Kabarett der Namenlosen

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Das Kabarett der Namenlosen war eine berühmte kabarettistische Veranstaltungsreihe im Berlin der 1920er Jahre.

Der Conférencier Erich Lowinsky (Künstlername Elow) gab 1926 eine Zeitungsanzeige auf, in der er „junge Talente“ suchte, die montags abends vor zahlendem Publikum auftreten sollten. Die Veranstaltung solle Kabarett der Namenlosen genannt werden. Auf die Anzeige meldeten sich 187 Interessenten, denen Lowinsky vormachte, im Publikum säßen einflussreiche Scouts, Broadway-Agenten oder Schallplattenproduzenten, die auf der Suche nach neuen Talenten seien. In Wahrheit suchte Lowinsky vornehmlich die talentlosesten Bewerber aus.[1] Pro Abend bekamen 15 von ihnen eine Viertelstunde Zeit, sich auf der Bühne des Monbijou Carabets auf der Friedrichstraße zu präsentieren. Die Akteure wurden vom Publikum meist ausgelacht und ausgebuht. Viele verließen die Bühne verstört und unter Tränen. Die Kritik sprach von Sadismus und typisch schlechtem Geschmack.

In Erich Kästners Hauptstadtroman Fabian (1931) diente das Kabarett der Namenlosen als Vorlage für das dort geschilderte Kabarett der Anonymen. Lowinsky taucht im Roman als Conférencier Caligula auf. Im Roman erzählt Fabians Freund Labude über ihn: „Ein findiger Kerl hat Halbverrückte aufgelesen und läßt sie singen und tanzen. Er zahlt ihnen ein paar Mark, und sie lassen sich dafür vom Publikum beschimpfen und auslachen. Wahrscheinlich merken sie es gar nicht. ... Es gehen sicher Leute hin, die sich darüber freuen, daß es Menschen gibt, die noch verrückter sind als sie selber.“[2]

Das Kabarett der Namenlosen existierte bis 1932. Es war ein Vorläufer umstrittener zeitgenössischer Fernsehformate wie die Gong-Show oder Deutschland sucht das Supertalent.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Nolden: Berlin – Metropole der Maßlosigkeit. Auf Suite101.de - Das Netzwerk der Autoren
  2. Erich Kästner: Fabian. Roman eines Moralisten. Zitiert nach der 18. Auflage im Deutschen Taschenbuch Verlag, München 2002, S. 67