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Julius Victor Carus

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Julius Victor Carus, Fotografie von August Brasch (1879)

Julius Victor Carus (* 23. August 1823 in Leipzig, Königreich Sachsen; † 10. März 1903 in Leipzig) war ein deutscher vergleichender Anatom.

Leben und Wirken

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Julius Victor Carus war ein Sohn des Chirurgen Ernst August Carus und der Sängerin Agnes Küster. Er war der Enkel des Philosophen Friedrich August Carus. Wilhelm Engelmann war sein Schwager.

Carus studierte in Leipzig und Dorpat Medizin und Naturwissenschaften. Ab 1846 war er als Assistenzarzt in Leipzig tätig. 1849 erfolgte dort seine Promotion zum Doktor der Medizin und Chirurgie. Im gleichen Jahre trat Carus eine Stelle als Konservator am Museum of Comparative Anatomy in Oxford an.

1851 habilitierte er sich für vergleichende Anatomie in Leipzig. Carus wurde 1853 zum außerordentlichen Professor für vergleichende Anatomie ernannt und übernahm gleichzeitig die Leitung der zootomischen Sammlungen an der Universität Leipzig.

Carus gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig[1], dessen erster Vorsitzender er von 1861 bis 1866 war.

In den Sommermonaten 1873 und 1874 hielt Carus in Vertretung von Charles Wyville Thomson, der die Leitung der Challenger-Expedition übernommen hatte, Vorlesungen über Zoologie in Edinburgh.

Ab 1879 gab er die Zeitschrift Zoologischer Anzeiger heraus.

Carus war 1890 Mitbegründer der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und bis 1899 im Mitglied in deren Vorstand.[2]

Er stand in Korrespondenz mit Charles Darwin und übersetzte unter anderem dessen Werke Descent of Man, and Selection in Relation to Sex, Origin of Species, The Expression of the Emotions in Man and Animals und The formation of vegetable mould ins Deutsche. Diese Übersetzungen werden seitdem oft als Standardübersetzung verwendet. Außerdem übersetzte er 1863 das Werk von Thomas Henry Huxley Man's Place in Nature (Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur).

Carus schrieb zahlreiche Biografien für die Allgemeine Deutsche Biographie. Außerdem schrieb er einige Artikel für die von August Leskien herausgegebene zweite Sektion der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste.

Carus heiratete 1853 in Schönefeld bei Leipzig Sophie Catharina Hasse (13. Mai 1827; † 18. April 1884), eine Tochter des Professors Friedrich Christian August Hasse. Das Paar hatte drei Töchter:[3]

  • Agnes Marie Elisabeth (* 19. Mai 1856; † 22. November 1922)
  • Anna Sophie Gertud (* 9. Juni 1858; † 25. April 1933), Klavierlehrerin
  • Louise Charlotte Johanna (* 25. Oktober 1862; † 3. Februar 1940)
⚭ 2. März 1892 Johannes Ferdinand Lehmann (* 3. Juli 1864; † 19. Oktober 1942), Dr. phil., Superintendent in Freiberg

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1886 in Dresden Alexandra Petroff (* 28. Januar 1847; † 1940), eine Tochter des Kaiserlich russischen Geheimrats Alexander Petroff aus Odessa. Das Paar hatte einen Sohn:

⚭ 1919 Marta Baum
⚭ 1933 Clara Helene Frost (* 5. September 1884)

Im Januar 1856 wurde Carus mit dem Beinamen „Chamisso“ zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[4] Er war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte.[5] 1861 wurde Carus in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen aufgenommen,[6] der er von 1874 bis 1881 als Meister vom Stuhl vorstand.[7] Seit 1898 war er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.[8]

Schriften (Auswahl)

