Karl-Martin Hentschel

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Karl-Martin Hentschel

Karl-Martin Hentschel (* 16. April 1950 in Bad Münder am Deister) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen).

Er war von 2000 bis 2005 und 2006 bis 2009 Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Schleswig-Holstein. Seitdem lebt er als freier Autor in der Nähe von Kiel. Seit 2014 ist er Mitglied im Bundesvorstand des Vereins Mehr Demokratie e. V. Außerdem arbeitet er ehrenamtlich auf Bundesebene für die Nichtregierungsorganisation Attac und vertritt sie im Netzwerk Steuergerechtigkeit, ist Mitinitiator des Bündnisses Umfairteilen für eine Vermögensabgabe und Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein.

Im Oktober 2010 veröffentlichte er das Buch Es bleibe Licht. 100 % Ökostrom für Europa ohne Klimaabkommen – ein Reiseführer. 2011 war er Coautor des DESERTEC-Atlas. Weltatlas zu den erneuerbaren Energien, der vom Club of Rome herausgegeben wurde. Im Juli 2013 erschien im Europa-Verlag das Buch Von wegen alternativlos! Die gerechte Gesellschaft als Ziel in dem er erfolgreiche Beispiele für gute Politik aus aller Welt darstellt.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde Karl-Martin Hentschel am 16. April 1950 in Bad Münder in Niedersachsen, als ältestes von fünf Kindern eines späteren Generals der Bundeswehr und einer Lehrerin.[1] Er wuchs in Kiel-Elmschenhagen auf und legte 1968 in Hermannsburg das Abitur ab.

Nach dem Abitur trat Hentschel als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein, aus der er 1971 aus politischen Gründen wieder ausschied. Später wurde er wegen Teilnahme an Protesten gegen das Atomkraftwerk Brokdorf vom Truppendienstgericht vom Leutnant zum Panzergrenadier degradiert. 1971 begann er ein Studium der Mathematik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, welches er 1978 als Diplom-Mathematiker beendete. Von 1973 bis 1975 war Hentschel Präsident des Studentenparlaments der Universität Kiel. Schwerpunkte seines damaligen Engagements waren der Vietnamkrieg, die Militärdiktatur in Chile, der Bau von Atomkraftwerken und die Beendigung des kalten Krieges.

Nach dem Diplom war er bis 1996 als Systemprogrammierer und Datenbankmanager, zuletzt als Leiter der Systemberatung beim Verlag Gruner + Jahr tätig. Hier gehörte er in den Jahren von 1980 bis 1993 in unregelmäßigen Abständen dem Betriebsrat an.

Karl-Martin Hentschel ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Kiel.

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentschel engagierte sich schon in den 1970er Jahren in der Anti-Atomkraft-Bewegung und war an der Organisation der Demonstrationen gegen das Kernkraftwerk Brokdorf beteiligt. 1981 trat er den Grünen bei. In Schleswig-Holstein erarbeitete er Konzepte für eine grüne Wirtschafts- und Steuerpolitik und für eine Ökologische Steuerreform. Zweimal, von 1987 bis 1990 und von 1994 bis 1996, war er Mitglied im Landesvorstand der Grünen Schleswig-Holstein. Von 1991 bis 1993 war er Gemeinderat in Rellingen. Anfang der 90er Jahre engagierte er sich für einen Vermögensabgabe nach dem Vorbild des Lastenausgleichs von 1952, um die Kosten der deutschen Einheit zu finanzieren und die Staatsschulden zu senken.

2012 war er Mitinitiator des Bündnis Umfairteilen, das sich im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 für eine Vermögensabgabe einsetzte. 2000 trat Hentschel dem NGO-Netzwerk Attac bei und arbeitete seit 2009 in der Bundesarbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuern mit. Seit 2014 vertritt er Attac im Netzwerk Steuergerechtigkeit. Auf seine Initiative entstanden Positionspapiere zur Bankenregulierung und zur Reform der Unternehmenssteuern. 2013 organisierte er eine Kampagne zur Einführung der Gesamtkonzernsteuer. Er ist, nach wie vor, Mitglied von Attac, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Mehr Demokratie e. V. (in den Bundesvorstand 2014 gewählt,[2] initiierte den „Arbeitskreis Föderalismus/Dezentrale Demokratie“[3]), Umschalten Windstrom Wedel, Avaaz, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Pro Vieh (Tierschutz-Bündnis) und Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1996 bis 2009 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein. Hier war er von 1996 bis 2000 Parlamentarischer Geschäftsführer und von 2000 bis 2005 Vorsitzender der Grünen-Fraktion während der rot-grünen Regierung unter der Ministerpräsidentin Heide Simonis. Im Juni 2006 wurde er erneut zum Vorsitzenden der Fraktion gewählt. Nachdem 2009 bei der Kandidatenaufstellung der Grünen auch im dritten Wahlgang für den 4. Listenplatz ein Patt entstanden war, verzichtete er auf eine weitere Nominierung. Karl-Martin Hentschel zog stets über die Landesliste in den Landtag ein.

Politische Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Martin Hentschel engagierte sich besonders in der Wirtschafts-, Energie- und Bildungspolitik. Er gilt als Skandinavienexperte und schrieb zahlreiche Aufsätze über das skandinavische Steuer- und Kommunalsystem. Darauf basierend entstanden seine zahlreichen Vorschläge für die Reform des Steuer- und Sozialsystems. 2005 verhandelte er für die Grünen mit der SPD das Konzept für die Reform des Bildungssystems in Schleswig-Holstein, das zur Einführung der Gemeinschaftsschulen als Regelschulen in Schleswig-Holstein führte. Als Fraktionsvorsitzender stellte er das erste durchgerechnete Konzept für eine Stromversorgung für Schleswig-Holstein zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien vor.

Seit seinem Ausscheiden aus dem Parlament beschäftigte er sich mit der Finanzkrise und dem Problem der Steuervermeidung und -hinterziehung durch internationale Konzerne und die sogenannten Superreichen. Im Rahmen seiner Arbeit für Attac und das Netzwerk Steuergerechtigkeit schrieb er zahlreiche Dossiers, Positionspapiere und Artikel - unter anderen eine Studie über das Unternehmenskonglomerat IKEA. Als Bundesvorstand von Mehr Demokratie setzt er sich für eine Dezentralisierung des politischen Systems durch eine Stärkung der Kommunen ein und initiierte die "Initiative Starke Kommune", an der sich eine Reihe Wissenschaftler und Bürgermeister aller Parteien beteiligen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kommunen zuerst. Dezentrale Demokratie und ein starkes Europa – ein Widerspruch? In: Agora42, Sindelfingen, Ausgabe 02/14.
  • Von wegen alternativlos! Die gerechte Gesellschaft als Ziel. Europa Verlag, Zürich 2013 ISBN 978-3-905811-77-3.
  • Teil 6: Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit – Flüchtlinge durch Armut und Wassermangel; Stromimporte; Sicherheit; Ressourcenfluch, Monopolisierung, Good Governance, in: Der DESERTEC-ATLAS. Weltatlas zu den erneuerbaren Energien, Deutsche Gesellschaft Club of Rome, CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86393-012-7.
  • Es bleibe Licht. 100 % Ökostrom für Europa ohne Klimaabkommen. Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2010 ISBN 978-3-86888-023-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Karl-Martin Hentschel auf wiwo.de
  2. Karl-Martin Hentschel auf mehr-demokratie.de/vorstand.html
  3. Mehr Demokratie: Arbeitskreis Föderalismus/Dezentrale Demokratie – mehr-demokratie.de/ak_foederalismus.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel, Publikationen von Karl-Martin Hentschel