Marineoffizier (Deutschland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Deutsche und schwedische Marineoffiziere bei der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (1940)

Marineoffiziere sind alle Offiziere in Marineuniform einschließlich der Reserveoffiziere.[1]

Vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichsflotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adalbert von Preußen erließ den Allgemeinen Marine-Befehl Nr. 1 am 22. November 1852 in Berlin.

Ich habe Veranlassung, die Officiere der Marine dringend darauf aufmerksam zu machen, wie der wahrhaft militairische Gehorsam den entschiedensten Willen der pünktlichen Ausführung der Befehle ohne Gedanken des Vorbehalts, der spitzfindigen Klügelei, die Verbannung jeder Lauigkeit verlangt, andererseits ihre Pflicht als Officier durchaus erheischt: sich mit dem Geist der ihnen ertheilten Befehle und Instructionen vertraut zu machen, damit sie ihnen einen Anhalt für nicht darin vorgesehene Fälle gewähren. Das Streben, nur Verantwortlichkeiten von sich abzulehnen, ob auch das allgemeine und das Marine-Interesse dabei leide, ist eines Officiers durchaus unwürdig, läßt keine entschlossene That zu, kann keine Marine groß machen, ist mit der wahren Disciplin für den Officier nicht vereinbar.
Die Disciplin der Marine ist aber die ihrer Offiziere.“

Ober-Commando der Marine, gez. W. Adalbert, Prinz von Preußen

Kaiserliche Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz von Hipper und sein Stab (1916)

Offiziere der Kaiserlichen Marine fühlten sich zu ihrem Dienst berufen oder sogar geboren.[2] Im Zeitalter des Imperialismus hatten Wilhelm II., Alfred von Tirpitz und Ernst Levy von Halle die Hochseeflotte zur zweitstärksten Seemacht der Welt gemacht. Dem Seeoffizierkorps wurde daher der erste Stand im Deutschen Kaiserreich zugesprochen. Es rekrutierte sich hauptsächlich den gehobenen und mittleren Schichten des Bürgertums. Der Adel war traditionell auf das Heer ausgerichtet und spielte in keinem Teil der Marine eine dominierende Rolle.[3]

Charakter ging über Leistung.[4] Die Marineakademie und -schule und die Marineschule Mürwik brauchten nur noch „nachzuschleifen“; die Vermittlung von Fachwissen hatte nachgeordnete Bedeutung.[5] Die soziale Differenzierung schlug auf die eher kleinbürgerlichen Schiffsingenieure voll durch. Das preußisch geprägte Selbstverständnis bewährte sich in der Skagerrakschlacht. Doch im weiteren Verlauf des Krieges wurden die erfahrenen Marineoffiziere von den Schulen und Großkampfschiffen abgezogen, um dem ständig wachsenden Bedarf der U-Boote und Torpedoboote zugeführt zu werden. Den jungen Offizieren fehlten somit die unmittelbaren Vorbilder. Der auf Erfahrung beruhende und vernünftige Umgang mit Soldaten konnte Ihnen daher nicht näher gebracht werden. Darüber hinaus ging den jungen Seeoffizieren ihre weltoffene Haltung verloren, da sie ihre Flottenstützpunkte in Nord- oder Ostsee kaum verließen. Da sie sich in ihrem Auftreten nun nur auf ihr elitäres Selbstbild stützen konnten, haben sie die Bedürfnisse und Nöte der einfachen Mannschaften und Unteroffiziere nicht beachtet oder gar nicht erst erkannt. Die unerfahrenen Vorgesetzten waren somit mit der immer schwieriger werdenden Aufgabe der Menschenführung an Bord der Großkampfschiffe hoffnungslos überfordert.[5][6] Der daraus resultierende Unmut der Schiffsbesatzungen auf den Großkampfschiffen und der Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 führten zum Kieler Matrosenaufstand. Dies führte zur Novemberrevolution.[7]

Reichsmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stapellauf des Kreuzers »Köln« mit Hans Zenker, Wilhelm Groener, Konrad Adenauer und Gustav Noske (1928)

Die Wirren der Revolutionszeit und die Hilflosigkeit der Marineführung erschütterten die einstige Geschlossenheit des Seeoffizierkorps. Durch die Selbstversenkung der Kaiserlichen Hochseeflotte in Scapa Flow wieder zu Ansehen gekommen, geriet „die Marine“ durch den Kapp-Putsch und die Marine-Brigade Ehrhardt in die Kritik. Monarchismus, Zukunftssorgen und schlichte Angst um den Arbeitsplatz gab es auch unter Offizieren. Die neue Marineführung hatte die zerrissenen Reste der Seestreitkräfte zusammenzuführen und in die Gesellschaft zu integrieren. Dafür stellte sie die Korps der Seeoffiziere und der Ingenieure gesellschaftlich gleich.[8] Auch die Errichtung des Seeoffizier-Ehrenmals in der Marineschule Mürwik (1923), des Marine-Ehrenmals Laboe (1927/1936) und des U-Boot-Ehrenmals Möltenort (1930) trugen im Chaos der Weimarer Republik zur Einigung des Offizierkorps bei. Mit der Marine-Offizier-Hilfe (1918) und der Marine-Offizier-Vereinigung (1922) entstanden Solidar- und Interessengemeinschaften, in denen sich Friedrich Ruge, Siegfried Sorge und andere Offiziere engagierten.[9] Sorge nahm die Anregungen und Forderungen der jungen Generation 1936 auf. Mit neuen Erkenntnissen und Lehren preußisch-deutscher Soldatentradition wollte er sie in der Ausbildung planmäßig vermitteln.[10] In den späteren Auflagen seines Buches wurde auch nationalsozialistisches Gedankengut aufgenommen.[7]

