Jugendgerichtshilfe

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In Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) wirkt in Deutschland in der Regel auch das Jugendamt mit (§ 52 Achtes Buch Sozialgesetzbuch). Nach § 52 SGB VIII ist die "Mitwirkung im jugendgerichtlichen Verfahren" eine sog. "andere" Aufgabe des Jugendamts, kein davon getrennter Dienst auch wenn die Aufgabe zumeist durch spezialisierte Fachkräfte wahrgenommen wird, die traditionell (mit Bezug zum JGG) als Jugendgerichtshilfe (JGH), zunehmend aber auch als Jugendhilfe im oder in Strafverfahren (JuHiS) bezeichnet werden.[1] Als Vertreter der Jugendgerichtshilfe (Jugendgerichtshelfer/-in, JuHiS-Fachkraft) wird bezeichnet, wer diese Aufgabe wahrnimmt.

Die Vertreter der Jugendgerichtshilfe bringen unter anderem sozialpädagogische Gesichtspunkte in Strafverfahren vor den Jugendgerichten u.a. auch zur Geltung, indem sie (schriftlich und/oder mündlich) eine Stellungnahme über die Beschuldigten abgegeben. Ebenfalls prüfen sie nach § 52 Abs. 2 SGB VIII, ob Leistungen der Jugendhilfe eingeleitet werden sollten und ob es Alternativen zu einem förmlichen Strafverfahren gibt (Diversion). Eine andere mögliche Alternative, bei der sich Täter und Opfer außergerichtlich aussprechen können ist der Täter-Opfer-Ausgleich. Schließlich haben sie den jungen Menschen nach § 52 Abs. 3 SGB VIII während des gesamten Verfahrens zu betreuuen. Umstritten ist, inwieweit sie gerichtlich angeordnete pädagogische Maßnahmen durchführen (sog. Steuerungsverantwortung nach § 36a SGB VIII) bzw. überwachen dürfen.[2].

Heranziehung der Jugendgerichtshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im gesamten Verfahren gegen einen Jugendlichen (zur Tatzeit 14–17 Jahre) oder Heranwachsenden (18–21 Jahre) muss die Jugendgerichtshilfe vom Jugendgericht herangezogen werden. Die Jugendgerichtshilfe entscheidet jedoch nach ihrem eigenen pflichtgemäßem Ermessen, ob und in welcher Weise sie im Verfahren mitwirkt.

Auf Heranwachsende kann allgemeines Strafrecht (wie bei Erwachsenen) oder Jugendstrafrecht angewandt werden, wenn eine jugendtypische Straftat vorliegt, oder der/die Heranwachsende in ihrer Entwicklung noch auf einer jugendlichen Stufe steht; auch hierzu äußert sich die Jugendgerichtshilfe.

Aufgaben der Jugendgerichtshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugendgerichtshilfe berät die jungen Straftäter und ihre Familien, nimmt an den Gerichtsverhandlungen teil, macht einen Vorschlag für ein mögliches Urteil und übt die Nachbetreuung aus (z. B. Vermittlung und Überwachung sozialer Arbeitsstunden oder eines Verkehrserziehungskurses, Besuch in der Justizvollzugsanstalt, Durchführung einer Betreuungsweisung oder eines Sozialen Trainingskurses usw.).

Jugendgerichtshilfe als Jugendhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute wird statt des Begriffs Jugendgerichtshilfe vielfach der Begriff Jugendhilfe im Strafverfahren verwendet. Mit ihm wird das Selbstverständnis der Jugendgerichtshilfe als Teil der Jugendhilfe und als Hilfe für den Jugendlichen und seine Familie besser beschrieben. Die Jugendgerichtshilfe ist also nicht in erster Linie Hilfe für das Gericht. Das Gericht ist gegenüber der Jugendgerichtshilfe nicht weisungsbefugt. Rechtsberatung, die häufig von Betreuten erwartet wird, ist ihr nur sehr eingeschränkt gestattet, weil Rechtsanwälten vorbehalten.

Wahrnehmung der Aufgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugendgerichtshilfe wird in der Regel von Sozialarbeiter/-innen oder Sozialpädagog/-innen des jeweiligen Jugendamtes, aber auch von freien Trägern der Jugendhilfe im Auftrag des Jugendamtes, wie zum Beispiel der Arbeiterwohlfahrt o. Ä., ausgeübt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Klier, Monika Brehmer, Susanne Zinke,Jugendhilfe im Strafverfahren- Jugendgerichtshilfe- Handbuch für die Praxis sozialer Arbeit, Berlin, Bonn, Regensburg 1995
  • Klaus Laubenthal, Jugendgerichtshilfe im Strafverfahren, Köln, Bonn, Berlin 1993
  • Peter Mrozynski, Jugendhilfe und Jugendstrafrecht , München 1980
  • Stefan Schwarm: Jugendgerichtshilfe und Strafverteidigung als Organe im Jugendstrafverfahren, Hamburg 2006
  • Thomas Trenczek: Die Mitwirkung der Jugendhilfe im Strafverfahren - Konzeption und Praxis der Jugendgerichtshilfe, Weinheim 2003
  • Trenczek, Thomas: Resozialisierung jugendlicher und heranwachsender Straftäter. Allgemeine Jugendhilfe – Jugendgerichtshilfe – Jugendstraffälligenhilfe. In: Cornel et al. Handbuch Resozialisierung, 2. Aufl. Baden-Bden 2009, S. 102 ff.
  • Thomas Trenczek, Siegfried Müller: Jugendhilfe und Strafjustiz in Otto, H.-U./Thiersch, H. (Hrsg.) Handbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, 5. Aufl. München 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zur Terminologie ausführlich vgl. Trenczek in Frankfurter Kommentar zum SGB VIII, 7. Aufl. 2013 § 52 Rz. 4
  2. zu den Aufgaben und der Steuerungsverantwortung ausführlich Trenczek in Frankfurter Kommentar zum SGB VIII, 7. Aufl. 2013 § 52 Rz. 47 ff. und 55 f.
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