Kathedrale unserer lieben Frau (Luxemburg)

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Unsere liebe Frau zu Luxemburg, von Westen, mit neuem Südchor und neuem Westportal (1935–38)
Innenansicht Chorbereich, links die Großherzogsloge (Hochaltar und Seitenaltäre im Chor wurden inzwischen entfernt)

Die Kathedrale unserer lieben Frau von Luxemburg (französisch Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg, luxemburgisch Kathedral Notre-Dame) ist ein römisch-katholisches Gotteshaus in der Stadt Luxemburg und Kathedralkirche des Erzbistums. Die Luxemburger bezeichnen das Gotteshaus auch als Mariendom.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde an der heutigen Stelle als Jesuitenkirche errichtet, die Grundsteinlegung erfolgte 1613. 1794 nahm die Kirche das Gnadenbild der Stadt- und Landespatronin Trösterin der Betrübten auf und wurde Zentrum der Muttergottesoktave.[1] Zuvor verehrte man die Marienfigur in der zerstörten, später wieder aufgebauten Glacis-Kapelle. Rund 50 Jahre nach der endgültigen Übertragung erhielt die Jesuitenkirche den Weihetitel Liebfrauenkirche. Im Jahr 1870 erhob sie Papst Pius IX. zur Kathedrale Unserer Lieben Frau. 1935 kam es zu Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen.

2011 diente das Gotteshaus als Kulisse für den Spielfilm Die Schatzritter und das Geheimnis von Melusina.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Hauptfassade von 1621, auf der Nordseite
Historisches Hauptportal, Nordseite (1621)
Das neue Westportal (Marienportal)
Das Gnadenbild Trösterin der Betrübten

Ursprüngliches Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk ist ein bemerkenswertes Beispiel der Spätgotik, weist jedoch verschiedene, vom Renaissancestil und vom Frühbarock beeinflusste Elemente und Verzierungen auf. Die historische Hauptfassade liegt in der Rue Notre Dame (Nordseite) und besitzt ein prächtigs Eingangsportal (bezeichnet 1621), geschaffen von dem Bildhauer Daniel Müller († 1623) aus Freiberg in Sachsen. Im Giebel befindet sich das monumentale Wappen von Erzherzog Albrecht VII. von Habsburg, der zur Zeit der Erbauung Regent der Spanischen Niederlande war, wozu Luxemburg damals gehörte. Den ursprünglichen Chor zierte ein Gewölbeschlusstein mit dem Wappen des Orvaler Abtes Bernard de Montgaillard (1563–1628). Er war vermutlich finanziell an der Errichtung beteiligt.[2] Beim Neubau des Chores (1935) wurde der Wappenstein als Spolie in die darunter angelegte Krypta versetzt.

Umbau im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1935 und 1938 hat man die Kathedrale nach Süden hin erweitert und vergrößert. Der Neubau, der die Silhouette der Festungsstadt Luxemburg mitbestimmt, erfolgte nach den Plänen und unter der Leitung des luxemburgischen Architekten Hubert Schumacher.

Dieser Erweiterungsbau, der sich an die beiden Chorjoche von 1613 bis 1621 anschließt, prägt sowohl durch seine Weiträumigkeit, als auch durch die architektonische Einheit die aktuelle Gestalt der alten Ordenskirche im Erscheinungsbild der Stadt. Hervorzuheben ist in dem Zusammenhang, dass die Neugestaltung der Außenarchitektur der im gotischen Stil erbauten Kathedrale eine Herausforderung darstellte, da es galt, die Kirche mit den umliegenden Gebäuden, wie dem Atheneumsgebäude aus dem 17. Jahrhundert, der Nationalbibliothek, dem alten Refugium St. Maximin (1751) (jetzt Außenministerium), sowie den umliegenden älteren Wohnhäusern, harmonisch zu verbinden. Am Erweiterungsbau wurde auf der Westseite, am l'Arc Athenée/Boulevard Roosevelt (siehe Bild), ein neues Portal, das sogenannte Marienportal geschaffen. Man gelangt hier direkt in den neuen Chor der Kathedrale. Zuvor befindet sich innen rechts ein Treppenabgang in die darunterliegende Krypta mit den Bischofsgräbern und der großherzoglichen Gruft.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im polygonalen Chor ist über dem Bischofssitz, an exponierter Stelle, das Gnadenbild Trösterin der Betrübten aufgestellt. Davor befindet sich der neuzeitliche Zelebrationsaltar. Hohe und mit farbigem Glas gestaltete Rundbogenfenster lassen das Tageslicht in gebrochenen Farben eintreten. Den Chorvorraum schmücken Gobelins mit biblischen Szenen. Das Hauptschiff wird von einem Kreuzrippengewölbe getragen, auf der Ostseite befindet sich die großherzogliche Emporenloge. Westlich und östlich sind Seitenschiffe angebaut; das östliche ist zugleich Sakraments- und Taufkapelle, das westliche birgt einen Altar zu Ehren des Hl. Joseph und mehrere große Kerzenständer auf denen die Gläubigen Kerzen aufstellen können. Die Altarbereiche beider Seitenschiffe weisen reichhaltigen Mosaikschmuck auf.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kathedrale beherbergt zwei Orgeln: Ein Instrument von Haupt und die große Orgel auf der Westempore von einer französischen Orgelbauwerkstatt.

