Juri Walentinowitsch Kowaltschuk

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Juri Walentinowitsch Kowaltschuk (russisch Юрий Валентинович Ковальчук; * 25. Juli 1951 in Leningrad, UdSSR) ist ein russischer Physiker, Finanzgeschäftsmann, Medienmogul und Milliardär. Er war von 2005 bis 2012 Vorsitzender des Verwaltungsrats der in Sankt Petersburg beheimateten Bank Rossija und ist seit Juni 2012 Vorsitzender des Aktionärsbeirats der Bank.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juri Kowaltschuk kam 1951 als Sohn des Historikers Walentin Kowaltschuk im damaligen Leningrad zu Welt. Er studierte Physik an der Staatlichen Universität Leningrad bis zum Abschluss im Jahr 1974. Ab 1977 arbeitete er als Wissenschaftler am Physikalisch-Technischen Institut Joffe in Leningrad. Im Jahre 1985 wurde ihm nach erfolgreicher Verteidigung seiner Dissertation der Grad eines Doktors der physikalisch-mathematischen Wissenschaften zuerkannt. Von 1988 bis 1991 hatte er dann die Position des stellvertretenden Direktors des Physikalisch-Technischen Instituts Joffe inne.[3] In der Umbruchzeit zu Beginn der 1990er Jahre war Kowaltschuk an diversen Projekten in Sankt Petersburg, wie die Stadt seit 1991 wieder heißt, beteiligt und arbeitete auch im Auftrag von Anatoli Sobtschak, dem damaligen Bürgermeister. Aus dieser Zeit rührt auch Kowaltschuks Freundschaft mit Wladimir Putin. Am 11. November 1996 gründete er gemeinsam mit sieben weiteren Personen die Datschen-Gemeinschaft "See" (Озеро)[4] in der Ortschaft Solowjewka[5] am Ostufer eines Sees auf der Karelische Landenge nördlich von Sankt Petersburg. Die anderen Gründungsmitglieder dieser Gemeinschaft sind heute so prominente Köpfe wie Wladimir Smirnow, Nikolai Schamalow, Wladimir Jakunin, Wiktor Mjatschin, Andrej Fursenko, dessen Bruder Sergej Fursenko und nicht zuletzt Wladimir Putin selbst.[6][7]

Kowaltschuk gehörte im Jahr 2000 mit zu den Gründern der Stiftung "Zentrum für Strategische Forschung 'Nordwest' " und hat dort seitdem eine leitende Stellung inne.[6][8]

Im Dezember 2000 wurde Kowaltschuk mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet.[9]

Von 2005 bis 2012 war Juri Kowaltschuk Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank Rossija, deren größter Einzelaktionär er mit über 37 % Aktienanteil vor Nikolai Schamalow mit 9,6 Prozent ist. Juri Kowaltschuk ist seit 2012 Vorsitzender des Aktionärsbeirats der Bank.[1][10] Die Bank Rossija ist seit 2004 Eigentümerin des Versicherungskonzerns Sogaz, dem wiederum seit 2006 über 75 % Anteile der Geschlossenen Aktiengesellschaft "Lider" (russisch: ЗАО «Лидер», Д. У./engl.: CJSC Leader, D.U)[11] gehören. "Lider" verwaltet treuhänderisch mehr als 80 Prozent der Aktienanteile der GAZFOND-Gruppe, dem Hauptaktionär der Gazprombank. Dadurch kontrolliert die Bank Rossija indirekt sowohl die Gazprombank als auch die Gazprom-Media-Gruppe. Diese Verflechtungen bedingen den großen Einfluss von Kowaltschuk als Hauptaktionär der Bank Rossija. Zur Gazprom-Media-Gruppe gehören unter anderem die regierungsnahe Zeitung Iswestija, die Fernsehsender NTW und TNT sowie der Radiosender Echo Moskwy (Aktienanteil von 66 Prozent). Zum Rossija-Konzern gehört ebenfalls die Anfang 2008 gegründete Nationale Mediengruppe (NMG), deren Verwaltungsratsvorsitzende seit September 2014 Alina Kabajewa ist, nachdem diese Funktion zuvor von seinem Neffen Kirill Kowaltschuk ausgeübt worden war, der dann den Vorsitz des Managements übernahm.[12][13] Zur NMG gehören unter anderem der früher regierungskritische Privatfernsehsender Ren-TV (Beteiligung in Höhe von 68 Prozent), der Sender "Petersburg-Fünfter Kanal" sowie eine 25%ige Minderheitsbeteiligung am Ersten Kanal.[7][14]

