Julius Lauterbach

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Kapitänleutnant der Reserve Julius Lauterbach

Julius Lauterbach, später Julius Lauterbach-Emden, (* 24. November 1877 in Rostock; † 18. April 1937 in Sønderborg) war ein deutscher Kapitän und Marineoffizier.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine seemännische Ausbildung in der Handelsmarine führte Julius Lauterbach mit der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft ab 1909 nach Ostasien. Dort war er unter anderem Kapitän des Reichspostdampfers Staatssekretär Kraetke (Baujahr 1905 Howaldt, Kiel, 2009 BRT, 11 kn, 116 Passagiere) und nahm im Juni 1914 als Leutnant der Reserve an einer Übung der Kaiserlichen Marine teil.[1]

Julius Lauterbach war im Ersten Weltkrieg Prisenoffizier des Kleinen Kreuzers SMS Emden. Als dieser übernahm er am Abend des 8. November 1914 das Kommando über den zwei Wochen zuvor gekaperten britischen Kohlendampfer Exford und bezog mit dem Schiff eine abgelegene Warteposition bis Ende November. Nachdem die SMS Emden ausblieb – sie war bereits am 9. November 1914 im Gefecht versenkt worden – nahm er befehlsgemäß Kurs auf Padang. Vor der Hafeneinfahrt, bereits in neutralem Seegebiet, brachte der britische Hilfskreuzer HMS Himalaya die Exford auf. Lauterbach und die 16 Männer der Besatzung gerieten in britische Kriegsgefangenschaft in den Tanglin Kasernen in Singapur. Im Zuge der Sepoy-Meuterei (Meuterei der indischen Soldaten) vom 15. bis 23. Februar 1915 flohen 35 der insgesamt 309 internierten Deutschen, darunter auch Lauterbach. Die meisten deutschen Gefangenen betrachteten die Meuterei als illegitim und verweigerten den Meuterern die erhoffte Unterstützung.[2] Es wird fälschlich in mehreren Variationen kolportiert, dass die Meuterei auf eine Initiative Lauterbachs zurückzuführen sei. Er habe den muslimischen Sepoy erzählt, der deutsche Kaiser und seine Frau seien zum Islam konvertiert, das Berliner Opernhaus würde zur Moschee und das Deutsche Reich ein islamischer Staat.

Modell der SMS Möve

Lauterbach gelang es, sich bis nach Deutschland durchzuschlagen. Bereits 1917 veröffentlichte er seine Erlebnisse in Buchform (1000 £ Kopfpreis – tot oder lebendig: Fluchtabenteuer des ehemaligen Prisenoffiziers S. M. S. „Emden“ Julius Lauterbach) und erlangte dadurch Bekanntheit.

Schon im Januar 1916 hatte er das Kommando der U-Boot-Falle Schiff K übernommen, die am 2. November 1917 im Kattegat von britischen Zerstörern versenkt wurde – Lauterbach war einer der Überlebenden. Bereits im Oktober 1917 wurde er Verwaltungsoffizier der 1. Handels-Schutz-Flottille. Zum 1. Januar 1918 übernahm er, inzwischen Kapitänleutnant, das Kommando auf der SMS Möve, die bis zum Kriegsende jedoch nicht wieder auf Kaperfahrt ging, sondern überwiegend im Nord- und Ostseeraum eingesetzt wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg unternahm Julius Lauterbach ebenso wie Felix Graf von Luckner Vortragsreisen über seine Erlebnisse. Beide hatten in dieser Zeit die gleiche Agentin: Dorothea Schneider-Lindemann.

Lauterbach wird im Zusammenhang der Meuterei in Singapur noch 2002 im englischen Reiseführer The Rough Guide to Singapore erwähnt.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
  • Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
  • Als Überlebender des letzten Gefechts der Emden erhielt Lauterbach das Recht, den vererbbaren Namenszusatz „-Emden“ anzunehmen.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1000 £ Kopfpreis – tot oder lebendig: Fluchtabenteuer des ehemaligen Prisenoffiziers S.M.S. „Emden“ Julius Lauterbach. Scherl, Berlin 1917. Niederländisch: 1000 £ belooning – dood of levend: Avontuurlijke vlucht door de Hollandsche koloniën. Langenhuysen, Amsterdam, Rotterdam 1918.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nigel Barley: Rogue Raider: The Tale of Captain Lauterbach and the Singapore Mutiny. Monsoon Books, ISBN 978-981-05-5949-6.
  • Dan van der Vat: The Last Corsair: The Story of the Emden. Birlinn, 2001, ISBN 978-1-84158-061-6.
  • Lowell Thomas: Mein Freund Juli-Bumm: Die Abenteuer des Kapitän Lauterbach von der Emden. Nach der amerikanischen Ausgabe ins Deutsche übersetzt von Fritz von Bothmer. Hrsg. Felix Graf von Luckner. Koehler & Amelang, Leipzig 1933.
    • Englisches Original: Lauterbach of the China sea. Hutchison, 1931.
    • Französische Übersetzung: Mes aventures des côtes de Chine a la Baltique. souvenirs, receuillies par Lowell Thomas. Payot, Paris 1932.
  • Reinhard Roehle: Als Flüchtling um den halben Erdball – Die abenteuerlichen Erlebnisse des Prisenoffiziers S.M.S. Emden KptLt d. R. Julius Lauterbach nacherzählt. UDV, Berlin / Leipzig 1920.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. K. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers EMDEN. Heyne, ISBN 3-453-00951-7, S. 7.
  2. 1915 Singapore Mutiny in der englischsprachigen Wikipedia
  3. Mark Lewis: The Rough Guide to Singapore. 2003, ISBN 978-1-84353-075-6, S. 46.
  4. Bordgemeinschaft der Emdenfahrer: Mehr über die SMS Emden, abgerufen am 20. Januar 2010