Große Kathedralorgel

Die große Kathedralorgel geht in Teilen zurück auf ein Instrument aus dem Jahre 1880, das von der Orgelbaufirma Dalstein und Haerpfer aus Boulay-Moselle erbaut wurde. Diese Orgel wurde 1921 pneumatisiert und 1929 von der Orgelbaufirma Haupt aus Lintgen erweitert. Im Jahr 1938 wurde das Instrument durch einen Neubau der gleichen Orgelbaufirma mit 84 Registern (Kegelladen) auf vier Manualen und Pedal ersetzt. Das Instrument hat elektropneumatische Trakturen. Von dieser Orgel aus ließ sich auch die Westemporenorgel anspielen, die 1995 durch den Neubau von Georg Westenfelder ersetzt wurde. Die hintere Orgel hatte 24 Register und ist derzeit eingelagert.[3]

I Grand Orgue C–c4

1. Principal 16’
2. Bourdon 16’
3. Principal 8’
4. Majorflöte 8’
5. Fugara 8’
6. Gedeckt 8’
7. Dolce 8’
8. Prestant 4’
9. Rohrflöte 4’
10. Octav 2’
11. Quinte 51/3
12. Quinte 22/3
13. Terz 13/5
14. Cornet III-V 8’
15. Mixtur V-VI
16. Bombarde 16’
17. Trompete 8’
18. Clairon 4’
II Positif expressif C–g3
19. Salicional 16’
20. Principal 8’
21. Lieblich Gedackt 8’
22. Fernflöte 8’
23. Salicional 8’
24. Quintatön 8’
25. Principal 4’
26. Gemshorn 4’
27. Flageolet 2’
28. Nasat 22/3
29. Sesquialter II 22/3
30. Mixtur III-IV
31. Rankett 16’
32. Tuba mirabilis 8’
33. Euphon 8’
34. Singend Regal 4’
Harfe
Tremulant
III Recit expressif C–c4
35. Zartgedackt 16’
36. Geigenprincipal 8’
37. Flûte harmonique 8’
38. Viola 8’
39. Bordun 8’
40. Aeoline 8’
41. Vox coelestis 8’
42. Geigenoctav 4’
43. Flûte octaviante 4’
44. Flautino 2’
45. Quint-Flöte 22/3
46. Sifflöte 11/3
47. Terzflöte 13/5
48. Septime 11/7
49. Piccolo 1’
50. Mixtur IV-V
51. Cornet V 8’
52. Dulciana 16’
53. Trompette harm. 8’
54. Basson-Hautbois 8’
55. Vox humana 8’
56. Clairon harm. 4’
Tremulant
IV Positif C–c4
57. Diapason 8’
58. Rohrflöte 8’
59. Singend Principal 4’
60. Nachthorn 2’
61. Larigot 11/3
62. Cymbel III
63. Krummhorn 8’
Tremulant

Pedal (Positiv) C–g1
64. Weidenbass 16’
Pedal C–g1
65. Contrabass 16’
66. Violonbass 16’
67. Subbass 16’
68. Echobass 16’
69. Octavbass 8’
70. Bordun 8’
71. Cellobass 8’
72. Prestant 4’
73. Bassflöte 4’
74. Quintbass 102/3’’
75. Grossquinte 51/3’’
76. Quinte 22/3
77. Mixtur IV
78. Contra-Posaune 32’
79. Bombarde 16’
80. Dulciana (Nr.52) 16’
81. Trompete 8’
82. Clairon 4’
83. Singend Cornet 2’
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln:. II/I, III/I, III/II, IV/I, I/P, II/P, III/P, IV/P.
    • Superoktavkoppeln:. I/I, II/I, II/II, III/I, III/II, III/III, IV/I, IV/II, IV/III, IV/IV, I/P, II/P III/P
    • Suboktavkoppeln:. II/I, II/II, III/I, III/I, III/III, IV/I, IV/II, IV/III, IV/IV
  • Spielhilfen: Handregister, eine freie Kombination, 3 freie Pedalkombinationen, diverse feste Kombinationen (u.a. Tutti général, tutti ohne Oktavkoppeln), diverse Absteller, 32-fache Setzeranlage, Crescendowalze.
Westemporen-Orgel
Westenfelder-Orgel (Orgue classique)

Die Westemporen-Orgel wurde 1995 von der Orgelbaufirma Westenfelder (Lintgen, Luxemburg) erbaut. Das Instrument hat 60 Register auf vier Manualen und Pedal. Eine Besonderheit ist das Spanische Trompetenwerk.[4]

I Rückpositiv C–g3
1. Principal 8′
2. Gedeckt 8′
3. Quintade 8′
4. Flöte II 8′
5. Prestant 4′
6. Rohrflöte 4′
7. Nasat 22/3
8. Doublette 2′
9. Flöte 2′
10. Terz 13/5
11. Larigot 11/3
12. Cimbel IV 12/3
13. Fagott 16′
14. Cromorne 8′
15. Trichterregal 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3

16. Principal 16′
17. Oktave 8′
18. Rohrgedeckt 8′
19. Prestant 4′
20. Große Terz 31/5
21. Nasat 22/3
22. Doublette 2′
23. Terz 13/5
24. Mixtur VI 2′
25. Cornet V (ab cis1) 8′
26. Trompete 16′
27. Trompete 8′
28. Clairon 4′
29. Voix humaine 8′
Tremulant
III Oberwerk C–g3
30. Quintade 16′
31. Baarpeip 8′
32. Rohrflöte 8′
33. Principal 4′
34. Flûte allemande 4′
35. Quinte 22/3
36. Oktave 2′
37. Flöte 2′
38. Terz II 13/5
39. Scharf IV 1′
40. Cimbel III 3/16
41. Trompete 8′
42. Oboe 8′
43. Schalmey 4′
Tremulant
IV Spanisches Werk C–g3
44. Trompeta 16′ D
45. Trompeta 1 8′ B/D
46. Trompeta 2 8′ D
47. Clairon 4′ B
48. Orlos 8′ B/D
Pedal C–f1
49. Untersatz 32′
50. Principal 16′
51. Flöte 16′
52. Oktave 8′
53. Flöte 8′
54. Flöte 4′
55. Flöte 2′
56. Bauernflöte 1′
57. Posaune 16′
58. Posaune 8′
59. Trompete 8′
60. Clairon 4′
61. Cornet 2′
Tremulant

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut der Kathedrale besteht aus elf Kirchenglocken. Beim Brand der Kathedrale im Jahre 1985 wurde nur die große Glocke, Christ-König-Bourdon genannt, von den Flammen verschont. Sie ist ein Werk der Glockengießerei Ulrich in Apolda aus dem Jahre 1937. 1986 goss die Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei zehn neue Glocken. Die große Glocke (Schlagton a0) hängt zusammen mit den vier kleinsten Glocken (d2, e2, fis2 und a2) im Ostturm; die übrigen Glocken (h0, d1, e1, fis1, a1 und h1) befinden sich im Westturm.

Die Krypta als Grabstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krypta, Eingang zur Gruft der großherzoglichen Familie

In der Krypta der Kathedrale befinden sich die Grabstätten der großherzöglichen Familie. Folgende Personen sind hier bestattet:

  1. Johann, König von Böhmen (10. August 1296–26. August 1346)
  2. Maria-Adelheid, Großherzogin von Luxemburg (14. Juni 1894–24. Januar 1924)
  3. Maria Anna von Portugal, Großherzogin von Luxemburg (13. Juli 1861–31. Juli 1942) – (Gemahlin von Großherzog Wilhelm IV.)
  4. Felix von Bourbon-Parma (28. Oktober 1893–8. April 1970) – (Gemahl von Großherzogin Charlotte)
  5. Charlotte, Großherzogin von Luxemburg (23. Januar 1896–9. Juli 1985)
  6. Joséphine Charlotte von Belgien, Großherzogin von Luxemburg (11. Oktober 1927–10. Januar 2005) – (Gemahlin von Großherzog Jean)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kathedrale Unserer Lieben Frau Luxemburg, Schnell Kunstführer Nr. 2200, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 1995, ISBN 3-7954-4033-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kathedrale unserer lieben Frau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Glaube, Liebe, Hoffnung. Feierliche Eröffnungsandacht leitet Muttergottesoktave im Mariendom ein. In: Luxemburger Wort, Tageszeitung vom 22. April 2013; Leitartikel
  2. Stimmen aus Maria-Laach, Band 58, Herder Verlag, Freiburg, 1900, S. 58; (Ausschnittscan)
  3. Nähere Informationen zur großen Kathedralorgel
  4. Nähere Informationen zur Westenfelder-Orgel

Koordinaten: 49° 36′ 35″ N, 6° 7′ 53″ O