Diverses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ausgabe des russischen Forbes-Magazin vom Mai 2008 erschien Kowaltschuk zum ersten Mal in der Liste der 100 reichsten Menschen Russlands, sein Vermögen wird auf 1,9 Milliarden Dollar geschätzt.[14] Juri Kowaltschuk ist seit 1996 Honorarkonsul des Königreichs Thailand in Sankt Petersburg.[8]

Seit März 2014 steht Kowaltschuk auf der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums.[15] Im Juli 2014 belegte die EU die beiden Hauptanteilseigner der Rossija-Bank, Juri Kowaltschuk und Nikolai Schamalow, mit Einreiseverboten und Kontosperrungen.[16]

Familiäres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juri Kowaltschuk ist verheiratet. Sein Sohn Boris (geb. 1978) war von 2006 bis 2008 in leitender Funktion seitens der Regierung verantwortlich für die Umsetzung der Nationalen Projekte. Der Physiker Michail Kowaltschuk ist Juri Kowaltschuks älterer Bruder. Er ist seit 2005 der Direktor des Kurtschatow-Institut. Dessen Sohn Kirill Kowaltschuk (geb. 1968) hat seit September 2014 den Vorsitz in die Geschäftsleitung der Nationalen Mediengruppe NMG inne.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ковальчук Юрий Валентинович, csr-nw.ru (russisch)
  2. Ковальчук Юрий (Memento des Originals vom 19. Mai 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rb.ru (russisch)
  3. Ковальчук Юрий Валентинович (russisch)
  4. How the 1980s Explains Vladimir Putin, theatlantic.com, 14. Februar 2013
  5. Соловьевка, kray32.ru, (russisch)
  6. a b 15 лет самому мутному «Озеру» в мире!, novayagazeta.ru, 11. November 2011 (russisch)
  7. a b Sanktionen gegen russische Banken: Angriff auf Putins Finanzzentrum, spiegel.de, 21. März 2014
  8. a b Center for Strategic Research “North-West” (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/eng.csr-nw.ru
  9. УКАЗ Президента РФ от 31.12.2000 N 2115 "О НАГРАЖДЕНИИ ГОСУДАРСТВЕННЫМИ НАГРАДАМИ РОССИЙСКОЙ ФЕДЕРАЦИИ". Ukas des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Dezember 2000 N 2115 „Über die Auszeichnung mit den staatlichen Auszeichnungen der Russischen Föderation“. (Nicht mehr online verfügbar.) graph.document.kremlin.ru, 31. Dezember 2000, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 28. Oktober 2016 (russisch).
  10. Акционеры - Aktionäre der Bank, abr.ru
  11. Bank's Shareholders , gazprombank.ru
  12. Кабаева ушла к Ковальчукам, gazeta.ru, 15. September 2014
  13. a b Management, nm-g.ru
  14. a b Kremlin-linked tycoon eyes Russia media firm-report reuters.com, 23. April 2008
  15. Treasury Sanctions Russian Officials, Members Of The Russian Leadership’s Inner Circle, And An Entity For Involvement In The Situation In Ukraine , treasury.gov, 20. März 2014
  16. EU verhängt Sanktionen gegen Vertraute Putins rp-online.de, 30. Juli 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]