Johannesschlössl

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Pallottinerschlössl von der Augustinerstraße aus

Das Johannesschlössl liegt auf dem Mönchsberg in Salzburg, leicht zu erreichen mit dem Auto, einem Aufzug und auf kurzen, romantischen Fußwegen. Früher hieß es auch nach seinen Besitzern Thennschlössl, Altschlössl oder Dekanatsschlössl, heute Pallottinerschlössl, und ist Apostolatshaus und Gästehaus des Pallottinerordens (Adresse Mönchsberg 24).

Das Ensemble Apostolatshaus der Pallottiner/Johannesschlößl mit Kapelle und Nebengebäuden steht unter Denkmalschutz und gehört zum UNESCO-Welterbe Historisches Zentrum der Stadt Salzburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannesschlössl: Innenhof

Herren- und Dechantssitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Johannesschlössl wurde vermutlich im späten Mittelalter erbaut. Eine Marmortafel, erstellt von Johann Krafft von Weittingen, berichtet, dass die Herren von Weittingen das Schlösschen im 14. Jahrhundert erbaut hätten. Dies ist aber wenig glaubhaft, da damals in Salzburg ein solches Geschlecht unbekannt war. Um 1565 war Georg Tenn der erste bekannte Besitzer des Thennschlössls. Nach der Familie Thenn war es im Besitz von Ludwig Alt, dem Vater der Salome Alt; die einzige Tochter Magdalena heiratete 1586 den fürstlichen Rat und Untermarschall Sebastian von Haunsperg und deshalb wurde das Schloss kurzfristig haunspergisch.

Von den Haunspergs erwarb es 1589 Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Er baute es aus, richtete es neu ein und macht daraus einen Sommersitz (Anlage eines Lustgartens, einer Reitbahn, Kassettendecken im Inneren). Der Fürsterzbischof erbaute auch die namensgebende St.-Johannis-Kapelle. Die Ruhe des Erzbischofs wurde hier aber zu oft gestört, sodass er das Thennschlössl 1595 im Tausch gegen einen Stadtgrund, der dem Domkapitel (also dem Dekanat) gehörte, eintauschte (daher die Bezeichnung Dekanatsschlössl).

Domdechant Anton von Thun übernahm 1595 den Besitz. 1603 renovierte – wie eine Tafel heute bezeugt – Johann Kraft von Weittingen als damaliger Domdechant, die Kapelle. Sie wurde dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht.

1678 tauschte Domdechant Christoph von Liechtenstein das Dekanatsschlössl, wie es nun genannt wurde, gegen das gräflich Huggentalsche Schloss Schönleiten ein. Das Schlössl wurde in der Folge von Beamten des Domkapitels genutzt. 1653 wurde eine Zisterne neu errichtet.

Militärischer Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1678 wurde der Besitz von der Landschaft Salzburgs (Landstände) erworben, die in dem Gebäude Soldaten und ihre Familien einquartierte; auch eine Schule für die Kinder der Soldaten wurde eingerichtet, wobei als Lehrer ein Gefreiter oder Korporal fungierte, der zugleich auch Mesnerdienste in der Schlosskapelle versah. Nach den Soldaten zogen hier auch Invalide ein und später Strafgefangene. Es wurde zudem als Spital und zur Erholung die Soldaten verwendet.

Fabrik und Gasthaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Aufhebung der fürsterzbischöflichen Landschaft kam es 1816 in den Besitz des Kameralärars, das es 1843 an Josef Reischauer versteigerte. Nach einigen Zwischenbesitzern wurde das Schloss 1858 von Ludwig Achleitner erworben, der hier ein Zündholzfabrik und ab 1859 ein Gasthaus eingerichtete. Von den Erben Achleitners kam der Besitz 1884 an Anna Reichl, geborene Dirnhofer, welche das Schloss renovierte, neue Wohnungen einrichtete und auch wieder als Gasthaus nützte.

