Johnny Abbes García

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Johnny Abbes García (* 1924 in Santo Domingo, Dominikanische Republik; † wahrscheinlich 1962 in Haiti) war Geheimdienstchef der Dominikanischen Republik in der Zeit der Diktatur Rafael Trujillos.

García stammte aus einer wohlsituierten Familie – sein Vater hatte deutschstämmige Wurzeln, seine Mutter war Dominikanerin – und begann seine Laufbahn als Sportreporter. Später begann er allerdings in Mexiko als Informant für das Regime des Diktators Trujillo zu arbeiten, der die Dominikanische Republik von 1930 bis zu seiner Ermordung am 30. Mai 1961 beherrschte. Von Trujillos Halbbruder dem Präsidenten vorgestellt, wurde García bald im Rang eines Obersts Chef des 1957 gegründeten militärischen Geheimdienstes SIM (Servicio de Inteligencia Militar) und Chefplaner von Attentaten auf Dissidenten des Regimes im Ausland, z. B. dem Autobomben-Attentat auf den venezolanischen Präsidenten Rómulo Betancourt (1908–1981) am 24. Juni 1960, das dieser nur knapp überlebte.[1] Das gescheiterte Attentat führte zur zunehmenden Isolierung des Regimes, insbesondere auf Druck der Regierung Kennedy. García stand auch hinter einem Versuch, Castro Mitte Februar 1959 durch ein von Alexander Irwin Rorke, Jr. (1926–1963), nach Kuba gebrachtes Team erschießen zu lassen. Zu seinen und Trujillos zahlreichen weiteren Opfern zählen auch die Schwestern Mirabal und der Schriftsteller Jesús Galíndez, der als Verfasser eines Trujillo-kritischen Buches in New York entführt und ermordet wurde. García wird nachgesagt, dass er die Folterungen von Regimegegnern und anderen Opfern häufig persönlich durchführte und dabei seinen sadistischen Phantasien freien Lauf ließ[2]. Am Ende soll er noch lebende Opfer an die Haie verfüttert haben. Nach Trujillos Ermordung 1961, der eine blutige Rache an den Verschwörern und sonstigen Verdächtigen folgte, schob ihn dessen Nachfolger Joaquín Balaguer, selbst eine langjährige Stütze des Regimes, als Konsul nach Japan ab. Kurze Zeit darauf hielt er sich zunächst in Europa auf und wurde danach Sicherheitsberater des haitianischen Diktators „Papa Doc“ Duvalier. 1962 war er am Komplott von dessen Schwiegersohn beteiligt und soll wie dieser dabei getötet worden sein[3]. Andere wollen ihn jedoch später noch gesehen haben[4].

Mario Vargas Llosa schildert ihn in seinem Roman über das Trujillo-Regime Das Fest des Ziegenbocks als „Kröte an Leib und Seele“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks. Suhrkamp, 2001.
  • Robert Crassweller: Trujillo – The Life and Times of a Caribbean Dictator. New York 1966.
  • Joaquin Balaguer: Memorias de un cortesano de la Era de Trujillo. Editora Collado, Republica Dominicana 2000.
  • Fabián Escalante: The Secret War: CIA Covert Operations Against Cuba, 1959–1962. Ocean Press, Melbourne 1995 (zuerst spanisch 1993).
  • Jim Hougan: Spooks – The Private Use of Secret Agents. Bantam Books, 1979.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Venezuela: Trujillo’s Murder Plot. In: Time. 18. Juli 1960.
  2. Balaguer traf ihn, wie er in seiner Autobiographie berichtet, bei der Lektüre eines Buches über chinesische Foltermethoden an.
  3. „Papa Doc“ ließ ihn mitsamt seiner Familie erschießen und sprengte das Haus in die Luft. (Siehe Por Vargas Llosa: Los Rasputines.)
  4. Der Ex-Marine und Anti-Kuba Aktivist Gerald Patrick Hemming behauptet, er sei mit Ramfis Trujillo – Sohn des Diktators und internationaler Playboy – 1963 in Vorbereitung eines Komplotts gegen Kennedy beteiligt gewesen, als Rache für dessen Rolle bei der Beseitigung Trujillos. Siehe John Simkin: Gerry P. Hemming (Memento vom 25. April 2014 im Internet Archive). In: Spartacus Educational. Es gab allerdings auch eine Augenzeugin von Garcías Hinrichtung, eine Nachbarin, die für eine internationale Organisation arbeitete.