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Bücher

  • Conspectus rerum in nosocomio Sti. Georgii triennio 1846, 1847 et 1848 gestarum. Leipzig [1849] – Dissertation.
  • System der thierischen Morphologie. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1853 (Digitalisat).
  • Jahresbericht über die im Gebiete der Zootomie erschienenen Arbeiten. I. Bericht über die Jahre 1849–1852. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1856 (Digitalisat).
    • = Jahresbericht über in den Jahren 1849–1852 die im Gebiete der Zootomie erschienenen Arbeiten. In: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Band 7, Supplement, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1856 (Digitalisat).
  • Bibliotheca zoologica. Verzeichniss der Schriften über Zoologie, welche in den periodischen Werken enthalten und vom Jahre 1846–1860 selbständig erschienen sind […]. 2 Bände, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1861 (Band 1, Band 2) – mit Wilhelm Engelmann.
  • Über die Leptocephaliden. Herrn Carl Gustav Carus […] zur Feier seines fünfzigjährigen Doctorjubilaeums am 20. December 1861. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1861 (Digitalisat) – Würdigung von Carl Gustav Carus.
  • Handbuch der Zoologie. 2 Bände, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1863–1875 – mit Carl Eduard Adolph Gerstäcker:
  • Geschichte der Zoologie bis auf Joh. Müller und Ch. Darwin. München 1872 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Prodromus faunae mediterraneae, sive Descriptio animalium maris Mediterranei incolarum, quam comparata silva rerum quatenus innotuit, adiectis locis et nominibus vulgaribus eorumque auctoribus. 2 Bände, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1885–1893 (Band 1, Band 2).

Zeitschriftenbeiträge

  • Ueber die Malpighischen Körper der Niere. In: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Band 2, Leipzig 1850, S. 58–61 (Digitalisat).
  • Ueber die Entwickelung des Spinneneies. In: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Band 2, Leipzig 1850, S. 97–104 (Digitalisat).
    • Sur le développement des oeufs des araignées. In: Comptes rendus des séances et mémoires de la Société de biologie. Année 1851. Band 3, 1852. S. 131–133 (Digitalisat).
  • [On the zoology of the Scilly Isles.] In: Abstracts of the Proceedings of the Ashmolean Society, from 1843 to 1952 inclusive. Band 2, Oxford 1854, S. 264–270 (Digitalisat).
  • Ueber Noctiluca miliaris, Sur. In: Archiv für mikroskopische Anatomie. Band 4, Bonn 1868, S. 351–352 (Digitalisat) – Noctiluca miliaris.
  • Charles Robert Darwin. In: Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Jahrgang 1882. Nr. 8, F. A. Brockhaus, Leipzig 1882, S. 200–226 (Digitalisat).

Mitarbeit

  • Zoologie und vergleichende Anatomie. In: Karl Bruhns (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Eine wissenschaftliche Biographie. Band 3: Alexander von Humboldt’s Wirksamkeit auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft, F. A. Brockhaus, Leipzig 1872, S. 269–300 (Digitalisat).

Als Herausgeber

  • Icones zootomicae. Mit Originalbeiträgen der Herren G.J. Allman, C. Gegenbaur, Th. H. Huxley, Alb. Kölliker, H. Müller, M. S. Schultze, C. Th. E. von Siebold und F. Stein. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1857 (Digitalisat).
  • Zoologischer Anzeiger. Band 1–25 (= Nr. 1–669), 1879–1903 (Digitalisate) – fortgesetzt von Eugen Korschelt.

