Josip Perković

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Josip Perković (2014)

Josip Perković Aussprache?/i alias Tomo Novaković[1] (* 17. Mai 1945 in Ličko Novo Selo, Gemeinde Našice) ist ein ehemaliger Mitarbeiter der jugoslawischen Geheimpolizei Uprava državne bezbednosti (UDB) bzw. der Nachfolgeorganisation Služba državne bezbednosti (SDB). Nach dem Zerfall Jugoslawiens war er Mitarbeiter diverser kroatischer Geheimdienste.

Bis zu seiner Festnahme am 1. Januar 2014 in Zagreb, gehörte er im Zusammenhang mit der Ermordung des Exilkroaten und Dissidenten Stjepan Đureković zu den meistgesuchten Personen des deutschen Bundeskriminalamts (BKA).[2] Für den kroatischen Staatsangehörigen bestand ein Europäischer Haftbefehl.

Werdegang[Bearbeiten]

Perković war bis 1990 als Leiter des kroatischen Zweigs der jugoslawischen Geheimpolizei SDS tätig, der sich hauptsächlich mit der kroatischen Emigration und Dissidenten im Ausland beschäftigte. Nach Angaben des BKA soll er 1977 einen Kroaten zum Mord an zwei in Deutschland lebenden Kroaten angestiftet haben. Vor allem wurde er im Zusammenhang mit dem am 28. Juli 1983 stattgefundenen Mord an Stjepan Đureković mit Internationalem Haftbefehl gesucht.

Anfang der 1990er Jahre war Perković für die Errichtung des Geheimdienstnetzes im unabhängig werdenden Kroatien verantwortlich. Die Bildung der Geheimdienste des kroatischen Verteidigungs- und Innenministeriums gehen auf ihn zurück. Er war Leiter des kroatischen Militärgeheimdienstes und übte weitere verschiedene Funktionen in diesen Bereichen aus. In den letzten Jahren war Perković als Berater des Innengeheimdienstes und als Dozent an der militärischen Hochschule tätig. Sein Sohn Saša war Sicherheitskoordinator des ehemaligen Staatspräsidenten Kroatiens Stipe Mesić und Mitglied des nationalen Sicherheitsrates des ehemaligen Staatspräsidenten Ivo Josipović.[3]

Im Zuge der Beitrittsverhandlungen Kroatiens mit der Europäischen Union und dem zu erwartenden Beitritt Kroatiens zur EU wurde Perković bzw. die Frage von dessen Auslieferung nach Deutschland zum Politikum.[4][5] Im Jahr 2013 verabschiedete das kroatische Parlament drei Tage vor dem kroatischen EU-Beitritt ein Sondergesetz, das eine Auslieferung von Personen wegen vor dem 7. August 2002 begangener Verbrechen untersagte. Die Europäische Kommission kündigte daraufhin Sanktionen gegen Kroatien an.[6] Kroatien änderte unter dem Druck der EU abermals das Gesetz. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Auslieferung mutmaßlicher Verbrecher am 1. Januar 2014 wurde Perković noch am selben Tag von kroatischen Behörden in Zagreb festgenommen.[7] Zwei Tage später wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, durfte das Land aber nicht verlassen.[8] Am 24. Januar 2014 wurde Perković an Deutschland ausgeliefert.[9]

Rundfunkberichte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.bka.de BKA (aktuelle Personenfahndung). Aufgerufen am 26. Januar 2014.
  2. Kroatien nimmt früheren Geheimdienstchef fest FAZ.net, 1. Januar 2014.
  3. offizielle Website Ivo Josipovićs (Memento vom 7. Juli 2013 im Internet Archive), predsjednik.hr
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Roser: Angela Merkel verärgert den Neuling. Die Kanzlerin nimmt nicht an den Beitrittsfeiern in Kroatien teil. Die Absage löst anhaltenden Wirbel in Zagreb aus. In: SZ-Online. 29. Juni 2013, abgerufen am 29. Juni 2013.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRalf Borchard: Merkel verdirbt Kroatien die EU-Beitrittsfeier. Kroatien muss ohne Merkel feiern. In: tagesschau.de. 27. Juni 2013, abgerufen am 29. Juni 2013.
  6. EU tells Croatia to change law or face sanctions EUobserver, 21. August 2013. (englisch)
  7. Josip Perkovic in Zagreb verhaftet derStandard.at, 1. Januar 2014.
  8. Gesuchter Geheimdienstgeneral: Kroatien lässt Perković wieder laufen Spiegel Online, 3. Januar 2014.
  9. Ex-Geheimdienstler Perković an Deutschland ausgeliefert derStandard.at, 24. Januar 2014, abgerufen am 25. Januar 2014.