Die Zeit des Obersts Paschkoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pallottinerschlössl: Innenhof im Winter

1892 kaufte der russische Oberst Basilius von Paschkoff das Schloss, ein sehr begüterter Mann, der mehrere Bergwerke im Ural sein Eigen nannte. Dieser ließ den Besitz umfassend von dem Architekten Karl Demel restaurieren. An der Rückseite des Mitteltraktes wurde eine Wendeltreppe eingebaut, der Turm wurde erhöht und dem alten Mitteltrakt wurde ein vollständiger Neubau im Renaissancestil mit einem großen Saal im Hochparterre vorgebaut. Nach der Oktoberrevolution wohnten hier auch viele russische Emigranten. Zu seinen Gästen zählte der Feldmarschall Mannerheim, der die Bolschewiki in Finnland gestoppt hatte; auch Serge Jaroff, der Gründer des Donkosakenchors, war hier zu Gast. Der Neffe Paschkoffs Michael Saskowitsch, später ein Weltklassetennisspieler, wuchs in den 20er-Jahren hier bei seinem Onkel auf. Oberst Paschkoff selbst verarmte und musste seinen Lebensabend als Taxifahrer in Paris fristen.

Apostolat und Gästehaus der Pallottiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1926 erwarben die Pallottiner das Johannesschlössl von Paschkoff (wie auch das danebenliegende Marketenderschlössl) und richteten es für ihre Theologen, die in Salzburg studierten, ein (fortan Missionshaus St. Johannes genannt). Bis 1941 war es Priesterseminar der süddeutschen Pallottiner-Provinz. 1941 wurde das Schloss von der Salzburger NS-Gauleitung beschlagnahmt und die Pallottiner wurden vertrieben.

Am 17. November 1944 wurde der Südflügel durch einen Bombenangriff zerstört, darunter auch die barocke Johanneskapelle.[1] 1945 wurde das Schloss als Auffanglager für verwundete Soldaten verwendet. Ein Jahr später entstanden erste Pläne, das Haus wieder aufzubauen. Der Wiederaufbau zog sich Jahre hin. Erst Jahr 1954 konnte das Johannesschlössl fertiggestellt und eingeweiht werden, und diente als Apostolatshaus und Noviziat (heute das Marketenderschlößl). Von hier aus wird auch die Pfarre Vinzenz Pallotti Lehen betreut. Zehn Jahre später erhielt das Schloss nach Plänen des Stadtbaumeisters Franz Wagners eine neue Kapelle. Diese wurde im November 1964 zu Ehren Johannes der Evangelist eingeweiht.[2]

Heute ist das Johannesschlössl ein religiöses Gästehaus (Cambio und Evangelisations-Zentrum Salzburg – EZS, Haus Mönchsberg Nr. 22) und steht Einzelgästen oder Gruppen offen, die Einkehr und Ruhe suchen.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. Wilfried Kunz SAC: Die Geschichte der Pallottiner zu Salzburg. Unter Berücksichtigung der Österreichischen Regio vom Hl. Geist. 75 Jahre Pallottinger im Johannesschlößl, Pallottiner Regio Österreich, Salzburg 2001.
  • Redaktion Batei: Überschaubar, einzigartig: Ein Spaziergang durch Mülln. In Bastei - Magazin des Stadtvereins Salzburg, 64. Jahrgang (Winter 1015), S. 7–14.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johannesschlössl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wo wir sind: Johannes-Schlößl, Website der Pallottiner
  • Adolf Frank: Der Mönchsberg und seine Baulichkeiten. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 70, 1930, S. 1–44.
  • Christian F. Uhlir (Hrsg.): Salzburger Stadtberge. Mönchsberg – Kapuzinerberg – Festungsberg – Nonnberg – Rainberg. edition Winterwork, Salzburg 2011, ISBN 978-3-86468-033-5.
  1. Ein historisches Foto siehe etwa Johannes_Schloesl_06.jpg, zu Unser Haus, johannes-schloessl.at
  2. Angabe des Patroziniums nach Pfarre Salzburg-Mülln, Regesta Ecclesiastica Salisburgensia, res.icar-us.eu
  3. Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Einweihung des Noviziats der Pallottiner in Salzburg. Pressemappe, 2. Oktober 2009 (pdf, pallottiner.org).

Koordinaten: 47° 48′ 8″ N, 13° 1′ 59″ O