Kienzle Apparate

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Die Kienzle Apparate GmbH Villingen war ein deutsches Industrieunternehmen, das durch seine technischen Instrumente für den Automobilbereich (v.a. Tachographen, Taxameter) sowie für Büromaschinen und Computersysteme bekannt war. Das Familienunternehmen wurde in den 1980er Jahren zuerst von der Mannesmann AG, dann von der Siemens AG übernommen. Seit 2007 gehört das Unternehmen zur Continental AG. Am Standort Villingen-Schwenningen ist das Werk heute weiterhin größter industrieller Arbeitgeber der Stadt.

Gründerjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kienzle-Tachoscheiben

Entstanden war die Kienzle Apparate GmbH Villingen 1928/29 als Spin-off der Kienzle Uhrenfabriken Schwenningen. Den Kern des neuen Unternehmens bildeten Betrieb, Personal, Know-how und Produkte des Unternehmens C. Werner, einer Villinger Uhrenfabrik, die 1913 von Kienzle übernommen worden war. C. Werner hatte seit 1905 eigene Taxameter der Marke Argo entwickelt und verkauft. Dieses Geschäft wurde von den Kienzle Uhrenfabriken weitergeführt und war Ausgangspunkt für die weitere Entwicklungen von Kontroll- und Messinstrumenten für Betriebe und Automobile. Wichtigste Erfindung war hier der Fahrtenschreiber (Tachograph), der über Jahrzehnte einen wichtigen Teil des Kienzle-Geschäfts ausmachte. Gründerunternehmen der Kienzle Apparate war Herbert Kienzle, einer der Söhne von Jakob Kienzle, der die Uhrenfabriken in Schwenningen aufgebaut hatte. In den Anfangsjahren war das Unternehmen eigentumsrechtlich mit weiteren Mitgliedern der Familie Kienzle verbunden, ab 1934/35 wurden aber alle Anteile an den Familienzweig Dr. Herbert Kienzle übertragen.

Weitere Entwicklung im Nationalsozialismus und Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Krisenjahren während der Weltwirtschaftskrise erlebte Kienzle Apparate in den Jahren des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg einen ersten Boom. Die Mitarbeiterzahl stieg auf über 1.000 an, darunter befanden sich in der zweiten Kriegshälfte auch zahlreiche Zwangsarbeiter. Das Unternehmen wurde Teil der deutschen Kriegswirtschaft. Die Wehrmacht war Hauptabnehmer der zivilen Produkte (Tachographen) und Auftraggeber für Rüstungsprojekte. Bei Kienzle Apparate wurden v.a. Regler für Flugzeugmotoren gefertigt, in der zweiten Kriegshälfte ging das Unternehmen zu eigenen Entwicklungen für die Wehrmacht über.

Eine Kienzle-Buchungsmaschine, Klasse 200

Boom in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nachkriegszeit waren es zwei Entwicklungen, die den erneuten Aufstieg der Kienzle Apparate GmbH bewirkten. Zum einen war es der Durchbruch zur automobilen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland, der das Geschäft mit automobilen Instrumenten anschob. In diesen Zusammenhang gehört auch die Einführung von Parkuhren, zu deren bedeutendsten Herstellern die Firma seit den 1950er-Jahren gehörte.

Zum anderen baute das Unternehmen mit der Produktion von Büromaschinen und später Computern ein zweites großes Geschäftsfeld auf. Kienzle Apparate gehörte damit nicht nur zu den wichtigen deutschen Anbietern von mechanischen Buchungsmaschinen, sondern war eines der Pionierunternehmen in der Einführung kleiner Computeranlagen für kommerzielle Büroanwendungen. In den Jahren ab 1963 gab es enge Kooperationen und mehrere - letztlich gescheiterte - Verhandlungen bzgl. eines Zusammenschlusses mit Nixdorfs Labor für Impulstechnik. Neben Nixdorf oder Triumph-Adler gehörte Kienzle damit ab Ende der 1960er Jahre zu den großen Anbietern von Computersystemen der Mittleren Datentechnik. In dieser Zeit wurde das Unternehmen von Jochen Kienzle und Herbert Kienzle, den beiden Söhnen des Unternehmensgründers geleitet.

Kienzle Logo und Postanschrift in den 1960er Jahren

Vom Familienunternehmen zur Konzerntochter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wirtschaftliche Druck im Computergeschäft zwang die Eigentümerfamilie 1981/82 dazu, ihr Unternehmen an die Mannesmann AG zu verkaufen. Als Mannesmann Kienzle GmbH erlebte das Unternehmen in den 1980er-Jahren einen erneuten Boom mit beiden großen Geschäftsfeldern. Zum 1. Januar 1991 wurde die Computersparte an den US-Konzern Digital Equipment Corporation verkauft. Die neue Firma Digital-Kienzle Computersysteme GmbH & Co. KG überlebte aber die tiefe Krise des Mutterkonzerns nicht, sodass die Geschichte des Kienzle-Computers Mitte der 1990er-Jahre endete. Auch dem Versuch einer Fortführung in der Mitarbeiterfirma DITEC Informationstechnologie GmbH & Co. KG war kein Erfolg beschieden. Der Automotive-Teil wurde ab 1991 von Mannesmann weitergeführt. Er wurde schrittweise mit dem Unternehmen VDO zusammengeführt und bildete mit diesem zusammen die Unternehmensgruppe Mannesmann VDO. Mit der Zerschlagung der Mannesmann AG durch Vodafone im Jahr 2000 wurde dieser komplette Geschäftsbereich an den Siemens-Konzern weiterverkauft und arbeitete in den Jahren bis 2007 als Siemens VDO. Im Dezember 2007 erwarb der Continental-Konzern die Siemens VDO Automotive AG[1]. Mittlerweile ist der Villinger Teil der Continental Automotive GmbH für die LKW-Sparte zuständig. Hier werden heute Tachographen (DTCO), die Maut-OBU, Kombiinstrumente für LKW, Busse und Traktoren, Steuergeräte, und ganze Fahrer-Arbeitsplätze für Busse produziert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Heinrich Schmid: "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten." (3. erweiterte Auflage 2017); Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie e.V.; ISBN 978-3-941539-92-1
  • Armin Müller: Kienzle. Ein deutsches Industrieunternehmen im 20. Jahrhundert, 2. Auflage, Franz Steiner Verlag: Stuttgart 2014, ISBN 978-3-515-10669-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.conti-online.com: Continental schließt Kauf der Siemens VDO Automotive AG offiziell ab, 3. Dezember 2007, abgerufen am 2. November 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]