Kaiserliches Gesundheitsamt

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Das Hauptgebäude des Kaiserlichen Gesundheitsamts in Berlin (1907) stand im Hansaviertel in der Klopstockstraße

Das Kaiserliche Gesundheitsamt war eine deutsche Reichsbehörde für den Verbraucherschutz im Gesundheits- und Veterinärwesen mit Sitz in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaiserliche Gesundheitsamt wurde am 28. April 1876[1] als zentrale Stelle für das Medizinal- und Veterinärwesen in Berlin errichtet. Zunächst war es im Geschäftsbereich der Reichskanzlei und seit 1879 dem Reichsamt des Innern unterstellt. 1879 wurde das „Gesetz betreffend den Verkehr mit Lebensmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen“ verabschiedet, für dessen Überwachung unter anderem das Kaiserliche Gesundheitsamt zuständig war. Als Amtssitz wurde in den Jahren 1894 bis 1897 ein Gebäude in der Klopstockstraße 18 im Hansaviertel nach Plänen des Architekten August Busse[2] errichtet, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Der am 30. Juni 1900[3] errichtete Reichsgesundheitsrat, der aus Vertretern der Bundesstaaten bestand, unterstützte das Kaiserliche Gesundheitsamt bei seinen Aufgaben.

1918 wurde das Kaiserliche Gesundheitsamt in Reichsgesundheitsamt umbenannt. Zwischen 1933 und 1945 setzte die Behörde die Rassenpolitik der Nationalsozialisten um, indem sie mit Gutachten Zwangssterilisationen anordnete. Nach dem Zusammenbruch 1945 übernahm der Magistrat von Berlin Teile des Reichsgesundheitsamtes in das neu gegründete Zentralinstitut für Hygiene und Gesundheitsdienst. 1952 ging dieses im neu errichteten Bundesgesundheitsamt auf.

Leiter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannteste Mitarbeiter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes war der Arzt und Bakteriologe Robert Koch, der hier einige seiner bahnbrechenden Entdeckungen machte. Julius Richard Petri erfand während seiner Arbeit im Kaiserlichen Gesundheitsamt die Petrischale.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel C. Hüntelmann: Hygiene im Namen des Staates. Das Reichsgesundheitsamt 1876–1933. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 3-8353-0343-0.
  • Hückels: Der Neubau des Kaiserlichen Gesundheitsamtes in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen. Jahrgang 50 (1900), Sp. 19–40, Tafeln 6–11. Digitalisat im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
  • Manfred Stürzbecher: Aufgaben und Leistungen der öffentlichen Gesundheitspflege. Die Behördenchefs des Reichsgesundheitsamtes in Berlin 1876–1945. In: Jahrbuch „Der Bär von Berlin“, hrsg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 25. Jahrgang, Berlin 1976.
  • Kurt Jeserich (Hrsg.): Deutsche Verwaltungsgeschichte, Band 3 und 4, Stuttgart 1984–85.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaiserliches Gesundheitsamt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reichsgesetzblatt Jahrgang 1875, S. 330
  2. Uwe Kieling: Berliner Baubeamte und Staatsarchitekten im 19. Jahrhundert, S. 15, Berlin 1986
  3. Reichsgesetzblatt Jahrgang 1900, S. 315