 1/2011, S. 54–59.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johannes a Lasco Bibliothek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jens Foken, Im Schatten der Niederlande, S. 194
  2. Benno Schirrmeister: Die Johannes a Lasco Bibliothek schließt, taz vom 19. Dezember 2008
  3. Evangelisch-reformierte Kirche Leer: Pressemitteilung zur Johannes a Lasco Bibliothek, vom 20. November 2008
  4. Johannes a Lasco Bibliothek - BILDARCHIV. In: www.jalb.de.