Kettenschleppschiffahrt der Oberelbe

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Eindruck der Kettenschifffahrt auf der Elbe bei Dresden
Kettenführung bei Dresden
Modell des Kettenschleppers Gustav Zeuner mit Turbinenpropeller für die Talfahrt
Struktur zur Erläuterung der Verbindungen zwischen der KSO und der Schiffswerft Übigau

Die Aktiengesellschaft Kettenschleppschiffahrt der Oberelbe (KSO) wurde 1869 zunächst zum Betrieb der Kettenschifffahrt im sächsischen Abschnitt der Elbe gegründet. Zum Direktor wurde der Initiator Ewald Bellingrath bestellt.

Hintergrund und Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund zur Einführung der Kettenschleppschifffahrt war die Entwicklung der Eisenbahn, deren starke Ausbreitung Mitte des 19. Jahrhunderts eine sehr starke Konkurrenz der Elbschifffahrt bedeutete. Die bisherige Technologie des Segelns und Treidelns auf der Elbe war zu aufwändig und zu langsam. Die etwa seit 1840 regelmäßig fahrenden Raddampfschlepper hatten einen großen Tiefgang und verfügten über geringe Antriebsleistungen, da sie mit Niederdruckdampfmaschinen ausgestattet waren.

Kettenschlepper, wie sie bereits in Frankreich Anwendung fanden, hatten nur einen geringen Tiefgang und konnten auch Strecken mit großem Gefälle und starken Strömungen bewältigen. Als Nachteil galten jedoch die hohen Investitionskosten für die Verlegung und Instandhaltung der Kette. Allerdings mussten auch die Eisenbahnen ihren Fahrweg mit hohen Investitionskosten selbst erstellen. Auf Strecken mit wenig Gefälle wurden erfolgreich Raddampfer als Schlepper eingesetzt.

Zum Pionier in Deutschland wurde die Vereinigte Hamburg-Magdeburger Dampfschiffahrts-Compagnie (VHMDC) mit der ersten Strecke (5 km) zwischen Magdeburg-Neustadt und Buckau. Hier fuhren die ersten Kettenschleppdampfer ab 1866 und bewährten sich hervorragend. Die Strecke wurde darauf bis Ferchlau erweitert und erreichte drei Jahre später Hamburg.

Kettenschleppschiffahrt der Oberelbe (KSO, 1869–1881)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Industrie und Banken (E. Bellingrath) und der Schifferverein (A. Fiedler) in Sachsen einigten sich und bildeten eine gemeinsame Gesellschaft, die Kettenschleppschifffahrt der Oberelbe. Bellingrath wurde der Direktor, das Aktienkapital betrug rund 800.000 Taler (2,4 Mio. Mark).

Zuerst erhielt die Gesellschaft vom Land Sachsen die Konzession zur Auslegung der Kette (allerdings unter strengen Auflagen). Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung am 1. November 1869 wurden zwei Kettenschlepper auf dem ersten Teil der 49 km langen Strecke zwischen Merschwitz und Loschwitz eingesetzt. Eine schnelle Erweiterung wurde durch Fähren, die am Querseil oder an der Querkette geführt wurden, gebremst. Erst die Umstellung auf das Prinzip der Gierfähren schaffte hier Abhilfe. Um 1870 war die geplante Strecke von rund 120 km von Kreinitz bis Schmilka ausgelegt.

1871 lag auch die Konzession von Anhalt vor und daraufhin wurde die Kette von Magdeburg und Kreinitz aus in beiden Richtungen verlegt. Noch im gleichen Jahr wurde die Gesamtstrecke von 330 km in Betrieb genommen und 1873 verfügte die KSO bereits über 13 Kettenschlepper. 1872 wurden rund 10.000 Kähne geschleppt mit einem Frachtaufkommen von etwa 140.000 Tonnen. Dieses verdoppelte sich bis 1880 auf rund 292.000 Tonnen. 1878 wurde die Schiffswerft Übigau integriert und ausgebaut, damit konnten die Kettenschlepper auf der eigenen Werft überholt werden, auch Neubauten entstanden hier. 1880 wurde mit der Elbdampfschiffahrtsgesellschaft eine Betriebsgemeinschaft gebildet.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kette – Deutsche Elbschiffahrts-Gesellschaft (1881–1903)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1881 entstand dann die Kette – Deutsche Elbschiffahrts-Gesellschaft, die 1883 von Schmilka bis Hamburg über 625 km Kette in der Elbe und 27 Kettenschlepper verfügte. Außerdem gehörten neben 110 Schleppkähnen zwölf Radschleppdampfer, acht Eilgutdampfer und zwei Personendampfer dazu. Dies war der Höhepunkt dieser Technologie auf der Elbe. Seit 1898 wurden die Ketten einzelner Strecken nicht mehr erneuert und die Kettenschifffahrt hier eingestellt, da die Konkurrenz durch Radschleppdampfer mit den wirtschaftlichen Dreifach-Expansionsmaschinen zunahm. Die Trommelwinden wurden durch Greifräder mit geringerem Kettenverschleiß ersetzt und bei Talfahrt fuhren die neuen Kettenschlepper wie die Gustav Zeuner zur Kettenschonung mit dem Antrieb von sogenannten Turbinenpropellern.

Vereinigte Elbschiffahrts-Gesellschaften (ab 1903)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1903 wurde die Kette mit der Gesellschaft der Vereinigten Schiffer vereinigt und eine neue Gesellschaft, die Vereinigte Elbschiffahrts-Gesellschaften entstand. 1921 wurde die Saalestrecke eingestellt, 1929 waren auf der Elbe noch 185 km Kette, 1943 noch nur 10 km mit zwei Kettenschleppern Betrieb. 1945 wurden die letzten Kettenschlepper bei einem Luftangriff zerstört. Damit wurde auch die Kettenschleppschifffahrt in Deutschland endgültig beendet, denn auf den anderen Flüssen wurde dieser Bereich der Schifffahrt bereits früher eingestellt; sie wurde danach an keiner Stelle wieder aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Düntzsch, Grötschel, Hinsch, Zesewitz: Ewald Bellingrath - Ein Leben für die Schiffahrt, Lauenburg 2003, Schriften des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. Band 4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kettenschiffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien