Karl-May-Museum Radebeul

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Karl-May-Museum ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Von 1960 bis 1994 gab es noch das Karl-May-Museum Bamberg.

Das Karl-May-Museum in Radebeul ist ein Museum über Leben und Wirken des Schriftstellers Karl May. Es befindet sich an seinem letzten Wohnsitz, in der Villa Shatterhand (Karl-May-Straße 5).

Villa „Shatterhand“
„Villa Bärenfett“
Karl-May-Hain und Villa „Shatterhand“, vom Turm der Lutherkirche aus.
Der Herzsee im Karl-May-Hain

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalpflegerisch[1] handelt es sich bei dem Museumsanwesen um ein Werk der Garten- und Landschaftsgestaltung.[2] In diesem befinden sich auf dem ursprünglichen Wohngrundstück Mays sein Wohnhaus Villa Shatterhand, und hinten in der Gartenanlage befindet sich die Villa Bärenfett, das Blockhaus von Patty Frank. Auf dem auf der Straße gegenüberliegenden Grundstück, dem ehemaligen Obstgarten Mays, befindet sich heute der Karl-May-Hain.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bereits in der Lößnitz ansässige Schriftsteller Karl May (1842–1912) kaufte am 16. Mai 1896 das fertige Anwesen, um dort einzuziehen.[2] Einer anderen Quelle zufolge kaufte May das Anwesen bereits Ende 1895 für 37.300 Mark und zog am 14. Januar 1896 mit seiner ersten Frau Emma (1856–1917, 1903 geschieden) dort ein.[3]

Noch 1896 ließ May oben an der Straßenfront den Schriftzug Villa „Shatterhand.“ anbringen. 1897 kaufte er auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch ein Grundstück dazu und legte dort einen Obstgarten an.

Karl Mays Witwe Klara (1864–1944), seine zweite Ehefrau, ließ 1926 für den Wiener Artisten Ernst Tobis, der unter seinem Künstlernamen Patty Frank bekanntgeworden war, im Garten hinter dem Haus ein Blockhaus als Wohnhaus errichten, die Villa Bärenfett. In einem Anbau des Blockhauses wurde 1928 das Karl-May-Museum mit einer Indianerausstellung eröffnet. Patty Frank als Museumskustos hielt bis zu seinem Tode 1959 das Museum in der Villa Bärenfett offen. Genauso machte es seine Frau, die ihn zwei Jahre überlebte.[4]

1932 legte der Karl-May-Verein in dem Obstgarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Gedächtnishain mit Wasserläufen und einem herzförmigen Wasserbecken an, auch wurde ein Granitfindling mit der Inschrift „Karl May“ sowie einer Bronzeplakette aufgerichtet.

Mit dem Tode Klara Mays 1944 ging die Villa in den Besitz der Karl-May-Stiftung über und wurde weiter als Wohnhaus genutzt.

Von 1965 bis zum Karl-May-Jahr 1985 diente es als Kinder-Hort der Radebeuler German-Titow-Oberschule.

Seit 1985 wird auch das ehemalige Wohnhaus Karl und Klara Mays, die Villa Shatterhand, als Sitz der biographischen Museumsabteilung sowie für Studien- und Ausstellungszwecke des Museums genutzt. 1992 wurde der Gedächtnishain zu einer öffentlichen Parkanlage umgestaltet.

Von 1960 bis 1994 wurden Karl Mays Arbeitszimmer und Bibliothek sowie vom Karl-May-Verlag und einem privaten Sammler zusammengetragene Gegenstände aus dem Leben der nordamerikanischen Indianer in einem Karl-May-Museum in Bamberg gezeigt. Nach der Rückführung des Nachlasses nach Radebeul wurde das Museum in Bamberg aufgelöst.

In Vorbereitung auf das Karl-May-Jahr 2012 wurde das Karl-May-Museum umgebaut. Neben dem Besucherzentrum entstand im Garten ein Karl-May-Erlebnispfad für Kinder und ein Haus für Museumspädagogik, die Villa Nscho-tschi. Sie wurde am 30. März 2012 eingeweiht.[5]

Im Dezember 2013 wurde Rene Wagner entlassen, der 29 Jahre Chef des Museums und Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung war. Seine Nachfolgerin und aktuelle Direktorin ist Claudia Kaulfuß. Probleme bereiteten vor allem die stark gesunkenen Besucherzahlen. Konnten Ende der 1980er Jahre noch bis zu 250.000 Gäste pro Jahr gezählt werden, waren es zuletzt nur noch 54.000.[6]

Kontroverse um Skalp-Exponate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 wurde bekannt, dass Vertreter des Indianervolkes Ojibwa gegen das Ausstellen von 17 Skalps protestieren.[7] (In den USA ist das Ausstellen von Skalps seit 1990 verboten.) Sie fordern die Rückgabe der Stücke, besonders eines Exemplars, das nach ungesicherten Angaben des Museumgründers, Patty Frank, von einem Ojibwa stammen könnte,[8] um sie zu begraben. Die Skalps wurden daraufhin in das Depot gebracht; die geforderte Rückgabe an die indianischen Antragssteller wird allerdings bisher ausgeschlossen, da die Provenienz des Exponats unklar ist. Die gemeinsamen Recherchen zur Herkunft - basierend auf einem "Letter of understanding" - sind noch nicht abgeschlossen [Stand: Mai 2016]; über die Fortschritte wird regelmäßig in der Museumszeitschrift "Der Beobachter an der Elbe" berichtet.[9]

The Karl May Presentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich seines 100. Todestages eröffnete Anfang Mai 2012 für ein Jahr in der Westernstadt Tombstone, die in Luftlinie etwa 28 km von Radebeuls Partnerstadt Sierra Vista entfernt liegt, die Ausstellung The Karl May Presentation. Die nahe gelegene Apache Spirit Ranch[10] sowie das Karl-May-Museum in Radebeul unterstützten die Ausstellung mit zahlreichen Exponaten. Ergänzt wurden die Leihgaben aus Deutschland um indianische Originalgegenstände wie Tomahawks oder kunstvoll verzierte Mokassins. Schautafeln illustrieren das Leben der amerikanischen Ureinwohner und decken auf, inwieweit der durch Filme und Bücher genährte Mythos mit der Wirklichkeit übereinstimmt.[11][12] Bereits 2009 war der Vorläufer der jetzt aktualisierten Ausstellung an gleicher Stelle gezeigt worden.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl-May-Museum Radebeul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Radebeul 24. Mai 2012, S. 21 (Letzte von der Stadt Radebeul veröffentlichte Denkmalliste. Die seit 2012 beim Landkreis Meißen angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde hat noch keine Denkmalliste für Radebeul veröffentlicht.).
  2. a b Volker Helas (Bearb.): Stadt Radebeul. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Große Kreisstadt Radebeul. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen). SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3.
  3. Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. Herausgegeben vom Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geänderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9.
  4. "Zur Geschichte des Karl-May-Museums, einer indianischen Sammlungsobjekte und deren Präsentation" http://www.karl-may-stiftung.de/museum/indianer/hoffmann.html
  5. Baufortschritt Zukunftsvision Abschnitt 1.
  6. Wolf Dieter Liebschner und Ulf Mallek: Chef des Karl-May-Museums entlassen. In: Sächsische Zeitung. 18. Dezember 2013 (kostenpflichtig online [abgerufen am 19. Dezember 2013]).
  7. https://www.theguardian.com/world/2014/mar/10/german-museum-karl-may-native-american-scalps
  8. http://www.karl-may-stiftung.de/museum/indianer/hoffmann.html
  9. Robin Leipold: Zum Forschungsstand der Skalp-Rückforderung. In: Der Beobachter an der Elbe, Mai 2016 (PDF).
  10. Feierliche Eröffnung des Karl-May-Museums, abgerufen am 12. Juni 2012.
  11. Karl-May-Museum in Arizona öffnet zum 100. Todestag, abgerufen am 12. Juni 2012.
  12. Karl-May-Museum in Tombstone / Arizona (27.03.2012), abgerufen am 12. Juni 2012.
  13. German Author Karl May Exhibit at Tombstone Courthouse State Historic Park. In: Arizona State Parks, vom 8. Januar 2009.

Koordinaten: 51° 6′ 10″ N, 13° 40′ 25″ O