Kangertittivaq

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70.5-25Koordinaten: 70° 30′ N, 25° 0′ W

Reliefkarte: Grönland
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Kangertittivaq
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Grönland
Der Kangertittivaq befindet sich an der Unterseite des Satellitenbildes

Der Kangertittivaq, auch Scoresbysund (dänisch Scoresby Sund), ist ein Fjordsystem in der Grönlandsee an der Ostküste Grönlands. Er hat eine baumähnliche Struktur, dessen 110 km langes Hauptbecken[1] in etliche Fjorde abzweigt und damit eine Gesamtfläche von 38.000 km² besitzt (zum Vergleich: Dänemark hat eine Fläche von etwa 43.000 km²). Der längste Fjord erstreckt sich über 340–350 km.[2] Die Tiefe beträgt 400–600 m im Hauptbecken, in den Fjorden steigt sie auf bis zu 1450 m.[2] Es ist das größte und längste Fjordsystem der Welt.[3][4]

Der Fjordkomplex wurde zu Ehren des englischen Entdeckers William Scoresby benannt, der den Kangertittivaq 1822 relativ detailgenau kartographierte. Dort befinden sich ebenso zahlreiche Inseln. Die größte von ihnen, Milne Land, besitzt eine Fläche von 3.913 km² und befindet sich in der Mitte des Meeresarms. An der Nordseite des Ausgangs liegt Ittoqqortoormiit, die einzige dauerhaft besiedelte Stadt in der Gegend mit 472 Einwohnern (Stand 2011).[5]

Geographie[Bearbeiten]

Scoresby Sund

Der Ausgang zwischen Kangikajik (Kap Brewster) und Uunarteq (Kap Tobin) ist 29 km breit. Sein südlicher Teil ist eine steile, 1000–2000 m große Basaltwand, die nördliche Seite ist tiefergelegen und eher abgerundet. Die Mündung setzt sich über 110 km nach Westen fort, dreht sich dann leicht nach Norden, dehnt sich aus und formt ein Bassin namens Hall Bredning. Von dort spaltet sich der Meeresarm in einige Zweige auf, unter anderem in den Nordwestfjord, Øfjord (der wiederum in Rypefjord und Harefjord), Røde Fjord, Gasefjord und Fønfjord. Zwischen dem Øfjord und dem Fønfjord liegt Milne Land. Das den Fjord umgebende Land ist bergreich und besitzt hoch aufragende Steilwände direkt am Fjord. An manchen Stellen finden sich auch Gletscher.[3]

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist sehr arktisch geprägt, was sich durch einen langen kalten Winter und heftige Stürme zeigt. Die Temperaturen von Januar bis März schwanken zwischen −22,5 and −8,4 °C, der Durchschnitt lag 1971–1981 zwischen −15 und −18 °C. Im Wesentlichen betragen die Temperaturen im hier kurz ausfallenden Sommer weniger als +5 °C, sie schwankten 1971–1981 zwischen +0,5 und +3 °C. Im September setzt normalerweise der erste Schneefall ein, der bis in den kommenden Juni anhält, gegen Ende Oktober friert der Fjord zu. Zwischen Ende November und Mitte Januar steigt die Sonne nicht über den Horizont.[6] Es fällt nur wenig Niederschlag, ungefähr 30 mm pro Monat.[7] Zweimal täglich gibt es Gezeiten mit einem Tidenhub von 1,3 Metern.[2]


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für den Kangertittivaq
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −16 −17 −11 −3 2 3 5 1 −7 −13 −20 −18 Ø −7,8
Niederschlag (mm) 20 35 75 70 10 20 5 3 40 30 20 30 Σ 358
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20
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Quelle: [6]

Fauna[Bearbeiten]

Tundravegetation bei Sydkap im Inneren des Kangertittivaqs

Die Fauna der Umgebung ist außergewöhnlich reich für Grönland. Dies beruht auf einigen besonderen Faktoren, wie der Verfügbarkeit von freiem Wasser im Ausgang in Form von Polynjas, die nicht einmal im Winter zufrieren, sowie dem Schutz vor Winden durch das hohe Relief, und relativ fruchtbarem Land. Zu den Tieren an Land zählen Moschusochsen, Polarfüchse, Hermeline, Schneehasen und Lemminge.[7] Das Ren und der Polarwolf lebten hier einmal, verschwanden aber ungefähr im 20. Jahrhundert.[8]

Unter den Vögeln finden sich Weißwangengänse, Kurzschnabelgänse, Schneegänse, Singschwäne, Prachteiderenten, Eiderenten, Eisenten, Dickschnabellummen, Gryllteisten, Krabbentaucher, Papageientaucher, Eissturmvögel, Silbermöwen, Eismöwen, Mantelmöwen, Dreizehenmöwen, Küstenseeschwalben, Sterntaucher, Eistaucher, Mittelsäger, Alpenschneehühner, Kolkraben, Schnee-Eulen, grönländische Gerfalken, etc. Die meisten davon sind ausgewanderte Spezies und bilden große Kolonien, die aus Millionen von Individuen bestehen können (bspw. Krabbentaucher).[9]

Bei den Fischen sind der Seesaibling, der Schwarze Heilbutt, der Polardorsch, Sepien, der Gestreifte Seewolf, Seeskorpione und der Grönlandhai zu nennen.[10] Der Großteil der Säugetiere im Wasser wird von Robben eingenommen (Ringel-, Bart-, Sattelrobbe, Klappmütze und Seehund), die sich im Winter von Fischen (meist dem Polardorsch) und im Sommer von Krebstieren ernähren.[11] Größere Exemplare bilden das Atlantische Walross, der Narwal und manchmal der Beluga.[11]

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Scoresby Sund, Encyclopedia Britannica online
  2. a b c Scoresby Sund (Russisch) Große Sowjetische Enzyklopädie. Abgerufen am 20. August 2011.
  3. a b Archaeology, S. 7
  4. Piotr Migoń: Geomorphological Landscapes of the World. Springer, 2010, ISBN 90-481-3054-9.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGreenland in Figures 2011. Statistics Greenland, abgerufen am 2. August 2011 (englisch, Stand Mai 2011).
  6. a b Archaeology, S. 8–9
  7. a b Archaeology, S. 11
  8. Archaeology, S. 18
  9. Archaeology, S. 19–20
  10. Archaeology, S. 21
  11. a b Archaeology, S. 12–14

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kangertittivaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien