Kainsmal

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Kainszeichen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch: Das Kainszeichen, Film.

Das Kainsmal oder das Kainszeichen ist ein Zeichen, das im Alten Testament der christlichen Tradition dem Brudermörder Kain von Gott gegeben wird. Die hebräische Phrase „le-kajin ot“ ('ot, אות, „Zeichen“) der jüdischen Torah wurde mit „[Gott machte] Kajin zum Zeichen“ und „dem Kajin ein Zeichen“ übersetzt.[1][2]

Bibelbericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kain erschlug seinen Bruder Abel nach einem Gottesopfer. Damit er nicht als Brudermörder selbst erschlagen werde, machte Gott ein Zeichen an Kain, um ihm eine Chance für ein gewaltfreies Leben zu geben. Das Kainsmal ist also sowohl das Erkennungszeichen des Mörders als auch ein Schutzzeichen, das ihn vor einem gewaltsamen Tode bewahrt.

Auszug 1. Buch Mose/Genesis 4:

Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Felde waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn. […] Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen. Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein. Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte. Du hast mich heute vom Ackerland verjagt und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und wer mich findet, wird mich erschlagen. Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde. (Gen 4,8-15), 'Einheitsübersetzung'[3]
Kajin sprach zu dem Ewigen: „Meine Strafe ist zu groß, um sie zu tragen. Siehe, du hast mich vertrieben von diesem Erdreich hinweg. Vor deinem Antlitz soll ich mich verbergen. Wenn ich nun unstet und flüchtig auf der Erde bin, so wird mich jeder umbringen, der mich findet.“ Da sprach der Ewige zu ihm: „Niemand wage es, Kajin umzubringen! Siebenfältig soll er gerächt werden!“ Der Ewige machte dem Kajin ein Zeichen, dass ihn nicht jeder erschlage, der ihn findet. (Gen 4,13-15, 'Die Torah in jüdischer Auslegung'[1])

Christliches Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im europäischen Mittelalter, das aus dem dunklen Zeitalter hervorging, wurde die alttestamentarische Deutung des „Kainszeichens“ als Rechtfertigung des stigmatischen Abzeichens für Juden, des gelben Judenrings, missbraucht.[1]

Jüdische Auslegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der hebräischen Sprache der jüdischen Torah ist das Wort 'ot (אות, „Zeichen“[2]) oft ein göttliches Zeichen. Im 2. Buch Mose (Ex 4,1-9) unterstützt ein (Wunder-)Zeichen die Glaubwürdigkeit Moses vor dem Pharao. Das Zeichen des Kajin ist kein Schandfleck, als solches schützt es ihn vor der Blutrache. Zugleich wird der „erste Mörder“ Kajin mit ihm selbst zur Warnung für andere Menschen vor der Untat Mord.[1]

Rashi kommentiert, dass JHWH einen Buchstaben seines Namens auf Kajin Stirn einschnitzte (:וישם ה' לקין אות: חקק לו אות משמו במצחו).[4]

Redensart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage hat das alttestamentliche „Kainsmal“ im christlich-abendländischen deutschen Sprachraum verallgemeinert die Bedeutung eines Zeichens der Schuld bekommen; ein Merkmal, das einen verrät. Oft negativ behaftet, muss es jedoch keine „gerechte Strafe“ im biblischen Sinne sein. Das Kainsmal ist der Stempel, den die Gesellschaft anderen aufdrückt, um sie auf das festzunageln, was sie sich als Bild von ihnen gemacht hat. Wer das Kainsmal trägt, ist also nicht zwangsläufig ein „Todgeweihter“. Biblisch ist das Kainsmal kein Schandmal, sondern ein Schutzzeichen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Das Kainszeichen Mörder blieb bis heute auf seiner Stirne haften.“
  • „Das Mal an seiner Stirn“ (Aus: Tonio Kröger von Thomas Mann)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d W. Gunther (Hrsg.) Plaut, Annette Böckler Die Tora in jüdischer Auslegung, 3. Auflage, Sonderausgabe., Kaiser, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 9783579054926, S. 103 ff. (Zugriff am 18. November 2015).
  2. a b Francis Brown BDB: The Brown Driver Briggs Hebrew and English Lexicon: with an appendix containing the Biblical Aramaic; coded with the numbering system from "Strong's Exhaustive Concordance of the Bible", 7. print. 1997, Hendrickson, Peabody, ISBN 9781565632066.
  3. Einheitsübersetzung onlin. Katholisches Bibelwerk Stuttgart, Katholisches Bibelwerk e. V.. Abgerufen am 18. November 2015.
  4. The Complete Jewish Bible with Rashis Commentary - Judaica Press (JPR). The Judaica Press, Chabad-Lubavitch Media Center. Abgerufen am 18. November 2015.