Als Übersetzer

  • George Henry Lewes: Die Physiologie des täglichen Lebens. 2 Bände, F. A. Brockhaus, Leipzig 1860 (Band 1, Band 2).
  • Lionel Smith Beale: Die Structur der einfachen Gewebe des menschlichen Körpers mit Bemerkungen über Entwickelung, Wachsthum, Ernährung und Zerfall, sowie über Veränderungen derselben in Krankheiten. […]. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1862 (Digitalisat).
  • Thomas Henry Huxley: Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1863 (Digitalisat).
  • George Henry Lewes: Aristoteles. Ein Abschnitt aus einer Geschichte der Wissenschaften nebst Analysen der naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles. F. A. Brockhaus, Leipzig 1865 (Digitalisat).
  • Charles Darwin: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe um’s Dasein.
    • 3., nach der 4. engl. Auflage, durchgesehen und berichtigten Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung und Druckerei, Stuttgart 1867 (Digitalisat).
    • 4., nach der 5. engl. Auflage, durchgesehen und berichtigten Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1870 (Digitalisat).
    • 5., nach der 6. engl. Auflage, durchgesehen und berichtigten Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1872 (Digitalisat).
    • 6., nach der 6. engl. Auflage, durchgesehen und berichtigten Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1876 (Digitalisat).
  • Charles Darwin: Das Variieren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 2 Bände, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1868 (Band 1, Band 2).
  • Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. 2 Bände, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1871 (Band 1, Band 2).
  • Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1872 (Digitalisat).
    • 2. Auflage, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1874 (Digitalisat).
    • 3. Auflage (=Ch. Darwin's gesammelte Werke Band 7). E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877 (Digitalisat, Digitalisat).
  • Charles Darwin: Reise eines Naturforschers um die Welt. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875 (Digitalisat).
  • Charles Darwin: Über den Bau und die Verbreitung der Corallen-Riffe. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1876 (Digitalisat).
  • Charles Darwin: Geologische Beobachtungen über die vulcanischen Inseln mit kurzen Bemerkungen über die Geologie von Australien und dem Cap der Guten Hoffnung. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877 (Digitalisat).
  • Charles Darwin: Geologische Beobachtungen über Süd-Amerika, angestellt während der Reise des „Beagle" in den Jahren 1832–1836. E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1878 (Digitalisat).
  • Herbert Spencer: Die Principien der Sociologie. Band 4, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1897 (Digitalisat).
  • Herbert Spencer: Die Principien der Ethik. 2 Bände, E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1879–1895 (Band 1, Band 2) – mit Benjamin Vetter.

Allgemeine Deutsche Biographie

Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste

  • Kakadu. In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 32, F. A. Brockhaus, Leipzig 1882, S. 97–98 (Digitalisat).
  • Kartoffelkäfer (Coloradokäfer). In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 34, F. A. Brockhaus, Leipzig 1883, S. 166–168 (Digitalisat).
  • Kauri (engl. Cowrey, Plural Cowries). In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 35, F. A. Brockhaus, Leipzig 1884, S. 37–38 (Digitalisat).
  • Kiemen (branchiae). In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 36, F. A. Brockhaus, Leipzig 1884, S. 22–23 (Digitalisat).
  • Kiwi-Kiwi. In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 36, F. A. Brockhaus, Leipzig 1884, S. 335 (Digitalisat).
  • Kolibris. In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 38, F. A. Brockhaus, Leipzig 1885, S. 118–119 (Digitalisat).
  • Kopffüsser (Cephalopoda). In: August Leskien (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, Teil 38, F. A. Brockhaus, Leipzig 1885, S. 366–367 (Digitalisat).

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Einzelnachweise

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  1. Erster Jahresbericht des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig. 1861. Hinrich, Leipzig 1862, S. 26 (online).
  2. Vorstandsmitglieder seit 1890, abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. Bernhard Koerner (Hrsg.): Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Band 17, Görlitz 1910, S. 78–80 (online).
  4. Geschichte der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, Jena 1860, S. 282, Nr. 1752.
  5. Mitglieder. In: Jacob Nöggerath, Hermann Friedrich Kilian (Hrsg.): Amtlicher Bericht über die drei und dreissigste Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Bonn im September 1857. Carl Georgi, Bonn 1859, S. 14 (online).
  6. Jürgen Holtorf: Die Logen der Freimaurer. Nikol, Hamburg 1997, ISBN 3-930656-58-2, S. 141.
  7. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932. München 2003, 951 S., ISBN 3-7766-2161-3, S. 271.
  8. Mitglieder der SAW: Julius Victor Carus. Sächsische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 2. Oktober 2016.
Commons: Julius Victor Carus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Victor Carus – Quellen und Volltexte