Julius Poensgen

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Julius Poensgen

Julius Poensgen (* 15. Februar 1814 in Kirchseiffen bei Hellenthal/Eifel; † 11. Dezember 1880 in Düsseldorf) war ein deutscher Industrieller. Er stammt von der weitverbreiteten Eifeler Unternehmerfamilie Poensgen ab, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts im Raum Schleiden als Reidemeister Eisenhütten betrieben. Einige Linien sind nach Düsseldorf gezogen und waren dort maßgeblich am Aufbau der rheinischen Eisen-, Stahl- und Röhrenindustrie beteiligt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Poensgen war der Sohn des Dürener Textilfabrikanten Daniel Gisbert Poensgen (1774–1817) und Gertrud Schmidt. Er war nach seiner Ausbildung zunächst tätig bei der Jünkerather Gewerkschaft in Jünkerath bei Stadtkyll/Eifel, deren alleiniger Eigentümer ein Verwandter, Carl Poensgen (1802–1848), war. Danach machte er sich selbstständig und betrieb zusammen mit seinem jüngeren Bruder Albert Poensgen in den Eifelorten Gemünd und Mauel ein Bleiröhrenwerk, eine Nagelfabrik und einen Betrieb zur Herstellung von Heizungsanlagen, die von den beiden Brüdern getrennt geführt wurden. Im Jahre 1847 wurden die einzelnen Unternehmen unter dem Namen Gebr. Poensgen zusammengefasst. Nicht eingeschlossen war das Albert Poensgen gehörende Röhrenwerk. Dieses wurde 1860 nach Düsseldorf verlegt. Aus ihm ging 1872 durch die Zusammenlegung mit den Düsseldorfer Hütten- und Walzwerken seiner Verwandten Gustav Poensgen und Rudolf Poensgen die „Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG, vorm. Poensgen“ hervor.

Da Albert Poensgen mit dem Aufbau und der Erweiterung des Düsseldorfer Röhrenwerkes voll in Anspruch genommen war, übernahm sein Bruder Julius Poensgen die Leitung der Gebr. Poensgen, die 1860 ebenfalls nach Düsseldorf verlegt worden war. Dort wurde mit der Fabrikation von Dampfheizungen mit der damals patentierten „Perking-Heizung“ begonnen. Abnehmer waren vor allem Hotels, Sanatorien, Krankenhäuser, aber auch die Industrie. Als Julius Poensgen 1880 verstarb, übernahm sein zu der Zeit 20-jähriger Sohn Reinhard Poensgen (1860–1924) die Nachfolge und entwickelte das Unternehmen, das 1906 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, nach 44-jähriger Tätigkeit zu einem führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Konstruktion und Herstellung von Wäschereimaschinen. Im Jahr 1924 übernahm sein Sohn Siegfried Poensgen (1893–1955) die Geschäftsführung der Gebr. Poensgen AG. Auf der Düsseldorfer Ausstellung „GeSoLei“ von 1926, die Millionen Besucher anlockte, fanden die Poensgen-Dampfwäschereimaschinen große Aufmerksamkeit. Die Anteile an der Gebr. Poensgen AG gingen in den folgenden Jahren mehrheitlich auf Siegfried Poensgens Bruder Helmuth Poensgen über. Dieser war bis zu seinem Tode im Jahre 1945 Vorstandsmitglied der „Vereinigte Stahlwerke AG“ und Aufsichtsratsvorsitzender der Gebr. Poensgen AG.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Poensgen war verheiratet mit Luise Mayer (1829–1907), Tochter von Jacob Anton Mayer (1782–1857) aus Aachen, dem Buchhändler, Verlegers und Gründer der Mayerschen Buchhandlung. Zusammen hatten sie vier Kinder. Poensgens Tochter Emilie (Milla) (1856–1935) heiratete 1877 den Kunstmaler Gregor von Bochmann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Hatzfeld: Poensgen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 567 (Digitalisat).
  • Edmund Strutz (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch, Band 123, 1958, Verlag C. A. Starke, Glücksburg, Ostsee.
  • Josef Wilden: Fünf Poensgen gestalten ein neues Düsseldorf, Düsseldorf, 1942
  • Heinrich Kellerter, Ernst Poensgen: Die Geschichte der Familie Poensgen; Hrsg.: A. Bagel-Verlag, Düsseldorf, 1908
  • Horst Wessel: Die Unternehmer der Familie Poensgen in der Eifel und in Düsseldorf, in: Bewegen-Verbinden-Gestalten, Unternehmer vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Bd. 44, Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, Köln, 2003