„Der Marineoffizier muß erst Menschen, dann Schiffe und letztlich Waffen führen können.“

Friedrich Ruge (1932)

Bruch nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Totalen Krieg, Kriegsverbrechen und Holocaust wurde die Rolle der Kriegsmarine in Westdeutschland kontrovers diskutiert. Die sogenannte Großadmiralsfrage beschäftigte bis 1956 viele ehemalige Angehörige der Kriegsmarine und damit einen Kreis potentieller Soldaten für die Bundeswehr. In den Nürnberger Prozessen ging es nicht nur um die Beurteilung der Schuld der Großadmirale Erich Raeder und Karl Dönitz, sondern für einige Beteiligten und Beobachter auch um die Ehrverteidigung der gesamten Kriegsmarine. Diese hätte sich nach Meinung vieler Veteranen und auch ehemaliger Gegner nichts zu Schulden kommen lassen, sondern hätte ritterlich gekämpft.[11] Diesen sogenannten „Frontkämpfern“ standen die sogenannten „Eidesbrecher“ gegenüber, die Meinung waren, man hätte Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisten müssen.[7] Einige der Kritiker verlangten einen Bruch mit der Marinetradition früherer deutscher Streitkräfte. Diskutiert wurde beispielsweise eine Einheitsuniform für Heer, Luftwaffe und Marine.[7]

Für die Bundesrepublik Deutschland als Bündnispartner der NATO hatte die Bundesmarine den Teilauftrag, die drei Ostseeausgänge gegen die Baltische Flotte zu schützen und die Nordsee (und den Nordatlantik) gegen die Nordflotte zu sichern.[12] Die Bundesmarine wollte sich nicht als Nachfolgerin der früheren Marinen verstehen. Im Kalten Krieg funktionierte die Nukleare Abschreckung. Operative Fähigkeiten wurden ausgebaut, Routinen etabliert. Der Marinealltag war von Kontinuität bestimmt und berechenbar. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Betonung von Freiheit und Rechten des Einzelnen legte sich mit den Jahren allgemeiner Wohlstand und Bequemlichkeit auf die Gesellschaft nieder, deren Entfremdung zur Bundeswehr immer deutlicher wurde. Gleichzeitig erfasste der Wohlstand auch die Streitkräfte. Die Leistungsbereitschaft der Truppe wurde ausgehöhlt und der Offizier mit dem Manager verglichen. Deshalb verstanden sich manche Soldaten nicht mehr als Führer und Erzieher. Hatten sie ihren Enddienstgrad erreicht, konzentrierten sie sich auf die Freizeitgestaltung. Die Einführung des Studiums an einer Universität der Bundeswehr begünstigte diese Tendenzen. Privater Mehrwert ging dienstlichem Interesse vor. Die Marineführung erkannte, dass das Selbstverständnis des Marineoffiziers mehr sein musste als die Zentrale Dienstvorschrift der Inneren Führung. Deshalb versuchte das Marineamt den Staatsbürger in Uniform zu konkretisieren.[7]

Schulschiffkommandant Kapitän zur See von Stackelberg (1976)

Deutsche Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche und senegalesische Marineoffiziere auf der Emden in Dakar (1994)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Marineoffiziere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marineglossar des Deutschen Maritimen Instituts abgerufen am 12. Dezember 2017
  2. Wilhelm Deist: Marine und Marinepolitik im kaiserlichen Deutschland 1871–1914. Droste Verlag. 1996.
  3. Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Gotthard Breit: Das Staats- und Gesellschaftsbild deutscher Generale beider Weltkriege im Spiegel ihrer Memoiren. Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1973, ISBN 3-7646-1576-1, S. 7.
  4. Führungsstab der Marine (Fü M I 1): Beitrag der Marine zum Selbstverständnis des Marineangehörigen. Bundesministerium der Verteidigung (2011).
  5. a b Holger Herwig: Das Elitekorps des Kaisers. Hamburg 1977, ISBN 978-3-7672-0514-7, S. 61–76.
  6. Siegfried Sorge: Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik. S. 98.
  7. a b c d e Hans-Christian Stockfisch: Das Selbstverständnis des Marineoffiziers im Wandel des 20. Jahrhunderts. Vortrag. Historisch-Taktische Tagung der Flotte 2014, abgedruckt in Marineforum 4-2014, Nachrichten, S. 27–32.
  8. Erich Raeder: Erziehungsfragen in der Reichsmarine. Reichswehrministerium, Berlin 1929.
  9. Werner Rahn: Die Ausbildung zum Marineoffizier an der Marineschule Mürwik 1910 bis 1980, in: Die Deutsche Marine: Historisches Selbstverständnis und Standortbestimmung (1983), S. 143–170.
  10. Siegfried Sorge: Der Marineoffizier als Führer und Erzieher. Oberkommando der Kriegsmarine 1941
  11. Dieter Stockfisch: Menschenführung in der Marine heute, in: Die Deutsche Marine – Historisches Selbstverständnis und Standortbestimmung. E.S. Mittler & Sohn, 1983, 217–232.
  12. Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr: Die Berufsbiografie von Marineoffizieren. Strausberg 2009.