Judenregal

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Das Judenregal, auch Judensteuer, war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ein königlich verliehenes Privileg. Dieses stellte im Heiligen Römischen Reich, Österreich und der Schweiz[1] vermögende Juden, zumeist Kaufleute, in ihrer Eigenschaft als Kammerknechte und religiöse Minderheit gegen Bezahlung von Gebühren unter den Schutz des Kaisers. Neben anderen finanziell nutzbaren Hoheitsrechten (Regalien)[2] trug auch das Judenregal zur Finanzierung des Herrscherhaushalts bei.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit geradezu typisch, nicht oder zumindest nur teilweise dem (sich in dieser Zeit erst herausbildenden) allgemeinen Land- oder Stadtrecht unterworfen, sondern Mitglied einer Bevölkerungsgruppe zu sein, die sich durch die Zuerkennung eines speziellen Rechtsstatus auszeichnet.[3]

Der Königsfrieden, unter den unterschiedlichste Personen gestellt werden konnten, war von alters her eine Einkunftsquelle für die königlichen Kassen. Juden spielten dabei eine herausragende Rolle. Schon in der Karolingerzeit wurden die Juden gegen Zahlung eines Schutzzinses unter königlichen Schutz gestellt und erhielten dafür Zollbefreiungen und vereinzelte königliche Privilegien. Die Karolinger unterschieden verschiedene Statusgruppen von Juden, die aber nicht als Leibeigene angesehen wurden. Im Wormser Privileg von 1090 erneuerten und verbesserten die Salier den Judenschutz und unterstellten sie der königlichen Kammer. Friedrich II. unterstellte sich 1236 alle Juden reichsweit als königliche „Kammerknechte“ und gewährte ihnen Schutz vor Verfolgungen gegen die Zahlung von Schutzgeldern. Schutzbriefe wurden nicht mehr von Fürsten oder Bischöfen an einzelne oder Gruppen von Juden vergeben wie im frühen Mittelalter, sondern sie waren der kaiserlichen Kammer zinspflichtig. Dieses Steuerprivileg war übertragbar. Infolgedessen wiesen nach 1241 auch Steuerlisten deutscher Städte eine „Reichsjudensteuer“ auf.[4] Mit dieser rechtlichen Konstruktion knüpfte er an den Begriff der Regalien an.

Unter Rudolf von Habsburg wurde das Judenregal als königliche Leibeigenschaft interpretiert, woraus sich das Recht ableitete, Juden gegebenenfalls entschädigungslos zu enteignen. Seit dem Interregnum verlieh der König das Judenregal an die emporkommenden deutschen Territorialfürsten. Karl IV. schützte zwar die Juden in seinem eigenen Hausmachtbereich, tat jedoch nichts zu ihrem Schutz auf Reichsebene. In der Goldenen Bulle übertrug er dann 1356 das Judenregal auf die Kurfürsten. Aus der ursprünglich persönlichen Bindung an den Kaiser wurde nun eine verkäufliche Ware, die auch verliehen und beliehen werden konnte. Aus dem Schutzinstrument wurde das Gegenteil: aus aktiven „Teilnehmern am wirtschaftlichen Geschehen“ wurden „Objekte der Wirtschaftspolitik“, deren Duldung von den wirtschaftlichen Interessen des Inhabers des Judenregals abhing.[5]

Über das Revidierte General-Privileg von 1750 und das Preußisches Judenedikt von 1812 emanzipierten sich die ehemaligen Schutzjuden mit der Aufklärung zu gleichberechtigten Staatsbürgern.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Heinz Burmeister: Judensteuer Historisches Lexikon der Schweiz, 26. Juni 2006
  2. Ernst Tremp: Regalien, Historisches Lexikon der Schweiz, 23. Dezember 2011.
  3. Eveline Brugger, Birgit Wiedl: Zwischen Privilegierung und Verfolgung. Jüdisches Leben im Mittelalter in Niederösterreich, David, abgerufen am 22. August 2017.
  4. Henning Eichberg: Minderheit und Mehrheit (= Einführungen. Geschichte 2). Lit Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-11280-4, S. 14.
  5. Kurt Schubert: Jüdische Geschichte (= Beck’sche Reihe 2018). Beck, München 1995, ISBN 3-406-39175-3, S. 49.
  6. Edelgard Abenstein: Vom „Schutzjuden“ zum Staatsbürger, Besprechung von „Irene A. Diekmann, Bettina L. Götze: Vom Schutzjuden Levin zum Staatsbürger Lesser. Das preußische Emanzipationsedikt von 1812, Berlin 2012“, in: Deutschlandfunk Kultur, 8. März 2012.